Novembermüdigkeit
Hellwach trotz Lichtmangel
Saisonstart für Dauergähner: Das Tageslicht nimmt ab, die Uhren wurden wieder umgestellt, der trübe November steht vor der Tür. Mit der Müdigkeit wachsen die Unfallrisiken im Straßenverkehr und am Arbeitsplatz.
Novemberstimmung
Doch Sie können dem Phänomen mit einfachen Maßnahmen entgegenwirken, und das kann sogar Spaß machen.
Bleischwer hängt der Körper morgens in den Federn, im Büro fallen laufend die Lider zu und selbst für den geliebten Squashabend fehlt jegliche Motivation. So oder so ähnlich geht es nun wieder vielen Menschen in den nördlichen Breiten. Meist beginnt die chronische Schlappheit gegen Ende Oktober. Sie hat verschiedene Ursachen.
Wechselspiel der Hormone
Das fehlende Tageslicht beeinflusst die Ausschüttung von Melatonin im menschlichen Organismus ‒ einem Stoff, der aus gutem Grund auch als „Schlafhormon“ bekannt ist: Er wird bei Dunkelheit produziert, schränkt die Aufmerksamkeit ein und sorgt für die nötige Bettschwere am Abend. Das hat einen unerwünschten Nebeneffekt, wenn die Tage kürzer und trüber werden: Der Körper ist nun verstärkt auf Schlaf programmiert. Dazu trägt noch der Alltag in der nasskalten Jahreszeit bei: Überheizte Räume, mangelnde Bewegung und schlechte Ernährung steigern die Trägheit.
Bei zunehmendem Sonnenlicht hingegen tritt verstärkt das „Glückshormon“ Serotonin auf den Plan, ein Botenstoff, der Aktivität und Leistungsfähigkeit steigert. Ein einfaches, aber wirkungsvolles Rezept gegen die Winterschläfrigkeit ist deshalb der tägliche Aufenthalt im Freien.
Spaziergänge und Schokolade
Auch bei langen Arbeitstagen lässt sich oft eine Gelegenheit für die nötige Lichtdusche finden. Vielleicht können Sie einen Teil Ihres Arbeitsweges zu Fuß gehen oder die Mittagspause in den Park verlegen? Sind die Möglichkeiten begrenzt, sollten Sie zumindest am Wochenende entsprechende Aktivitäten einplanen. Es lohnt sich gleich mehrfach, denn Bewegung und frische Luft steigern das Leistungsvermögen zusätzlich und stärken das Immunsystem. Als Ergänzung nach Feierabend bieten sich auch spezielle Biosaunen in Wellnessbädern an, die zum Beispiel mit verschiedenen Lichtfarben arbeiten.
Die Serotoninproduktion lässt sich auch auf sehr schmackhafte Weise ankurbeln. Schokolade trägt nachweislich dazu bei, und besonders gut tut sie heiß-dampfend aus der Tasse nach einem ausgedehnten Spaziergang in kühler Luft. Bei einer insgesamt ausgewogenen Ernährung darf es also jetzt auch mal ein Schlückchen oder Stückchen mehr sein.
Auf die Ernährung achten
In der kalten Jahreszeit steigt der Heißhunger auf Süßes und fette Fleischgerichte. Wer sich den Bauch vollschlägt, bekommt jedoch die Quittung in Form verstärkter Müdigkeit und Konzentrationsschwäche. Liegt das Mittagessen schwer im Magen, ist die Leistungsfähigkeit am Nachmittag eingeschränkt. Doch selbst beim Gang in die Kantine gibt es oft Alternativen, etwa durch leichtere Fischgerichte, Salate oder Gemüsesuppen. Achten Sie jetzt besonders darauf, dass Sie regelmäßig genügend Ballaststoffe, Vitamine und Mineralien aufnehmen.
Die Zeitumstellung bewältigen
Auch die Umstellung von der Sommerzeit auf die normale Mitteleuropäische Zeit (MEZ) bringt viele Menschen aus dem Rhythmus, oft ohne dass sie sich dessen bewusst sind. Mediziner haben herausgefunden: Die gesundheitlichen Beeinträchtigungen der Zeitumstellung ähneln dem Jetlag nach Langzeitflügen, wenn auch in abgeschwächter Form. Typische Symptome in dieser Phase sind Schlafstörungen, Müdigkeit, depressive Verstimmungen, Konzentrationsschwäche und Gereiztheit, sogar Appetitlosigkeit, Verdauungsprobleme und Schwankungen der Herzfrequenz wurden festgestellt.
Eine langfristige Schädigung der Gesundheit durch die Zeitumstellung konnte bisher allerdings nicht nachgewiesen werden und gilt als unwahrscheinlich. Nach der Anpassungsphase, die nur wenige Tage, aber auch zwei Wochen dauern kann, verschwinden die Auswirkungen in der Regel wieder. Auch ist nicht jeder gleichermaßen von diesen gesundheitlichen Problemen betroffen. Besonders sensibel reagieren nach Auskunft der Experten Menschen, die bereits unter Schlafstörungen oder organischen Erkrankungen leiden.
Vorsicht: Erhöhte Unfallgefahr
Nicht zu unterschätzen ist dagegen die indirekte Gefährdung, die von der saisonalen Schlappheit im Herbst und Winter ausgeht. Wie verschiedene Studien bestätigen, steigt in der Woche nach der Zeitumstellung die Zahl der Unfälle im Straßenverkehr und am Arbeitsplatz. Der Auto Club Europa (ACE) empfiehlt, bereits bei den ersten Anzeichen von Müdigkeit Pausen einzulegen, dazu zählen schwere Augenlider, ein starrer Blick und Gähnattacken. Das Risiko auf den Straßen erhöhe sich zusätzlich durch den früheren Einbruch der Dunkelheit, den die Zeitumstellung mit sich bringt.
Statistiken zeigen auch, dass rund zehn Prozent mehr Menschen in der Phase der Zeitumstellung einen Arzt aufsuchen; die Einnahme von Schlafmitteln und Antidepressiva nimmt zu. Kleiner Trost: Die Anpassung an die Sommerzeit fällt den Menschen schwerer. Und bis dahin sind ja noch fünf Monate Zeit.
Andere Ursachen der Schläfrigkeit
Hinter einer Antriebsschwäche können sich auch andere Ursachen verbergen, zum Beispiel eine Erkrankung wie Schlaf-Apnoe, eine Unterfunktion der Schilddrüse, akuter Eisenmangel, psychische Probleme oder das Burnout-Syndrom. Wenn die Zeitumstellung überstanden ist und Sie trotz aller Bemühungen ständig schlapp und lustlos sind, sollten Sie in jedem Fall ärztlichen Rat einholen ‒ im Zweifelsfall auch schon vorher.






