Vorbeugen ist Vorschrift
Der Mausarm - klicken bis der Arzt kommt?
Mit Taubheitsgefühlen, Kribbeln oder diffusen Schmerzen zwischen Handgelenk und Ellenbogen kann es anfangen: Zahlreiche Bildschirmarbeiter leiden am sogenannten Mausarm, auch RSI-Syndrom genannt. Hilflos ist man dagegen allerdings nicht. Eine gute Ergonomie der Bildschirmarbeitsplätze und einige Verhaltensregeln während der Arbeitszeit am PC können Abhilfe verschaffen.
Ein Mausarm, auch RSI-Syndrom genannt, lässt sich auch vermeiden
Auslöser für die Beschwerden, die unter dem Begriff „Mausarm“ zusammengefasst werden, ist in der Regel monotone Arbeit am Computer. Stundenlanges Sitzen in gleicher oder gar verkrampfter Haltung vor dem Bildschirm, die Bedienung der Tastatur, während der eine Arm abgewinkelt zur Maus hingeht, zwei Finger leicht erhöht, ständiges Klicken: Diese ungesunde monotone Arbeit führt zu den typischen Symptomen des Mausarms: Missempfindungen (Kribbeln oder Schmerzen im Hand- und Armbereich), Schwellungen, Muskelverspannungen.
Orthopäden bezeichnen diese Hand- und Unterarmbeschwerden als „RSI-Syndrom“; RSI ist die Abkürzung für Repetitive Strain Injury und lässt sich etwa übersetzen mit „Schädigung durch sich ständig wiederholende Belastungen“.
| Mehr zum Thema Mausarm |
Besonders betroffen vom Mausarm sind SchnellschreiberInnen, die nahezu ausnahmslos Text oder Daten eintippen, also beispielsweise DatentypistInnen und SekretärInnen. Zwar beherrschen diese in der Regel das Zehnfinger-System, allerdings schreiben sie häufig sehr schnell und unter Stress. Ausserdem häufig vom Mausarm betroffen sind Programmierer, Informatiker, Ingenieure und Sachbearbeiter, sowie häufige Mausnutzer, wie beispielsweise GrafikerInnen.
Anzeichen für Mausarm
RSI ist ein Sammelbegriff für unterschiedliche Beschwerden im Bereich von Armen, Händen und Schultern. Die Arbeitsmedizin spricht von einer Schädigung im Bereich der Weichteile des Unterarms und der Hand (Sehnen, Muskulatur, Blutgefässe und Nerven). Folgende Symptome deuten auf einen Mausarm hin und sollten sehr ernst genommen werden:
- Einschränkung der Beweglichkeit
- Kraftverlust
- Spannungs- und Taubheitsgefühle
- Kribbeln
- das Gefühl geschwollener Finger
- Bewegungs- und Ruheschmerzen
- Muskelkrämpfe
- Sehnenentzündung
- Sehnenscheidenentzündung
- Karpal-Tunnel-Syndrom
Berufskrankheit Mausarm
Nach heutigen Erkenntnissen können Sehnen, Muskeln und Gelenke durch kurze, schnelle und sich täglich vielfach wiederholende Bewegungen derart geschädigt werden, dass sie sich in der arbeitsfreien Zeit nur unzureichend regenerieren und damit chronisch werden. Am Ende können Schmerzattacken und Funktionseinschränkungen stehen, die die Lebensqualität massiv beeinträchtigen.
In Ländern wie Australien oder den USA ist der Mausarm längst als Berufskrankheit anerkannt; in Deutschland werden Schmerzerkrankungen in Händen und Armen der Berufskrankheit (BK) 2101 zugeordnet, also „Erkrankungen der Sehnenscheiden oder des Sehnengleitgewebes sowie der Sehnen- oder Muskelansätze“.
Vorbeugen ist Vorschrift!
Dem Mausarm vorzubeugen, ist Vorschrift: In §2 des Arbeitsschutzgesetzes wird erläutert, dass auch Aktivitäten zur Verhütung arbeitsbedingter Erkrankungen zu den Arbeitsschutzmaßnahmen im Sinne des Gesetzes zählen. Die RSI-Vorbeugung gehört also dazu.
Im Rahmen der vorgeschriebenen Gefährdungsbeurteilung (§5, Arbeitsschutzgesetz, §3 Bildschirmarbeitsverordnung) müssen die Arbeitsbedingungen der Beschäftigten geprüft werden, um mögliche Gesundheitsgefahren festzustellen und erforderliche Schritte für den Schutz der Gesundheit daraus abzuleiten.
Ergonomischer Arbeitsplatz
Das Ziel der Ergonomie ist, die während der Arbeit auf den Menschen einwirkenden Belastungen zu mindern und Arbeitsplätze und Arbeitsmittel menschengerecht zu gestalten. Die ergonomische Arbeitsplatzgestaltung soll helfen, gesundheitliche Beeinträchtigungen wie den Mausarm zu vermeiden.
Die Bildschirmarbeitsverordnung erläutert konkret, wie Sie die Arbeitsplätze Ihrer Mitarbeiter gestalten sollten. Hier geht es nicht nur um die idealen Einstellungen von Bildschirmgerät und Tastatur, sondern auch um die sonstigen Arbeitsmittel, insbesondere den Tisch und den Stuhl bzw. die optimale Einstellung dieser Arbeitsgegenstände.
Tipps zur Vorbeugung des Mausarms
Ein ergonomisch gut angepasster Arbeitsplatz ist nicht das einzige Mittel, um dem Mausarm vorzubeugen. Wichtig sind auch entsprechende Verhaltensweisen der Mitarbeiter während der Arbeit am Bildschirm.
- halten Sie während der Arbeit regelmäßig kleine Pausen ein
- schreiben Sie im Zehnfingersystem, dann wird die Belastung gleichmässig auf alle Finger verteilt
- reduzieren Sie Ihre Schreibgeschwindigkeit
- umklammern Sie nicht zu sehr die Maus! Nutzen Sie auch Tastenkombinationen (Short-Cuts)
- halten Sie die Handgelenke bei der Computerarbeit gerade – nicht abknicken oder verdrehen!
- nehmen Sie die Hände weg von den Eingabegeräten, wenn Sie diese gerade nicht brauchen
- nutzen Sie Wartezeiten am PC für ausgleichende Bewegungen
- lehnen Sie sich bei der Arbeit mit der Maus nicht zurück, denn auf diese Weise erhöhen Sie den Abstand zur Maus, und das bedeutet größere Belastungen für Handgelenke und Ellenbogen
Fazit: Der Mausarm ist eine unter Bildschirmarbeitern weit verbreitete und schmerzhafte Erkrankung, aber keineswegs ein unumgehbares Schicksal: Ein ergonomisch günstiger Arbeitsplatz und ein entsprechendes Verhalten der Mitarbeiter an ihrem Arbeitsplatz können der Entstehung des RSI-Syndroms vorbeugen.
Autorin: Simone Hartmann






