Interview
Gesundheitsoffensive GO für eine längere und gesunde Lebensarbeitszeit
Die EU-Kommission und der Bundesverband der Betriebskrankenkassen vergaben am 2. Dezember 2008 den „Deutschen Unternehmenspreis Gesundheit“. Den Preis für herausragende betriebliche Gesundheitsförderung erhielt in diesem Jahr die METRO Group für ihre Gesundheitsoffensive GO. SIFATipp sprach mit Klaus Jakobi, Leiter Arbeitsgestaltung und Beschäftigungsmanagement bei der METRO Group.
Klaus Jakobi
SIFATipp: Herr Jakobi, es ist bereits das zweite Mal, dass die Metro Group ifür die Gesundheitsförderung prämiert wird. Warum engagiert sich die Metro Group in der betrieblichen Gesundheitsförderung?
Klaus Jakobi: Als Handelsunternehmen ist es unsere Aufgabe, tagtäglich die Wünsche von Millionen Kunden zu erfüllen. Nur mit zufriedenen Kunden können wir erfolgreich sein, und den direkten Kontakt zu unseren Kunden haben unsere Mitarbeiter. Motivierte und kompetente Mitarbeiter sind somit eine zentrale Voraussetzung für unseren geschäftlichen Erfolg. Die Leistungsfähigkeit eines Menschen ist eng mit seiner Gesundheit und seinem Wohlbefinden verknüpft. Mit der Förderung der Gesundheit stärken wir unseren wichtigsten Wettbewerbsfaktor. Daher investieren wir in die Gesundheit unserer Mitarbeiter.
Das Thema Gesundheit wird aufgrund der zunehmend alternden Belegschaften in Deutschland weiter an Bedeutung gewinnen. Es ist unser Ziel, die Leistungsfähigkeit aller unserer Mitarbeiter über ihre gesamte Erwerbsbiografie sicher zu stellen. Aus diesem Grund gehen wir den eingeschlagenen Weg zum „demografitten“ Unternehmen entschlossen weiter.
SIFATipp: Welche Maßnahmen der betrieblichen Gesundheitsförderung wurden denn ergriffen?
Klaus Jakobi: Die Gesellschaften der METRO Group verfolgen seit vielen Jahren verschiedene Initiativen – insbesondere im Bereich des Gesundheits- und Arbeitsschutzes, um gesundheitsgerechte Arbeits¬bedingungen zu gewährleisten. Seit einiger Zeit wissen wir aber: es genügt nicht, nur körperliche Beschwerden zu vermeiden. Zusätzlich kommt es darauf an, die mentale Gesundheit aktiv zu stärken. Daher startete die METRO Group im Jahr 2005 ihre Gesundheitsoffensive GO.
Zunächst ging es darum, die Initiative im Konzern bekannt zu machen. Eine Veranstaltung für die Top 500-Führungskräfte, ein Erlass von Leitlinien zur Gesundheitsförderung durch den Vorstand der METRO AG sowie der Aufbau eines umfassenden Intranetportals stellten dies sicher. Seitdem werden die Aktivitäten rund um die Gesundheit der Mitarbeiter unter der Plattform GO zusammengefasst. Dazu zählen Maßnahmen im Bereich Früherkennung und Prävention, Rehabilitation und Integration sowie zur allgemeinen Stärkung des Gesundheitsbewusstseins und der Gesundheitskompetenz.
SIFATipp: Und wie ist der Stand der aktuellen Umsetzung von GO?
Klaus Jakobi: In der METRO Group Gesundheitsoffensive haben wir drei Zielgruppen: Mitarbeiter in den Bereichen Lager/Logistik, Verwaltung sowie Märkte/Filialen. Die konzernweite Umsetzung eines betrieblichen Gesundheits¬managements in einem internationalen Handelsunternehmen wie der METRO Group - mit mehr als 2.100 Standorten in 32 Ländern - ist eine besondere Herausforderung.
Zunächst haben wir unsere praxisnahen Pilotprojekte in ausgesuchten Märkten/Filialen getestet.
Die Testphase ist mittlerweile abgeschlossen. Jetzt arbeiten wir an der Auswertung der Ergebnisse und Erfahrungen, um eine Roll-Out-Konzeption zu erstellen. Elementarer Bestandteil unserer Initiative ist die aktive Beteiligung der Mitarbeiter vor Ort, weil wir ein gelebtes Gesundheitsmanagement implementieren möchten. Es muss möglichst genau den jeweiligen Bedürfnissen der Belegschaft entsprechen und sich organisatorisch weitgehend selbst tragen.
SIFATipp: Welche Inhalte hat die Gesundheitsoffensive GO konkret?
Klaus Jakobi: Unter dem Dach der METRO Group Gesundheitsoffensive werden eine Vielzahl von Maßnahmen im Bereich der Verhältnis- und der Verhaltensprävention zusammengefasst. Dazu gehören beispielsweise:
- Externe Mitarbeiterberatung - ein externer Beratungsservice für alle Mitarbeiter bei beruflichen, familiären, gesundheitlichen und persönlichen Fragestellungen. Die Grundüberlegung ist: Die Probleme unserer Mitarbeiter sind auch die Probleme unseres Unternehmens, weil sie die Leistungsfähigkeit einschränken. Umgekehrt gilt: rundum zufriedene Mitarbeiter sind Leistungs¬träger.
- Ergonomieberatung am Arbeitsplatz, zum Beispiel für Lagerarbeiter Schulungen in Heben und Tragen, sowie Präventionskurse in den Betriebsstätten
- Gesundheits- und Aktionstage mit Tests, Check-Ups und Beratungen für Mitarbeiter
- Kooperationen mit Fitnessstudios
- Stufenplan zum Nichtraucherschutz und Raucher-Entwöhnungsangebote
- Führungskräfteseminare – zum persönlichen Gesundheitsmanagement sowie zum Thema gesundheitsgerechte Führung
Darüber hinaus untersuchen wir derzeit mit wissenschaftlicher Unterstützung die Gestaltung der Arbeitsbedingungen in der METRO Group.
SIFATipp: Auch das Intranet ist Teil Ihrer Gesundheitsoffensive GO geworden. Was bieten Sie dort?
Klaus Jakobi: Im Intranet finden die Mitarbeiter ein umfassendes Gesundheitsportal mit interessanten Informationen rund um einen gesunden Lebensstil. Dort gibt es Fachbeiträge zum Thema Jogging oder Walking, Ernährungstipps oder Informationen zum Thema Rückengesundheit.
Es finden sich dort aber auch die Ansprechpartner im Konzern für das Thema Gesundheit, Kurspläne der Gesundheitsprogramme inklusive Online-Anmeldung und spezielle Angebote in Zusammenarbeit mit Fitness-Einrichtungen.
SIFATipp: Welche Tipps können Sie anderen Unternehmen für die Einführung der betrieblichen Gesundheitsförderung geben?
Klaus Jakobi: Grundvoraussetzung für ein gelebtes und damit erfolgreiches Gesundheitsmanagement sind überzeugte Führungskräfte und die aktive Beteiligung der Mitarbeiter. Dazu sind Konzernleitlinien zum Gesundheitsmanagement hilfreich, da sie die Bedeutung des Themas unterstreichen. Darüber hinaus ist es entscheidend für den Erfolg, dass alle Bestandteile eines betrieblichen Gesundheits¬managements auf die spezifischen Bedürfnisse der jeweiligen Organisation zugeschnitten sind.
Weiterhin benötigt man eine professionelle interne Kommunikation, denn gerade zu Beginn einer Initiative müssen Führungskräfte und Mitarbeiter für das Thema Gesundheit sensibilisiert werden. Unter diesen Voraussetzungen kann man ein Gesundheitsmanagement erfolgreich etablieren.
Die Fragen stellte Oliver Schonschek, Diplom-Physiker und Fachjournalist





