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Projekte für mehr Arbeitsschutz

Den Arbeitsschutz in der ambulanten Pflege verbessern

Ist der Mitarbeiter gesund, profitiert auch der Unternehmer. Arbeitsschutz und Wettbewerb sind eng miteinander verwoben. Die ArbeitsschutzPartnerschaft Hamburg will beiden Seiten gerecht werden. Für das Projekt „Arbeitsschutz in der ambulanten Pflege“ wurden Gefährdungsbeurteilung und Unterweisung neu aufgelegt ‒ das ist auch für andere Branchen interessant.

Arbeitsschutz in der ambulanten Pflege: Die Unterweisung im Dialog und die moderierte Gefährdungsbeurteilung haben gute Erfolge erzielt

Arbeitsschutz in der ambulanten Pflege: Die Unterweisung im Dialog und die moderierte Gefährdungsbeurteilung haben gute Erfolge erzielt

Initiiert wurde das Projekt im Oktober 2003 von der Berufsgenossenschaft für Gesundheitsdienst und Wohlfahrtspflege (BGW) und dem Amt für Arbeitsschutz Hamburg. Kompetente Unterstützung war ihnen sicher: Das Projekt wird von der Firma relations Gesellschaft für Unternehmensentwicklung mbH beraten und im Rahmen der Initiative Neue Qualität der Arbeit (INQA) über Mittel des BMWA gefördert.

Gemeinsam wollte man Konzepte für einen modernen Arbeits- und Gesundheitsschutz entwickeln, die praxisnah und leicht umsetzbar sind, und das mit folgenden Schwerpunkten:

  • Eine praxisnahe Gefährdungsbeurteilung in der ambulanten Pflege
  • Leicht umsetzbare Modelle, die auch auf andere KMU übertragen werden können
  • Kompetente Beratung durch Betriebsärzte und Fachkräfte für Arbeitssicherheit

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Kurz, es ging um Arbeitsschutz als Qualitätsmanagement. In moderierten Mitarbeiter-Workshops und durch Praxisbegleitung wurden konkrete Problemlösungen für jeden Betrieb erarbeitet.

Bilanz: positiv

Im Rahmen der Pilotarbeit, die inzwischen abgeschlossen ist, haben 40 kleine und mittlere Betriebe mit den professionellen Unternehmensberatern zusammengearbeitet. Die Bilanz der Beteiligten fällt positiv aus: Eine neue Form der Arbeitsorganisation und Kommunikation hat sich durchgesetzt, der Krankenstand ist gesunken, die Zufriedenheit und Produktivität der Beschäftigten gestiegen.

Auch der Abschlussbericht des Projekts liegt inzwischen vor. Demnach lohnt sich die Investition in einen modern definierten Arbeitsschutz bereits nach einem überschaubaren Zeitraum.

Krankheit als Hinweis begreifen

„Wer Krankheitskosten wie Ausfallzeiten reduziert und die Zufriedenheit seiner Mitarbeiter erhöht, hat die Nase vorn im Wettbewerb“, erklärt Dr. Sabine Müller-Bagehl, die im Amt für Arbeitsschutz Hamburg für das Projekt zuständig ist.

Betriebe zwischen 10 und 250 Mitarbeitern verzeichnen die höchsten Unfallzahlen pro 1000 Mitarbeiter. Deshalb suchen die Projektpartner nach den wahren Gründen, warum jemand arbeitsunfähig oder frustriert ist. Krankheit wird nicht als Störung begriffen, sondern als Hinweis auf eine Störung.

Das Angebot für Betriebsärzte und FaSis

Für Betriebsärzte und Fachkräfte für Arbeitssicherheit wurde im Rahmen des Projekts ein besonderes Qualifizierungsangebot entwickelt. Dazu gehören verschiedene Workshops, eine Beraterfortbildung, Praxisbegleitung, jährliche Treffen zum Informations- und Erfahrungsaustausch, aber auch die Beratung für Führungskräfte und Organisationsentwicklung.

Herausfinden, wo der Schuh drückt

Dabei zeigte sich, dass es nicht so sehr die klassischen Arbeitsschutzthemen sind, die im Berufsalltag belasten. Natürlich müssen die Feuerlöscher in der Zentrale einsatzbereit sein und niemand darf sich in der Pause einen Stromschlag an der Kaffeemaschine holen. Solche Ereignisse aber sind vergleichsweise selten. Es sind andere Dinge, die den Mitarbeitern schlaflose Nächte bereiten. Zum Beispiel Zeitdruck, die Anforderungen von Angehörigen und Patienten, das Erleben eigener Hilflosigkeit angesichts von Leiden und Sterben.

Die moderierte Gefährdungsbeurteilung

Aus diesem Ansatz entstand im Projekt das Instrument der „moderierten Gefährdungsbeurteilung“. Herausfinden, wo konkret der Schuh drückt, lautet das Motto. Dafür werden die Beschäftigten gezielt befragt. Schließlich sind sie die Experten ihres Arbeitsplatzes und wissen am besten, was los ist.

Der angenehme Nebeneffekt für den Unternehmer: Motivation und Leistungsbereitschaft steigen, weil die Mitarbeiter sehen, dass ihre Anliegen ernst genommen werden.

Alle, die mit dem Thema Arbeitssicherheit befasst sind, können die moderierte Gefährdungsbeurteilung anwenden: Führungskräfte, Fachkräfte für Arbeitssicherheit, Betriebsärzte, Berater, aber auch Mitarbeiter, die zum Beispiel Gesundheits- oder Qualitätszirkel leiten.

Unterweisung im Dialog

Passend dazu haben die Projektpartner eine neue Form der Unterweisung entwickelt. Die „Unterweisung im Dialog“ setzt unmittelbar am Berufsalltag an und aktiviert die Beteiligten: Die Beschäftigten bringen ihr Vorwissen und ihre Erfahrungen ein, gemeinsam werden Lücken ergänzt und praktikable Vorgangsweisen entwickelt.

So wird aus der „Pflichtveranstaltung“ ein produktives Miteinander. Die INQA erarbeitet derzeit Broschüren, die den leichten Einstieg in die „Moderierte Gefährdungsbeurteilung“ und die „Unterweisung im Dialog“ ermöglichen sollen.

Auf der sicheren Seite

Wer als Unternehmer eines kleinen oder mittleren Betriebes Arbeits- und Gesundheitsschutz einführt, rauft sich manchmal die Haare: Die Regelungen und Vorgaben zum Arbeits- und Gesundheitsschutz finden sich verstreut in vielen verschiedenen Gesetzen, Verordnungen und anderen Regeln. Oftmals ist schwer zu erkennen, was für den eigenen Betrieb tatsächlich relevant ist.

Deshalb hat die INQA für ambulante Pflegedienste die „Sicheren Seiten“ erarbeitet. Sie geben die Anforderungen wieder, die unbedingt erfüllt sein müssen, und verweisen auf Good Practise-Lösungen. Die aktuelle Fassung wurde in dem INQA-Bericht 23 „Arbeitsschutz bringt Aufschwung“ zusammengestellt.

Fazit

Nachhaltiger Arbeits- und Gesundheitsschutz verbessert auch die Betriebsabläufe und Geschäftsprozesse: Die Mitarbeiterzufriedenheit steigt und die Kunden profitieren von einem gut funktionierenden Pflegedienst. Das Schlüsselwort zu vielen Lösungen heißt „Kommunikation“.

Das Konzept der moderierte Gefährdungsbeurteilung und Unterweisung im Dialog dürfte sich gut auf andere Branchen übertragen lassen.

Christine Lendt, Fachautorin

Veröffentlicht:
2008-12-03

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