Projekte für mehr Arbeitsschutz
Arbeiten unter Tage: Pressluft aus dem „Reisekoffer“
Der Markt bietet bewährte Atemschutzgeräte. In bestimmten Situationen aber ist eine ganz besondere Lösung gefragt: Zum Beispiel, wenn der AGT in voller Montur ein Fahrzeug unter Tage lenken muss. Bei der K+S Kali GmbH gehört das zum Alltag. Darum erfand man ein adäquates System, das prompt den Förderpreis Arbeit - Sicherheit - Gesundheit in der Kategorie Gesundheitsschutz gewann.
Das Beatmungsgerät hat den Förderpreis der StBG in der Kategorie Gesundheitsschutz gewonnen.
Kalisalz wird durch Bohr- und Sprengarbeit gewonnen. Dabei können erhebliche Mengen an Kohlendioxid (CO2) frei werden. Eine Gefahr für die Beschäftigten, denn schon eine geringe Konzentration des geruchslosen Gases in der Atemluft kann tödlich sein: Bei Werten ab fünf Prozent droht bereits Bewusstlosigkeit. Arbeitsunfälle durch CO2-Vergiftungen sorgen branchenübergreifend für Schlagzeilen.
Tödliche Gase unter Tage
Im Bergwerk sind Messungen nach jeder Sprengung Pflicht. Bei zu hohen CO2-Werten werden Gegenmaßnahmen ergriffen. Anschließend kontrollieren Führungskräfte die betroffenen Bereiche, bevor sie für die Mitarbeiter wieder freigegeben werden.
Doch unter Tage sind die Strecken lang. Das Gebiet, in dem das Werk Werra der K+S Kali GmbH sein Salz gewinnt, entspricht in der Fläche dem Großraum München. Für die Kontrollen sind Fahrzeuge unverzichtbar, deshalb spricht man hier auch von „Freigabe-Befahrungen“. Motorisiert geht es also an die Grenze der CO2-Wolke, um ihre Ausdehnung zu erkunden. Das ist natürlich nur unter Atemschutz möglich.
Die bislang verwendeten Kreislauf-Atemschutzgeräte bieten zwar verlässlichen Schutz, wer aber mit dem „Koffer“ auf dem Rücken ein Fahrzeug zu steuern versucht, stößt an die Grenzen der Verwendung.
Eine Lösung für mobile Einsätze
Rund 150 Gasausbrüche verzeichnet das Werk Werra der K+S Kali GmbH jährlich. Da war eine spezielle Lösung gefragt, die den besonderen Bedürfnissen der „mobilen Atemschutzgeräteträger“ gerecht wird. Dieter Wendrich, Leiter des Grubenrettungswesens im Unternehmen, machte sich Gedanken und entwickelte gemeinsam mit der Firma Bartels + Rieger ein neues Druckluft-Schlauchgerät: In einem Aluminiumkoffer steckt der Atemluftvorrat für 90 Minuten. Das Gerät nimmt offenbar wenig Platz in Anspruch: Wolfgang Röhl von der BG Bergbau spricht von einem „Köfferchen“.
Mit dem Atemschutzgerät am Steuer
Der Luftversorgung kommt aus zwei Druckluftflaschen (je 6 oder 8 Liter), die sich in dem Koffer befinden, und die sind wiederum über einen drei Meter langen Schlauch mit dem Verwender verbunden. So wird der Tragekomfort des Gerätes hinter dem Steuer erhöht, und beim Verlassen des Fahrzeuges ist ein Mindestaktionsradius gegeben. Das Gerät kann auf dem Fahrzeug platziert, aber auch bei Bedarf mitgenommen werden. Zum Wechseln der Koffer wird der Schlauch ab- und wieder angekoppelt.
Für die Extraportion Luft
Für den Fall der Fälle gibt es eine zusätzliche Notluftversorgung in einer kleinen Extra-Flasche. Sie steckt im Beckengürtel des Arbeiters und setzt automatisch per Umschaltventil ein, sobald die Luftzufuhr aus dem Hauptgerät versagt oder zu Ende geht. Zugleich alarmiert eine doppelte akustische Warneinrichtung den Träger: Das Signal kommt direkt aus dem Lungenautomaten der Maske und zusätzlich vom Koffer. Die Reserve langt für circa 15 Minuten.
Atemphysiologische Vorteile
Wie Wolfgang Röhl berichtet, bietet das neue Langzeitatemschutzgerät auch ergonomische und vor allem atemphysiologische Vorteile: Die Belastung für den Geräteträger wurde deutlich verringert, und ihm steht immer gekühlte Luft mit geringem Atemwiderstand zur Verfügung. Das prämierte Gerät kann in allen Situationen eingesetzt werden, wo unter Atemschutz ein Fahrzeug bewegt werden muss. Damit könnte es zum Beispiel auch für Bewegung beim Brandschutz sorgen.





