Interview
Sicherheit bei der Baustromversorgung
Das Thema Sicherheit bei der Baustromversorgung ist aktueller denn je. Offenbar besteht hier noch viel Aufklärungsbedarf. Das belegt der tödliche Unfall, der sich am 8. August im Dachgeschoss eines Hauses in Schöneberg ereignete. Das Landesamt für Arbeitsschutz, Gesundheitsschutz und technische Sicherheit (LAGetSi), Berlin, beschäftigt sich täglich mit dieser Problematik. SIFATipp hat Behördensprecher Dr. Robert Rath zu den Hintergründen befragt.
Dr. Robert Rath, LAGetSi Berlin
SIFATipp: Herr Dr. Rath, der Stromunfall geschah bei einer Routinearbeit in geschützter Umgebung, sollte man meinen. Was hätte man zur Prävention beitragen können?
Dr. Rath: Entsprechend den einschlägigen technischen Regeln dürfen elektrisch betriebene Geräte und Maschinen auf Baustellen nur unter Verwendung von Fehlerstrom-Schutzeinrichtungen eingesetzt werden. Geeignet sind zum Beispiel Baustromverteiler mit FI-Schutzschaltern. In diesem Fall, wo ja eine feste Steckdose verwendet wurde, wäre eine ortsveränderliche Schutzeinrichtung Pflicht gewesen. Sie hätte den Unfall verhindern können.
Gibt es spezielle Informationen, bei denen Unternehmer und Sicherheitsfachkräfte genauer nachlesen können?
Dr. Rath: Wer sich über geeignete Schutzeinrichtungen informieren und seine Mitarbeiter schützen will, sollte dies mit dem LAGetSi Info Nr. 48 „Stromversorgung auf Baustellen“ tun. Das Infoblatt gibt es zum Download auf unserer Homepage www.lagetsi.berlin.de .
SIFATipp: Dort ist auch von regelmäßigen Kontrollen die Rede.
Dr. Rath: Richtig. Die führen wir im Rahmen unseres regionalen Projekts „Überprüfung der Stromversorgung auf kleinen und mittleren Baustellen“ durch, das jährlich fortgesetzt wird. Es handelt sich hier um eine Schwerpunktaktion, die über die allgemeinen Kontrollen zur Arbeitssicherheit auf Baustellen hinausgeht.
Wie lange läuft das Projekt schon?
Dr. Rath: Das LAGetSi hat bereits in den Jahren 2001 und 2002 die Elektrosicherheit auf kleinen Baustellen untersucht. Damals was das Projekt noch auf Berlin beschränkt. Danach hatten sich die vorgefundenen Mängel jedoch nicht verbessert, vor allem hinsichtlich der Nutzung von sicheren Speisepunkten. Es gab auch keine Anzeichen für ein generelles Problembewusstsein oder strukturelle Lösungen bei den Baufirmen. Deswegen haben wir beschlossen, die Untersuchung und Überwachung fortzusetzen. Dazu konnten wir Brandenburg als Partner gewinnen und die Erhebungen auf die gesamte Region ausweiten.
Und hat man auf den Baustellen inzwischen dazugelernt?
Dr. Rath: Leider mussten wir feststellen, dass die Sicherheitslage auf kleineren und Kleinstbaustellen insgesamt noch mangelhaft ist. Bei rund 50 Prozent der besuchten Baustellen ist die Stromversorgung nicht mit FI-Schutzschaltern ausgestattet.
Konnten Ihre Mitarbeiter weitere Mängel bei der Stromversorgung beobachten?
Dr. Rath: Ja. Es werden immer wieder defekte Kabeltrommeln und Verlängerungsleitungen gefunden, auch kaputte Steckdosen. In einigen Fällen fehlten die Schutzgläser bei den Baustellenleuchten. Defekte Handgeräte haben wir dagegen selten registriert.
Da nimmt man es offenbar genauer. Woran liegt das?
Dr. Rath: Offenbar ist es so, dass an Geräten, mit denen der Mitarbeiter persönlich arbeitet, höhere Sicherheitsanforderungen gestellt werden. Kabeltrommeln, Verlängerungsleitungen oder Steckdosen werden dagegen weniger beachtet. Das ist ein gefährlicher Trugschluss.
Mit welchen Strafen muss denn das zuständige Unternehmen rechnen, wenn FI-Schalter fehlen oder andere Mängel an der Stromversorgung bestehen?
Dr. Rath: Bei Verstößen werden die Verantwortlichen und die dort tätigen Mitarbeiter zunächst belehrt. Oft ist ja Unwissenheit die Ursache. Wir klären also auf und ordnen an, dass der Betrieb gesichert wird. Einige Tage später wird dann unangekündigt kontrolliert, ob die Anordnung auch so auch umgesetzt wurde.
Und wenn sich nichts geändert hat, werden härtere Maßnahmen ergriffen.
Dr. Rath: In gravierenden Fällen können wir nicht nur ein Bußgeld verhängen, sondern auch das weitere Arbeiten verbieten, bis der Gefahrenherd beseitigt ist. Ein solcher „Baustellenstop“ ist extrem wirkungsvoll: Spätestens diese Maßnahme sorgt dafür, dass die nötigen Schutzeinrichtungen angeschafft und eingesetzt werden und sicher weitergearbeitet werden kann. Es kann doch nicht sein, dass Menschenleben in Gefahr gebracht werden, weil an ein paar hundert Euro für den Preis von Baustromverteilern mit FI-Schaltern gespart wurde.
Herr Dr. Rath, wir bedanken uns für Ihre Informationen.
Das Interview führte Christine Lendt, Fachjournalistin.






