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Notrufsysteme

Wie sich Notrufe möglichst genau lokalisieren lassen

Wenn ein Notruf eingeht und durch den Betroffenen keine konkrete Angabe zur aktuellen Position gemacht werden kann, können Lokalisierungsverfahren helfen, um möglichst schnell Hilfe zum richtigen Standort zu schicken. Nicht nur im Fall eines großen Firmengeländes sollten Sie deshalb prüfen, ob Ihr Notrufsystem auch eine genaue Positionsermittlung erlaubt.

Sofort wissen, woher der Notruf kommt

Sofort wissen, woher der Notruf kommt

Mobilität und Flexibilität werden in vielen Unternehmen großgeschrieben. Doch nicht nur häufige Dienstreisen sind ein Anzeichen dafür, auch die verbreiteten Büroumzüge zeigen dies deutlich. Abteilungen werden zusammengelegt oder aufgelöst, an anderer Stelle formiert sich ein neuer Unternehmensbereich.

Die betroffenen Mitarbeiter nehmen dann meist ihre Unterlagen und wechseln zu einem neuen Schreibtisch, in ein neues Büro. Mitunter nehmen die Mitarbeiter sogar selbst den eigenen Arbeitsplatzrechner und das Telefon mit. Die Administratoren prüfen dann nur noch die Korrektheit der Anschlüsse.

Woher kommt der Notruf

Nun stellen Sie sich vor, nach einem dieser häufigen Büroumzüge passiert ein Arbeitsunfall. Der Betroffene stürzt schwer, kann aber noch einen Notruf über sein Telefon absetzen. Wie kann seine Position im Gebäude möglichst schnell bestimmt werden, wenn er nichts mehr dazu sagen kann? Die Antwort scheint einfach, ist es aber nicht: Über die angezeigte Rufnummer ist nicht immer klar ersichtlich, in welchem Büro nun der Arbeitsunfall passiert ist.

Rufnummern-Mitnahme bei Telefonanlagen

Damit sich Kunden und Kollegen nicht immer neue Rufnummern merken müssen, wird die Telefonnummer in der Regel mitgenommen, wenn ein Wechsel in ein anderes Büro erfolgt. Bei Einsatz einer Telefonanlage ist dies kein Problem, und die Mitarbeiter-Telefonliste bleibt unverändert. Anders sieht dies jedoch mit der Zuordnung Büro und Anschlussnummer aus, die sich im Gegensatz zur Zuordnung Mitarbeiter und Anschlussnummer durchaus ändert.

Ohne Übersicht droht Gefahr

Wenn die Telefonanlage keine automatische Visualisierung der Anschlussverteilung bietet und die einzelnen Anschlussnummern im Gebäudeplan dynamisch anzeigt, hilft nur eine genaue manuell erstellte Übersicht bei der Administration. Darin sollte für jeden Mitarbeiter und für jeden Anschluss auch die aktuelle Raumnummer vermerkt sein. Dann kann die Rufnummernanzeige auch einem bestimmten Büro zugeordnet werden.

Auch an Internettelefone denken

Aus Kostengründen setzen immer mehr Unternehmen auf Internettelefonie (Voice-over-IP, VoiP) und nicht mehr auf das klassische Festnetz. Internettelefonie ist sehr flexibel, so dass im Prinzip ein Anschluss für Internettelefonie nicht ortsgebunden ist. Ein Anschluss für Internettelefonie wird durch eine meist dynamische IP-Adresse gekennzeichnet und erhält von der VoIP-Anlage eine Rufnummer zugeordnet.

Eine feste Zuordnung zwischen Telefonanschlussdose (TAE) und Rufnummer wie bei einem klassischen Festnetz-Telefon besteht also nicht. Geht ein Notruf über VoIP nach draußen, können Rettungsleitstellen und Notrufzentralen aus der angezeigten Rufnummer keine genauen Rückschlüsse über die Position des Notrufs ableiten. Deshalb vermerken VoIP-Anbieter wie zum Beispiel Skype, dass ein Internettelefon nicht für Notrufe verwendet werden kann.

Lokalisierung trotz VoIP

Der Chemiepark Marl hat jedoch eine Möglichkeit für die interne Telefonie gefunden, um Notrufe über VoIP automatisch lokalisieren zu können. Dabei kommt das System Intraprotector von der Comco AG zum Einsatz. Bei den mehr als 900 Gebäuden im Chemiepark Marl wurde eine manuelle Überprüfung und Aktualisierung zu den Standorten der betriebsinternen VoIP-Telefone zu aufwändig. Mit der automatisierten Lokalisierung der VoIP-Anschlüsse ist es der Werkfeuerwehr möglich, das Gebäude und den Raum zu ermitteln, aus dem der eingehende VoIP-Notruf stammt:

  • Dazu erhält der Administrator bei einem Umzug eines VoIP -Telefons automatisch per E-Mail die neuen Daten der Lokation wie Gebäude, Geschoss, Raum und Switch-Port.
  • Bei Eingabe der Telefonnummer in eine Suchmaske werden die der Rufnummer zugeordneten Daten zu den Örtlichkeiten und dem Switch-Port ausgegeben.
  • Die Realisierung erfolgt durch eine integrierte Verknüpfung zweier Datenbanken, einmal die für die VoIP-Anlage (Telefonnummer, MAC-Adresse) und zum anderen die für die Verkabelung (Switch, Port, Gebäude, Etage, Raum).

Auch mobile Mitarbeiter auffinden

Bei Notrufen, die von einem Mobiltelefon aus eingehen, kann bei Gefahr für Leib und Leben auch ohne konkrete Einwilligung eine Ortung durch eine Notrufzentrale erfolgen. Dabei kommt entweder die Funkzellen-Ortung zum Einsatz, wobei die Funkzelle bestimmt wird, in dem das Mobiltelefon zum Zeitpunkt des Notrufs angemeldet war. Falls das Handy über ein GPS-Modul (Global Positioning System) verfügt, kann zudem die genauere Lokalisierung über Satellit helfen.

Prüfen Sie, wie in Ihrem Unternehmen Notrufe lokalisiert werden können, sei es bei Einsatz einer Telefonanlage, bei Verwendung von Mobiltelefonen oder aber bei internen VoIP-Anlagen. Machen Sie aber auch darauf aufmerksam, dass VoIP in der Regel kein System ist, das für Notrufe nach außen genutzt werden sollte.

Oliver Schonschek, Diplom-Physiker und Fachjournalist

Veröffentlicht:
2010-06-10

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