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Arbeitskrank

Medikamentenmissbrauch am Arbeitsplatz

Der Chef nörgelt, die Kollegen nerven. Im Job läuft es nicht immer wie geschmiert. Doch manchmal wächst einem alles über den Kopf. Nicht jeder kommt damit klar. Nachts findet man keine Ruhe, tagsüber ist man wie gerädert. Tabletten versprechen schnelle Hilfe. Doch damit fangen die Probleme erst an. Medikamentenmissbrauch am Arbeitsplatz geht alle an. Hier sind auch Vorgesetzte und Arbeitgeber gefragt.

Medikamentenmissbrauch am Arbeitsplatz: Ein schwieriges Thema

Medikamentenmissbrauch am Arbeitsplatz: Ein schwieriges Thema

Schätzungsweise 1,4 Millionen Bundesbürger zwischen 18 und 59 Jahren sind medikamentenabhängig. Tendenz steigend. Eine alarmierende Zahl. Dennoch bleibt die Sucht nach Medikamenten häufig unbemerkt.

Ein Alkoholiker kann seine Krankheit auf Dauer nur schwer verbergen. Irgendwann zeigen sich sichtbare Symptome. Das Gleiche gilt für Süchtige, die am Arbeitsplatz harte Drogen konsumieren. Bei Tablettenabhängigen ist das anders. Die meisten sind Niedrig-Dosis-Abhängige. Sie führen ein scheinbar normales und geregeltes Leben. Optische Veränderungen gibt es nur selten.

Verordnete Droge für den Arbeitsplatz

Schlaf-, Beruhigungs- und Schmerzmittel sind die „beliebtesten“ abhängigmachenden Medikamente. Sie werden in der Regel nicht geschluckt, um den schnellen Rausch zu erleben, sondern um ursprünglich vorhandene Beschwerden zu lindern.

Der Betroffene leidet beispielsweise an Schlafstörungen, Nervosität oder Schmerzen. Der Arzt verschreibt ein entsprechendes Mittel, dass der Patient auch in der verordneten Dosierung einnimmt. Die Besserung lässt nicht lange auf sich warten. Ein gutes Gefühl, das man nicht verlieren möchte. Folge: Der Betroffene nimmt das Präparat länger ein als er sollte.

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Wird das Mittel dann nach einiger Zeit abrupt abgesetzt (kein Ausschleichen), geht es dem Patienten schlagartig schlechter. Er leidet aber nicht unter den bereits bekannten Beschwerden, sondern unter Entzugserscheinungen. Der Patient weiß das nicht und schluckt weiter seine Pillen. Schließlich zeigen ihm die wieder auftretenden Symptome, dass er immer noch „krank“ ist. Das ist der Anfang eines Suchtkreislaufs, aus dem der Betroffene ohne Hilfe nicht mehr entkommen kann.

Der Job ist schuld

Nicht immer ist die Arbeit schuld an der Medikamentenabhängigkeit. Aber leider immer öfter. Die aktuelle Arbeitssituation lastet schwer auf der Psyche von Beschäftigten. Wer nicht alles gibt, ist draußen.

Die Anforderungen nehmen zu, die Freizeit nimmt ab. Viele melden sich nicht mehr krank, aus Angst ihren Job zu verlieren. Nicht zu vergessen: der Schichtdienst. Das Leben und Arbeiten entgegen der inneren Uhr, ist eine enorme Belastung. Schmerzen, Schlaflosigkeit oder ähnliche Beschwerden am Arbeitsplatz kann man sich nicht leisten. Also werden die kleinen Helfer geschluckt, damit man wieder funktioniert.

Eingeschränkte Leistungsfähigkeit

Eigentlich schluckt man die Tabletten, um topfit zu sein. Eine Zeitlang läuft auch alles gut. Doch dann zeigt die Sucht ihre Auswirkungen, vor allem bei der langfristigen Einnahme von Beruhigungs- und Schlafmitteln (z. B. Benzodiazepine).

Schlafmedikamente helfen nur oberflächlich. Sie machen zwar müde, aber sie mindern die Schlaftiefe und -qualität. Am nächsten Morgen fühlt man sich wie gerädert und leidet an einem sogenannten „Hang-Over“, ähnlich einem Kater. Keine guten Voraussetzungen, um seinen Job gewissenhaft zu erledigen. Der Betroffene ist unkonzentriert und übermüdet.

Ein starker Leistungsabfall ist in einigen Berufen problematischer als in anderen. Beispielsweise, wenn man im medizinischen Bereich tätig ist, an Maschinen arbeitet oder ein Fahrzeug führt. Dann wird jeder Arbeitstag zum Russischen Roulette. Die Unfallgefahr nimmt zu - die Abhängigen werden zu einer Gefahr für sich und andere.

Medikamentenmissbrauch: Arbeitgeber und Vorgesetzte sind gefragt

Sie möchten, dass Ihre Mitarbeiter ihr Bestes geben. Das ist verständlich. Aber wollen Sie tatsächlich, dass sich Ihre Beschäftigten mit Hilfe von Medikamenten zur Arbeit schleppen? Arbeitsausfälle oder Arbeitsunfälle als Folge von Medikamentenmissbrauch möchten Sie sicher nicht.

Das können Sie tun:

    • Üben Sie keinen Druck auf kranke Mitarbeiter aus.
    • Vermitteln Sie Ihren Beschäftigten, dass sie bei gesundheitlichen Beschwerden Unterstützung erhalten.
    • Organisieren Sie arbeitswissenschaftlich gesicherte Schichtpläne.
    • Informieren Sie Ihre Beschäftigten über die Auswirkungen von Medikamentenmissbrauch.
    • Sprechen Sie mit Mitarbeitern, die offensichtlich unter persönlichen, gesundheitlichen, stressbedingten oder sozialen Problemen leiden. Bieten Sie Hilfe an.
    • Bei erkennbarem Leistungsabfall und Vernachlässigung der Pflichten können Sie den Betroffenen um ein Klärungsgespräch bitten. Weisen Sie auf inner- oder außerbetriebliche Hilfemaßnahmen hin. Erstellen Sie eine Gesprächsnotiz, die Sie dem Beschäftigten mitgeben. Nach etwa zwei Monaten wird ein Rückmeldegespräch geführt.
    • Zeigen Gespräche keine Wirkung, müssen weitere Maßnahmen getroffen werden. Eine Suchtberatungsstelle in Ihrer Nähe hilft Ihnen sicher weiter.

Fazit

Medikamentabhängige brauchen Hilfe - von der Familie und Freunden, aber auch von Vorgesetzten und Arbeitgeber. Letztere müssen Verständnis dafür haben, dass der Beschäftigte für die Zeit des Entzugs ausfällt. Die Entwöhnung kann sich über drei bis sechs Wochen hinziehen, sofern sie stationär durchgeführt wird.

Ein ambulanter Entzug ist schwieriger, das Ausschleichen des Medikaments kann Monate dauern. Soviel Verständnis festigt das Vertrauensverhältnis zu Ihren Beschäftigten. Eine gute Voraussetzung, um weiteren Medikamentmissbrauch vorzubeugen.

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Veröffentlicht:
2007-09-10

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