Gefährdungen
Wenn die Bedienungsanleitung zum Risiko wird
Bedienungsanleitungen spielen nicht nur eine wichtige Rolle bei der Unterweisung. Auch bei der Gefährdungsbeurteilung dienen sie als eine der wesentlichen Informationsquellen.
Bedienungsanleitungen können viele Seiten umfassen - und dennoch das Wesentlichste verschweigen
Doch Bedienungsanleitungen sind nicht frei von Fehlern. Prüfen Sie deshalb kritisch, ob die Bedienungsanleitungen wirklich das halten, was sie versprechen, nämlich mehr Sicherheit bei der Bedienung und keine Verwirrung oder Fehlinformation.
Bedienungsanleitung nicht blind vertrauen
„Aber ich habe mich doch genau an die Anleitung gehalten“, sagt der Kollege, der gerade noch einem Arbeitsunfall entgangen ist. Das kann tatsächlich der Fall sein, denn Bedienungsanleitungen sind leider weit davon entfernt, völlig fehlerfrei zu sein. Ganze zehn Prozent aller Bedienungsanleitungen weisen schwere Mängel auf, so das Ergebnis der vom DIN-Verbraucherrat in Auftrag gegebenen Studie „Bedienungs- und Gebrauchsanleitungen für Verbraucherprodukte: Folgen fehlerhafter Anleitungen am Markt und Lösungsansätze zur Verbesserung technischer Anleitungen“. Auch im gewerblichen Bereich sollte man deshalb einer Bedienungsanleitung nicht ungeprüft und blindlings vertrauen.
Bedienungsanleitungen sind wichtige Informationsquellen
So könnte eine fehlerhafte Bedienungsanleitung nicht nur zu einer falschen Benutzung verleiten. Auch bei einer Verwendung für die Unterweisung und für die Gefährdungsbeurteilung könnten sich Mängel in der Bedienungsanleitung sehr negativ auswirken. Stellen Sie sich vor, Sie würden auf Basis einer fehlerhaften Bedienungsanleitung falsche Sicherheitshinweise weitergeben oder das Risiko, das von einer Maschine ausgeht, falsch einschätzen.
Kommunikationsfehler vorprogrammiert
Mit einer mängelbehafteten Bedienungsanleitung lassen Kommunikationsfehler nicht auf sich warten, die für zahlreiche Arbeitsunfälle mitverantwortlich zeichnen, wie verschiedene Unfallstatistiken zeigen. Es besteht ein deutliches Risiko, wenn Sicherheitshinweise oder Angaben zur Handhabung, Nutzung, Wartung oder Entsorgung eines Gerätes fehlerhaft, unvollständig oder widersprüchlich sind.
Marktaufsicht stellt Mängel fest
Im Rahmen der DIN-Verbraucherrat-Studie wurden auch Marktaufsichtsbehörden befragt, welche Mängel denn in der Praxis beobachtet werden. Als sehr kritische oder kritische Mängel sehen die Marktaufseher Faktoren wie
- fehlende Sicherheitshinweise,
- Anleitungen oder Sicherheitshinweise ohne Übersetzung in die Landessprache,
- Unstimmigkeiten zwischen Anleitung und Produkt,
- falsche (technische) Angaben,
- fehlende (technische) Angaben,
- fehlende Inhalte, Anweisungen oder Hinweise,
- unverständliche Benennungen und Bezeichnungen,
- bis hin zur fehlenden gedruckten Bedienungsanleitung oder sogar
- einer vollständig fehlenden Bedienungsanleitung.
Hersteller haben zum Teil falsches Bild von Anleitungen
Zu Recht werden Sie sich wundern, wie so etwas überhaupt möglich sein kann, wo doch die Hersteller über ihre Pflichten und die Bedeutung der Bedienungsanleitung informiert sein sollten. Doch auch hier zeigt die genannte Studie Mängel auf. Auf die Frage, was bei der Technischen Dokumentation sicherheitsrelevant sei, waren die Antworten der Hersteller nicht durchgehend, wie man es erwarten würde. So halten nur
- 63,8 Prozent der Befragten das Sicherstellen der Verständlichkeit von Begriffen,
- 63,1 Prozent der Befragten die Beigabe einer Dokumentation im Printformat,
- 58,2 Prozent die Übereinstimmung von Informationen in der Anleitung mit Produkt und Handlungsablauf,
- 54,0 Prozent die Prüfung von Vollständigkeit und Beschreibungstiefe und
- 46,5 Prozent Vorgaben für präzise Formulierungen und eindeutige Ausdrücke
bei Technischen Dokumentationen wie Bedienungsanleitungen für sicherheitsrelevant.
Anwender decken Mängel oftmals selbst auf
Besonders kritisch ist zu sehen, dass Mängel in der Technischen Dokumentation in der Mehrzahl durch die Anwender selbst oder sogar erst durch einen Unfall aufgedeckt werden. Zu den häufigsten Fehlern zählen dabei
- fehlende oder falsch beschriebene Sicherheitshinweise (über 30 Prozent der Fehler),
- Fehlen von Inhalten und Angaben
- Verwendung veralteter Normen
- veraltete Anleitungen
Sehen Sie sich deshalb die Bedienungsanleitungen vor Unterweisung und Gefährdungsbeurteilung genau an. Unsere Checkliste hilft Ihnen dabei.






