Ambient Intelligence
Wenn die Arbeitsumgebung auf den Menschen Rücksicht nimmt
Ambient Intelligence klingt wie ein Schlagwort aus der Unterhaltungsindustrie oder aus Spionagefilmen, die „Umgebungsintelligenz“ hat jedoch ganz reale Bezüge zum Arbeitsschutz. Dank Ambient Intelligence sollen sich Arbeitsmittel und Arbeitsumgebungen selbstständig an die Fähigkeiten, Bedürfnisse und Ziele ihrer Nutzer anpassen können.
Mit Ambient Intelligence sind auch Risiken verbunden.
Nicht nur der Mensch sollte darauf achten, die Arbeitsmittel und Arbeitsumgebung sicher und gesund zu gestalten. Auch die Arbeitsumgebung und die Arbeitsmittel könnten ihren Beitrag zum Arbeitsschutz leisten, indem sie sich intelligent den Bedürfnissen des Menschen anpassen. Deshalb hat die Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA) Ambient Intelligence (AmI, intelligente Arbeitsumgebung) als eines der sechs priorisierten Forschungsthemen für 2010 bis 2013 ausgewählt. Aber auch schon jetzt finden Sie intelligente Arbeitsmittel und -umgebungen auf dem Markt, wie Bürostühle, die an Pausen erinnern.
Ambient Intelligence als Arbeitsschutz-Thema
„Weil Ambient Intelligence in der Zukunft ein gesellschaftsrelevantes Thema sein wird, ist es für uns heute ein Forschungsthema“, so die BAuA-Präsidentin Isabel Rothe bei der Eröffnung der Tagung „AmI und Arbeitswissenschaft - Chancen und Risiken neuer I&K-Technologien in der Arbeitsumgebung“ am 15.01.2010 in Dortmund. Ambient Intelligence klingt wie ein Schlagwort aus der Unterhaltungsindustrie oder aus Spionagefilmen, die „Umgebungsintelligenz“ hat jedoch ganz reale Bezüge zum Arbeitsschutz. Dank Ambient Intelligence sollen sich Arbeitsmittel und Arbeitsumgebungen selbstständig an die Fähigkeiten, Bedürfnisse und Ziele ihrer Nutzer anpassen können.
Wie Ambient Intelligence helfen kann
Um auf die Bedürfnisse und Aktivitäten des Menschen eingehen zu können, sind bei Lösungen im Bereich Ambient Intelligence Sensoren, Funknetze und Mini-Computer im Einsatz. Messen Sensoren zum Beispiel, dass die Temperatur am Arbeitsplatz zu hoch oder die Beleuchtung zu gering ist für die aktuelle Tätigkeit des Menschen oder dass die Sonneneinstrahlung blenden könnte, lassen sich nach Funkübertragung der Messwerte über Computer automatisch Gegenmaßnahmen einleiten. Die Heizung wird reduziert, das Licht verstärkt und der Sonnenschutz an den Fenstern aktiviert. Ebenso könnte das Belüftungssystem oder der aktive Schallschutz auf die gemessenen Situationen in der Umgebung selbstständig reagieren und die Arbeitsumgebung so optimieren.
Unterstützung aus dem Hintergrund
Ambient Intelligence soll den Menschen bei seiner Tätigkeit entlasten und unterstützen. Dazu werden Informationen geliefert, die aktuell für die Arbeitsprozesse benötigt werden, und Einstellungen vorgenommen, die dem Menschen helfen, ohne dabei unnötig von der aktuellen Beschäftigung abzulenken. Das alles läuft im Hintergrund ab, im Idealfall fast unbemerkt. Damit verbunden sind jedoch auch mögliche Risiken, die mit der Einführung solcher intelligenter Arbeitssysteme verbunden sind. Denken Sie nur an die Fragen des Datenschutzes für Beschäftigte, der gerade dann zum Tragen kommt, wenn die Tätigkeiten überwacht und Personen geortet werden, wie dies für die intelligenten Reaktionen von Arbeitsumgebungen und Arbeitsmittel notwendig ist.
Ambient Intelligence ist bereits Realität
Was sich nach Zukunftsträumen anhört, ist an vielen Stellen im Arbeitsleben und in zahlreichen Projekten schon Wirklichkeit geworden. Sei es die Persönliche Schutzausrüstung (PSA), die dank RFID bei ihrer Überprüfung hilft, seien es intelligente Lagersysteme, die bei der Routenoptimierung im Lager helfen, oder die intelligente Arbeitskleidung, die Sicherheitshinweise geben kann.
Sogar intelligente Bürostühle sind bereits auf dem Markt verfügbar, wie die mit Sensoren ausgestatteten Sitzmöbel von Dauphin HumanDesign Group. Bereits ein Sensor, der ermittelt, ob der Stuhl besetzt ist oder nicht, kann zur Beeinflussung der Arbeitsumgebung beitragen. Heizung, eine zusätzliche Beleuchtung am Schreibtisch und Klimaanlage könnten so informiert werden, dass sie ihren Dienst aufnehmen oder beenden sollten.
Sogar an die wichtigen Bewegungspausen kann solch ein Bürostuhl erinnern: Mit der Funktion „standup & move“ kann ein individueller Hinweisgeber aktiviert werden, der daran erinnert, auch einmal wieder aufzustehen und sich zu bewegen. Das Modell TakeOver von Dauphin passt sich zum Beispiel automatisch an das Gewicht des Nutzers an und hält Sitz und Rückenlehne dynamisch im richtigen Winkelverhältnis.
Auch Industrieanlagen denken mit
Die vom Deutschen Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz (DFKI) GmbH betriebene intelligente Fabrik SmartFactory KL zeigt, dass Ambient Intelligence nicht beim Büro aufhört. In der SmartFactory KL werden unter anderem Bedienelemente, Kommunikationssysteme und Lösungen zur Ortung innerhalb einer Fabrik untersucht und entwickelt, um Arbeitsumgebungen und Arbeitsmittel noch besser auf die modernen industriellen Abläufe und auf den Menschen abzustimmen. Beispiele für Ambient Intelligence im Industriebereich finden Sie unter www.smartfactory.de
Ambient Intelligence könnte somit Arbeitsprozesse und Arbeitsschutz in Zukunft deutlich beeinflussen, wobei auch die Risiken solcher Systeme nicht aus den Augen gelassen werden dürfen, wie die BAuA unterstreicht. Was die nähere Zukunft für Ambient Intelligence bringen wird, erfährt der Interessierte auch auf der European Conference on Ambient Intelligence in Malaga im November 2010 und natürlich bei SIFATipp.





