Gesundheit
Was ist eigentlich Stress?
Er ist ein weit verbreitetes Risiko am Arbeitsplatz. Doch hier gibt es keine PSA und keinen Schutzschalter. Trotzdem können Sie Ihren Mitarbeitern helfen, den Gesundheitskiller Stress zu reduzieren. Zunächst aber gilt es, die Auslöser zu erkennen. Man spricht hier von „Stressoren“.
Wenn Stress zur Belastung wird ...
Experten schätzen, dass Stress und Burnout in Deutschland jährlich einen volkswirtschaftlichen Schaden von rund 52 Milliarden Euro verursachen. Denn Dauerstress belastet Psyche und Organismus. Er führt zu Erschöpfung, schwächt das Immunsystem, begünstigt Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Herzinfarkt und Schlaganfall. Die Auslöser aber liegen ganz woanders.
Die Definition von Stress
Die Herkunft des Wortes „Stress“ zeigt bereits deutlich, worum es geht: Der englische Begriff bedeutet „Druck, Anspannung“ -und steht in der Physik für mechanische Spannungszustände.
Der Biochemiker und Mediziner Hans Selye erkannte Mitte des 20. Jahrhunderts, dass diese Zustände auch menschlich sind. Er definierte Stress als „unspezifische Reaktion des Körpers auf jegliche Anforderung“.
Stress entsteht, wenn der Mensch mit stark erhöhter Energie und Aufmerksamkeit auf Belastungen reagiert. Stresshormone werden ausgeschüttet, Blutdruck, Puls und Muskelspannung steigen, das Immunsystem wird heruntergefahren.
Stress und Stressoren
Die heutige Psychologie definiert Stress noch konkreter: Als „seelische und körperliche Reaktion auf äußere und innere Ereignisse, die als bedrohlich empfunden werden oder das Wohlbefinden beeinträchtigen“. Diese Ereignisse heißen im Fachjargon „Stressoren“.
Ein Stressor kann also ein brüllender Chef sein, eine Räumungsklage oder eine besonders gefährliche Tätigkeit. Aber auch die reine Vorstellung davon: Bereits der Gedanke an den möglichen Jobverlust kann Stressreaktionen verursachen.
Auslöser Arbeitsplatz
Schon der Arbeitsplatz an sich bietet viel Nährboden für Stress. Wenn Ihre Belegschaft oft über Kopfschmerzen klagt oder gereizt reagiert, können die Ursachen sehr nahe liegen: Ein stickiges Raumklima, ergonomisch unvorteilhafte Tische, flimmernde Monitore. Hier können Sie mit kleinen Maßnahmen große Wirkungen erzielen.
Das gilt auch für die Lage des Arbeitsplatzes. Wer in einem Durchgangszimmer sitzt, ist erhöhter Unruhe ausgesetzt, wer auf graue Fassaden starrt, wird sich auch nicht sehr wohl fühlen.
In einigen Berufen dominieren psychische Stressoren, zum Beispiel bei Feuerwehreinsätzen. Da sollte das Thema besonders beachtet werden, etwa durch Nachbesprechungen oder den Einsatz interner Psychologen. Teilweise geschieht es schon, teilweise besteht noch Handlungsbedarf.
Wie Stress im Kopf entsteht
Ob ein Ereignis Stress auslöst, hängt stark von der Person ab, die es wahrnimmt: Für den einen wird eine harmlose Spinne zum Stressor, der andere lässt sie gelassen über seine Hand laufen.
Der eine sucht den verlegten Archivschlüssel in Ruhe, der andere gräbt hektisch das Büro um. Wo mancher unter Versagensängsten leidet, sehen andere ihre Chancen.
Der Grund für diese Unterschiede liegt in den persönlichen Erfahrungen und Prägungen, die jeder Mensch mitbringt. Da hilft es, sich immer wieder selbst zu hinterfragen: Geht es hier wirklich um Leben und Tod, oder setze ich mich unnötig unter (Zeit-)druck? Gespräche mit den Mitarbeitern können helfen.
Physische Ursachen
Andere Stressoren sind körperlicher Natur. Sobald das Wohlbefinden beeinträchtigt ist, beginnt sich die Stressspirale zu drehen. Dazu zählen:
- Schlafdefizit
- Krankheiten, Übelkeit, Schmerzen
- sonstige Beeinträchtigungen (z.B. trockene oder brennende Augen)
- Hitze und Kälte
- Lärm und Geräusche (ständiges Telefonklingeln, Baulärm, surrende Kühlschränke…)
- Hunger und Durst
Ganz entscheidend ist auch eine bewusste Atmung. Mit der richtigen Technik können Sie Ihren Stresslevel bewusst senken.
Soziale Faktoren
Stress kann aber auch soziale Ursachen haben, zum Beispiel:
- Private oder berufliche Konflikte
- Gruppenzwang
- autoritäre Vorgesetzte
- Mobbing
- unklare Kommunikation
Tipps für die spontane Entspannung
Oft sind mehrere Stressoren zugleich am Werk: Wer unter Termindruck arbeitet, am Vorabend Streit mit dem Partner hatte und zugleich unter starken Zahnschmerzen leidet, kann schnell an seine Grenzen stoßen.
Es ist unmöglich, das Leben von allen Faktoren frei zu halten. Wer sich aber zwischendurch entspannen kann, kommt besser damit zurecht.
Ein kleine Erste Hilfe bei Stress im Büro
- Die Körperhaltung verändern: Den Oberkörper aufrichten, den Kopf in die Hände stützen, die Beine ausstrecken.
- Kleine Gymnastik am Platz: Sich Räkeln und Strecken, Schultern rollen oder zucken, Körper und Kopf drehen und wenden. Arme und Finger ausstrecken, die Faust machen, loslassen. Einige Male wiederholen.
- Die Augen für einen Augenblick schließen, ein Augentraining durchführen.
- Kurze Meditation: Aus dem Fenster schauen, ein hübsches Bild betrachten, an etwas Schönes denken.
- Tief durchatmen, seufzen, gähnen.
Fazit
Angesichts der Vielzahl möglicher Auslöser ist es kein Wunder, dass Stress den Alltag dominiert. Bieten Sie ihm trotzdem die Stirn: Viele Stressoren lassen sich beseitigen. Durch eine optimale Gestaltung des Arbeitsplatzes, konstruktive Gespräche, eine sinnvolle Pausenregelung. Nehmen Sie sich die Zeit für ein Betriebliches Anti-Stressmanagement. Es lohnt sich.
Christine Lendt, Fachjournalistin






