Arbeitshilfen
Damit der Stressabbau nicht nur ein guter Vorsatz bleibt
Stress zu vermeiden oder abzubauen ist für 59 Prozent der Deutschen der wichtigste Vorsatz für das Jahr 2010, so eine aktuelle Forsa-Umfrage. Doch damit man Stress vermeiden und abbauen kann, muss man ihn zuerst erkennen und die richtigen Gegenmaßnahmen finden. Testwerkzeuge wie das Stressbarometer helfen Ihnen dabei, die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter bei der Umsetzung ihrer guten Vorsätze zu unterstützen.
Stressabbau - eins der wichtigsten Ziele der Deutschen für 2010
Stress: Vom Terminkalender in den Rücken
Früher galt es fast als Zeichen einer erfolgreichen Karriere, wenn jemand über Stress im Arbeitsleben klagte. Schließlich hätten nur Erfolgreiche so viel zu tun, dass sie kaum noch Platz im Terminkalender finden, um zum Ausgleich auch einmal Sport zu machen, so dachte man.
Inzwischen hat jedoch die Mehrzahl der Beschäftigten erkannt, dass nicht nur der Terminkalender unter einer zu starken Belastung leiden kann, sondern auch der Mensch selbst: Chronischer Stress ist die Folge einer Fehlbelastung. Mitunter verursacht Stress sogar so starke Rückenschmerzen, dass an eine sportliche Betätigung kaum noch zu denken ist. Oftmals ist sogar eine Krankschreibung erforderlich. So weit soll und darf es aber nicht kommen.
Stress für viele ein Problem
Über psychische Fehlbelastungen durch hohen Termindruck, zu viel Arbeit, Mehrfachbelastung in Beruf und Familie, aber auch durch die Angst vor dem Arbeitsplatzverlust klagt fast die Hälfte der Arbeitnehmer in Deutschland. So ist es nicht verwunderlich, dass fast 60 Prozent der Deutschen in einer repräsentativen Forsa-Umfrage angegeben haben, dass sie in 2010 Stress vermeiden oder abbauen wollen. Die weiteren guten Vorsätze der Deutschen für 2010 gehen im Prinzip in die gleiche Richtung, denn sie stellen wichtige Maßnahmen zum Stressabbau dar: So sind auf Platz 2 und 3 der wichtigsten Vorsätze für 2010, mehr Zeit mit der Familie und den Freunden zu verbringen (51 Prozent) sowie mehr Sport zu treiben (50 Prozent).
| Mehr zum Thema Stress |
Stress hat viele Gesichter
Eine psychische Fehlbelastung kann sich in vielfältiger Form bemerkbar machen. Angefangen von ständiger Müdigkeit, nachlassender Konzentration, Beschwerden im Rücken, Reizmagen, geringere Motivation über aggressives Verhalten bei Veränderungen und steigenden Anforderungen, soziale Isolation, Gleichgültigkeit und hohen Fehlzeiten sind auch schwerwiegende körperliche Erkrankungen begünstigt wie Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Immunschwäche oder auch eine erhöhte Suchtgefahr.
Stress erkennen und abwenden
Wie man auf Stress reagiert und wie stark die Auswirkungen der Stressbelastungen sind, kann von dem einzelnen Mitarbeiter und der einzelnen Mitarbeiterin abhängen. Manch einer fühlt sich bereits gestresst, wenn ein anderer noch nichts verspürt. Trotzdem sollte man die gefühlten Belastungen grundsätzlich ernst nehmen.
Für den Arbeitsschutz und die betriebliche Gesundheitsvorsorge gibt es deshalb verschiedene Arbeitshilfen und Testwerkzeuge, mit denen Stress von den Betroffenen selbst und von Dritten erkannt werden kann. Neben freiwilligen biochemischen Tests, die zum Beispiel Speichelproben oder Urinproben auswerten können, um Stressfolgen nachzuweisen, sind es insbesondere psychologische Tests, die bei der Erkennung von Stressbelastungen helfen können. Allerdings sollte dabei bedacht werden, dass jede Form von Selbsttest kein Gespräch mit dem Betriebsarzt ersetzen kann.
Stressbarometer und andere Stress-Tests
In den letzten Jahren wurde eine Vielzahl an Testwerkzeugen entwickelt, um Anzeichen für Stressbelastungen feststellen zu können, die dann mit dem Betriebsarzt oder einem anderen medizinischen oder psychologischen Experten besprochen werden sollten. Als Beispiele für solche Tests seien an dieser Stelle genannt:
- Das Stressbarometer, das insbesondere von den Gewerkschaften angeboten wird und vom dem Projekt „Gute Arbeit“ entwickelt wurde, lässt sich zum Beispiel bei einer Gefährdungsbeurteilung oder bei Aktionen im Zusammenhang mit der Auseinandersetzung um eine Verlängerung der Arbeitszeit nutzen. Die Betroffenen füllen den Testbogen selbst aus und erhalten so Einblick in die Zusammenhänge von Arbeitszeit, Arbeitsintensität und Gesundheit.
- Die Checkliste Stress (ChSt) von der SUVA (Unfallversicherung in der Schweiz) richtet sich an die Sicherheitsfachkraft, den Betriebsarzt, den Interessenvertreter und den Vorgesetzten, um ihn dabei zu unterstützen, nach möglichen Stressursachen zu suchen.
- Die Checkliste Stress unter den Checklisten zur Erfassung von Fehlbeanspruchungsfolgen (ChEF) ist eine weitere Möglichkeit zur Groberfassung beeinträchtigender Folgen psychischer Belastung und Beanspruchung. Diese Checklisten wurden bereits in verschiedenen Projekten der TU Dresden in Zusammenarbeit mit der Maschinenbau und Metall-Berufsgenossenschaft (TAD Dresden) eingesetzt.
Beim Stressabbau konkret werden
Ganz gleich, welches Testwerkzeug man verwendet, nach der Feststellung der Stressbelastung und möglicher Stressfaktoren müssen Taten folgen, wenn es nicht bei den guten Vorsätzen für 2010 bleiben soll. Abhängig von den vermuteten oder erkannten Ursachen können unter anderem folgende Maßnahmen zum Stressabbau und zur Stressvermeidung dienen:
- Anpassung des Führungsstils
- bessere Organisation der Teamarbeit
- flexiblere Arbeitszeiten
- Qualifizierungsmaßnahmen vor Einführung neuer Arbeitsverfahren
- gesundheitsbezogene Arbeitsplatzgestaltung
- Angebot von Mitarbeitergesprächen
- Angebot von Entspannungskursen und Bewegungsmaßnahmen
- Hilfsangebote zum Zeitmanagement
Mitte Dezember 2009 gab der Verband Deutscher Betriebs- und Werksärzte (VDBW) zudem fünf Tipps gegen den Burn-Out als Folge von langanhaltenden Stressbelastungen:
- Tipp 1: Arbeit organisieren (Richtiges Zeitmanagement verhindert Zeitdruck)
- Tipp 2: Auszeiten nehmen (20 Minuten gezielte Entspannung pro Tag)
- Tipp 3: Ausgleich finden (Bewegung und frische Luft bauen Stress ab)
- Tipp 4: Ausgewogen essen (Wer gesund, langsam und in Ruhe isst, tut seiner Gesundheit einen Gefallen)
- Tipp 5: Ausreichend schlafen (Wer langfristig vor lauter Arbeit zu wenig schläft, verliert Energie)
Was konkret im Unternehmen und bei den Mitarbeitern privat umgesetzt wird, muss im Einzelfall geklärt werden. Klar ist jedoch, dass etwas getan werden muss, um dem zunehmenden Stress im Arbeitsleben zu begegnen.
Oliver Schonschek, Diplom-Physiker und Fachjournalist






