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Arbeitsbühnen

So werden Dacharbeiten an Schienenfahrzeugen sicherer

Überprüfungen an Bahnfahrzeugen sind wegen der Kontrollen der ICE-T-Flotte in aller Munde, doch regelmäßige Wartungs- und Kontrollarbeiten sind an allen Schienenfahrzeugen erforderlich. Dazu müssen oftmals auch die Fahrzeugdächer betreten werden. Während die Beschäftigten sich bislang bei Dacharbeiten anseilen mussten, kommt jetzt in der Reisezugwagenwerkstatt der Verkehrsbetriebe Baden-Württemberg in Stuttgart eine elektrisch verstellbare mobile Dacharbeitsbühne zum Einsatz.

Macht Anseilen bei Dacharbeiten überlüssig: Die Arbeitsbühne der Günzburger Steigtechnik.

Macht Anseilen bei Dacharbeiten überlüssig: Die Arbeitsbühne der Günzburger Steigtechnik.

Dacharbeiten: Anseilen nicht sehr beliebt

Die Dächer von Schienenfahrzeugen beherbergen zahlreiche Komponenten, die regelmäßig kontrolliert und gewartet werden müssen. So erfordert es zum Beispiel die Instandsetzung der Klimaanlagen, dass die Monteure regelmäßig die Fahrzeugdächer von Reisewagen betreten. Um sich gegen einen denkbaren Absturz abzusichern, mussten sich die Beschäftigten in der Reisezugwagenwerkstatt der Verkehrsbetriebe Baden-Württemberg in Stuttgart bislang anseilen.

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Eine andere Möglichkeit der Absturzsicherung gab es bisher nicht, so die Auskunft der DB Mobility Logistics AG in Stuttgart. Das Arbeiten an der Sicherungsleine war aber nicht jedermanns Sache. „Da ist völlig klar, dass gerade diese Arbeiten nicht so gern gemacht wurden“, so Lutz Schmidt, der für die Wartung der Reisezugwagen verantwortliche Segmentleiter Stadtpark der Verkehrsbetriebe Baden-Württemberg.

Dacharbeitsbühne ist zu bevorzugen

In der Stuttgarter Reisezugwagenwerkstatt steht seit kurzem eine mobile elektrisch verstellbare Dacharbeitsbühne, die für die Beschäftigten nicht nur eine willkommene Alternative zum Anseilen ist. Bei der Auswahl einer Sicherheitsmaßnahme ist generell das TOP-Prinzip anzuwenden. Technische Lösungen haben also immer Vorrang vor organisatorischen Maßnahmen und diese wiederum vor dem Einsatz Persönlicher Schutzausrüstungen (PSA), wie sie bei dem Anseilen zum Einsatz kommen. Deshalb steht bei den Arbeiten auf Fahrzeugen in der Rangfolge eine Dacharbeitsbühne vor dem PSA-Einsatz gegen Absturz, so der Fachausschuss Bahnen (BG Bahnen) der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung.

Spezialkonstruktionen für mehr Sicherheit

Die Arbeitsbühne für Dacharbeiten in Stuttgart stammt von der Günzburger Steigtechnik GmbH, ist insgesamt 6,30 Meter lang und sechs Meter breit. Die Aluminium-Sonderkonstruktion besteht aus zwei seitlichen Einzelbühnen, die jeweils 4,95 Meter lang und über Geländerrahmeneinheiten starr miteinander verbunden sind, und einer fünf Meter langen Querplattform für Front- und Dacharbeiten an der Stirnseite. Auf speziell in den Boden eingebrachten Fahrschienen parallel zu dem Wartungsgleis kann die Wartungsbühne insgesamt 170 Meter an dem Zug entlang fahren. Bis zu vier Mitarbeiter können die Arbeitsbühne gleichzeitig für Wartungsarbeiten nutzen.

Nicht mehr auf die Tagschicht beschränkt

Die 450 Waggons der Verkehrsbetriebe Baden-Württemberg werden jeweils in einem Intervall von drei bis vier Wochen überprüft. Neben den saisonalen Kontrollen in der Sommer- und Winterzeit stehen die Wartungen der Klimageräte ebenso auf dem Arbeitsprogramm wie zum Beispiel die Instandsetzung von Scheibenwischer auf der Frontseite der Steuerwagen. Die Arbeit auf den Leitern und kleineren Hubbühnen konnte bislang nur in der Tagschicht erfolgen, aus Sicherheitsgründen. Da die spezielle Dacharbeitsbühne jedoch auch über vier leistungsstarke Strahler verfügt, können nun auch Wartungsarbeiten außerhalb der Tagschicht anberaumt werden.

Zwischenraum bei Bühne und Waggon ausschalten

Mit der neuen Wartungsbühne kann zudem der Risikobereich zwischen Bühne und Schienenfahrzeug minimiert werden. Nachdem die Monteure die Dacharbeitsbühne vom Boden aus bestiegen haben, können die Plattformen bis auf eine Höhe von vier Metern ausgefahren werden. Die Steuerung der dafür notwendigen Elektromotoren erfolgt über Joysticks.

Dabei können die Arbeitsplattformen auch bis auf das Spaltmaß Null an die Waggons hergefahren werden. Zwischen der Außenwand des Waggons und der Arbeitsbühne verbleibt also keine Lücke mehr, durch die Werkzeuge oder Schrauben fallen könnten. Eine Kontaktleiste stellt zudem sicher, dass die Bühne während der Dacharbeiten den Waggon nicht berührt. Geländer und Notabstiegsleitern an den Plattformen gehören ebenso zur Sicherheitsausstattung. Die Fahrgeschwindigkeit der Bühne kann bei Bedarf auf vier Meter pro Minute reduziert werden. Die Ein- und Ausfahrt des Zuges lässt sich über das Rot-Grün-Signal für den Lokführer regeln.

Weitere Informationen zur Erhöhung der Arbeitssicherheit bei den immer wieder notwendig werdenden Tätigkeiten auf Schienenfahrzeugen findet man in BGV D 29 Fahrzeuge (§ 24 Arbeitsplätze auf Fahrzeugen).

 

Oliver Schonschek, Diplom-Physiker und Fachjournalist

 

 

 

Veröffentlicht:
2008-11-25

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