Document Actions

Berufliche Stressbelastung

Angst um Arbeitsplatz macht krank

Die Finanzkrise und sinkende Auftragszahlen wecken bei vielen Beschäftigten die Angst vor dem Verlust des Arbeitsplatzes. Auf welche Weise erzeugen unsichere Arbeitsbedingungen beruflichen Stress? Und wie negativ wirkt sich dieser Stress tatsächlich auf das psychische und physische Wohlbefinden der Erwerbstätigen aus? Diesen Fragen geht im Moment eine laufende Studie der Universität Ulm in Zusammenarbeit mit der Universität Halle-Wittenberg nach.

Angst um Arbeitsplätze fördert stressbedingte Herzerkrankungen

Angst um Arbeitsplätze fördert stressbedingte Herzerkrankungen

Der Leiter der Studie, der Ulmer Professor Richard Peter, bestätigt den Zusammenhang zwischen unsicheren Arbeitsbedingungen und schlechter psychischer und körperlicher Gesundheit und sucht nun die genauen Ursachen.

Unsichere Arbeitsplätze sind nicht neu

Die Studie der Universität Ulm zu den psychischen und physischen Auswirkungen unsicherer Arbeitsbedingungen scheint zum rechten Zeitpunkt zu kommen, denn fast täglich verkünden Unternehmen den Beginn von Kurzarbeit oder können einen Arbeitsplatzabbau nicht mehr vermeiden. Doch die Ulmer Wissenschaftler um Professor Dr. Richard Peter haben nicht die aktuelle wirtschaftliche Krise zum Anlass ihrer Untersuchungen genommen.

„Hier hat uns die aktuelle Entwicklung überholt“, so Professor Richard Peter, „zugleich ist das Gewicht unserer Studie noch gewachsen.“ An den Themen wie Soziale Ungleichheit und Gesundheit, Psychomentale und sozio-emotionale Belastungserfahrungen im Erwerbsleben und Stressprävention im Erwerbsleben arbeitet der Medizinsoziologe schon lange und blickt auf eine fast 20-jährige Erfahrung zurück.

Zusammenhang unsicherer Job und Belastung besteht

Deshalb kann der Wissenschaftler auch bereits zu Beginn der Studie schon zentrale Aussagen treffen. „Ein Zusammenhang zwischen befristeten oder anderweitig unsicheren Jobs und schlechter psychischer wie körperlicher Verfassung besteht. Das ist inzwischen vielfach belegt“, erläutert Professor Richard Peter und erklärt die Intention der aktuellen Studie so: „Wir wollen nun in Zusammenarbeit mit der Universität Halle-Wittenberg den Ursachen auf die Spur kommen.“

Mehr zum Thema Stress

Erste Ergebnisse der von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) geförderten Studie würden bis zum Spätherbst 2009 erwartet. „Durch die Finanz- und Wirtschaftskrise sowie den damit einhergehenden konjunkturellen Einbruch hat sich die Situation für diese Arbeitnehmer vermutlich noch verschärft“, so Professor Peter weiter.

Studie auch politisch brisant

Die stetige Abnahme von sicher erscheinenden, sozialversicherungspflichtigen Arbeitsverhältnissen bei gleichzeitigem Anstieg der befristeten Erwerbstätigkeit, die Beschäftigung von Leiharbeitern und der Boom der Zeitarbeitsbranche unterstreichen eine politische Brisanz der Untersuchungen.

So wird das Motto „Besser ein befristeter Job als gar keiner“ unter Umständen bald in einem anderen Licht zu sehen sein, denn aus Sicht des Wissenschaftlers sind bei dem Boom der Zeitarbeitsbranche Diskussionen über die möglichen Folgen für die Betroffenen bisher ziemlich außen vor geblieben, ebenso die volkswirtschaftlichen Belastungen resultierend aus den gesundheitlichen Auswirkungen.

Einschätzung des eigenen Gesundheitszustandes gefragt

Bis April 2009 laufen noch telefonische Befragungen von Erwerbstätigen aus der Stadt Ulm und aus dem Alb-Donau-Kreis im Alter zwischen 25 und 65 Jahren. Die bis zu 3.000 Teilnehmer werden dazu zufällig durch die Einwohnermeldeämter ausgewählt.

Bei den Fragen geht es nicht um einzelne Erkrankungen, sondern vielmehr um die Einschätzung des eigenen Gesundheitszustandes und die Beschreibung verschiedener Symptome wie Niedergeschlagenheit oder Energielosigkeit. Eine anonyme Verarbeitung und die Wahrung des Datenschutzes werden durch die Forscher zugesichert.

Beispiel: Stressbelastung und koronare Herzerkrankungen

Bestimmte, insbesondere auch aus dem beruflichen Bereich resultierende Stressauswirkungen gelten bereits heute als gesichert, darunter die negative Wirkung von chronischen Stressbelastungen auf die Herz-Kreislaufgesundheit. Als mögliche Folgen könnten Gefäßveränderungen und langfristig Herzinfarkt oder plötzlicher Herztod in Betracht kommen.

Erklärungsmodelle für diese denkbaren Folgen von beruflichen Stressbelastungen gehen von einer Wechselwirkung von hohen Anforderungen (wie Zeitdruck) mit niedrigen Einfluss- und Kontrollchancen (wie Chancen, etwas Neues hinzuzulernen) aus, oder von der Kombination aus hoher Verausgabung (wie Verantwortung) und niedrigen Belohnungen im Erwerbsleben (wie Arbeitsplatzsicherheit).

Die abschließenden Ergebnisse der neuen Studie zu dem Zusammenhang zwischen unsicheren Arbeitsbedingungen und schlechter psychischer und körperlicher Gesundheit  werden für 2010 erwartet.

Oliver Schonschek ist Diplom-Physiker und Fachautor

Veröffentlicht:
2009-03-19

Diesen Artikel bookmarken bei...
Mister Wong del.icio.us Folkd Furl Google Linkarena oneview Yahoo MyWeb BlinkList YiGG Webnews

Vorteile für registrierte Nutzer
Als registrierter Benutzer von SIFATipp profitieren Sie von vielen Vorteilen:
  • Vorlagen, Checklisten, Arbeitsmitteldatenblätter zum Download
  • uneingeschränkte Nutzung des Bilderpools
  • Teilnahmemöglichkeit an Gewinnspielen
  • Vollen Zugriff auf die Rechtsvorschriften

Die Registrierung dauert nur einen Moment und Sie können im Anschluss sofort alle Vorteile nutzen.

jetzt registrieren…