Chemieunfälle
Chemieunfälle beim Gefahrguttransport: TUIS hilft weiter
Quer durch Deutschland werden immer mehr Gefahrguttransporte durchgeführt. Nicht immer reibungslos beziehungsweise unfallfrei. Ein Teil der Unfälle passiert schon vor dem eigentlichen Transport – und ist damit ein Fall für die Arbeitssicherheit beziehungsweise den Gefahrgutbeauftragten vor Ort.
TUIS hilft weiter
Leck im Ammoniaktank
Ein Beispiel: Auf dem Betriebsgelände einer Firma wird ein Tankwagen befüllt, er soll eine Lieferung Ammoniak zu einer Fabrik bringen. Bei der letzten Inspektion vor der Abfahrt wird ein Leck im Tank festgestellt! Der Betrieb ist zu klein, um eine eigene Werkfeuerwehr zu beschäftigen, doch sinnvollerweise hat der Gefahrgutbeauftragte die Nummern der TUIS-Kollegen parat, bei denen er sich Hilfe holen kann.
TUIS: Hilfe in drei Stufen
TUIS ist ein mittlerweile international ausgelegtes Hilfssystem der chemischen Industrie, das sowohl von den Betrieben als auch den Ordnungskräften oder Feuerwehren in Anspruch genommen werden kann bei Arbeitsunfällen im Zusammenhang mit Gefahrstoffen(Transport-Unfall-Informations- und Hilfeleistungssystem). Die Hilfe erfolgt in drei Stufen:
Die erste und meistgenutzte ist die telefonische Anfrage nach Informationen zu bestimmten Stoffen, die entsprechend schnell und für den Anrufer kostenlos (mit Ausnahme der Telefongebühren) erfolgt. 2005 wurde diese Hilfe 1.117mal in Anspruch genommen, Tendenz steigend.
Die zweite Stufe ist die Beratung vor Ort, bei der über das TUIS-Verbundsystem der jeweilige nächstgelegene fachlich kompetente Partner an die Gefahrenstelle gerufen wird und beratend zur Verfügung steht.
Da Unfälle häufig während des Transports auftreten, sind die Einsätze der dritten Stufe, der tatkräftigen Hilfeleistung vor Ort, vor allem dann gefordert. Diese Hilfeleistungen werden von den TUIS-Mitgliedern den betroffenen Haftpflicht- beziehungsweise Transportversicherungen in Rechnung gestellt.
Trotz gestiegener Gefahrguttransporte hat sich hierzulande die Zahl der Hilfeleistungen nicht dramatisch gesteigert – was nicht auf mangelnde Nutzung, sondern auf bessere Ladungssicherung und weniger Unfälle zurückzuführen ist.
TUIS-Auskunft hilft weiter
Doch zurück zum Beispiel: Bei dem auf dem Betriebsgelände entdeckten Leck im Tank genügt die telefonische Information, damit die Feuerwehr helfend eingreifen kann. Da sich die Beteiligten allerdings nicht sicher sind, welche Auswirkungen der Gefahrstoffaustritt hat, wird der Messzug Umweltschutz alarmiert, der die Belastungen der Umgebung prüfen soll und bei Bedarf Maßnahmen zum Schutz der Umgebung, z.B. für die Bewohner benachbarter Gebiete, einleitet.
Diese Entscheidung liegt nicht mehr in der Hand des Gefahrgutbeauftragten – hier übernimmt die Feuerwehr das Kommando, ebenso wie bei der Schadensbehebung. Im geschilderten Fall genügte es, den Tank von mit persönlicher Schutzausrüstung eingekleideten Helfern wieder abdichten zu lassen und anschließend die Ladung umzufüllen. Ohne die Information von TUIS wäre diese schnelle Hilfe nicht möglich gewesen.
Dipl.-Ing. Susanne C. Steiger






