Risikomanagement
Der Gefahr ins Auge geblickt
Wer an Risikomanagement denkt, hat die besonders gefährdeten Branchen vor Augen – wie Kernkraftwerke, Raffinerien oder chemische Betriebe, die traditionell als die Bereiche mit den höchsten Risiken gelten.
Risikomanagement: Der Gefahr ins Auge blicken
Nicht umsonst haben die Unfälle von Seveso und Bhopal mit ihren katastrophalen Auswirkungen in den 70er- und 80er-Jahren dazu geführt, Sicherheitsstandards erheblich zu verstärken, und für das Zustandekommen der Störfallverordnung (StörfallV) gesorgt.
Als Instrument zur Kontrolle und Beherrschung gefährlicher Prozesse dient die StörfallV zur sicherheitstechnischen Regelung des Betriebs bestimmter Anlagen wie Kraftwerke, Petrochemische Einrichtungen u.a. Sie schreibt Schutzmaßnahmen vor allgemeinen betrieblichen und umgebungsbedingten Gefahrenquellen (Erdbeben, Hochwasser) sowie Eingriffen Unbefugter vor.
Die StörfallV reicht aber noch nicht aus, um die Unternehmensrisiken im Sinne einer ganzheitlichen Analyse zu ermitteln und zu steuern. Denn die StörfallV definiert die Risiken nicht selbst, sondern verpflichtet die Unternehmen dazu, dies selbst zu leisten. Aber auch Betriebe, die nicht der StörfallV unterliegen, stehen vor der Notwendigkeit, ihre Risiken umfassend zu ermitteln und kompetent zu beherrschen.
Komplexe Prozesse begünstigen Fehlleistungen
Immer komplexere Abläufe führen dazu, dass immer mehr verschiedene Menschen an unterschiedlichen Prozessen mitwirken. In gleichem Maße, wie die Komplexität zunimmt, nimmt die Übersichtlichkeit des Gesamtgeschehens ab, weil es in Teilbausteine zerlegt ist. Komplexe, gleichzeitig zerlegte Prozesse begünstigen aber Fehlleistungen und erhöhen die negative Auswirkung jeder Panne bzw. jedes Stör- oder Verlustfalls. Abgesehen davon sinkt das Entdeckungsrisiko krimineller Täter in komplexen Abläufen, was wiederum den Schutz erschwert.
Mit Risikomanagement (englisch: Loss- Control-Management) bezeichnet man ganzheitliche, unternehmensweite Konzepte zur Abwehr von Gefahren und Risiken. Darin fließen Ansätze aus unterschiedlichen, jeweils für sich bewährten Konzepten und Managementsystemen ein, vom Sicherheitsmanagement, das vornehmlich auf den Schutz vor krimineller Energie gerichtet ist, über Arbeitsschutz-, Gesundheits-, Störfall- und Qualitätsmanagement bis hin zu juristischer Risikokontrolle und dem General-Management zur effektiven Steuerung aller wichtigen Unternehmensprozesse.
Risikomanagement als Chefsache
Systematisches Risikomanagement ist so Bestandteil der Unternehmensführung und damit Chefsache. Es umfasst sowohl Schutz als auch Präventionsmaßnahmen. Das „betriebliche Risiko“ wird erheblich erweitert gesehen. Man betrachtet auch mögliche Engpässe, Krisen und Belange, in denen das Unternehmen Imageschäden erleiden oder „ins Gerede kommen“ könnte. Das Vorgehen beim Risikomanagement ist pragmatischer als das Vorgehen bei konventionellen Sicherheitsanalysen.






