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Fertigbauweise

Arbeitsschutz darf unter geringer Bauzeit nicht leiden

Laut den Baugenehmigungszahlen 2007 des Statistischen Bundesamtes stieg der Marktanteil im Holz-Fertigbau bei den Ein- und Zweifamilienhäusern weiter an. Nicht nur mögliche Energieeinsparungen durch eine integrierte Wärmedämmung machen Fertighäuser beliebt, auch die geringe Bauzeit von oftmals wenigen Tagen erscheint vielen Bauherrn als Vorteil. Doch bei aller Zeitersparnis darf der Arbeitsschutz beim Fertigbau nicht aus dem Blick geraten, insbesondere nicht bei Transport und Montage der Fertigteile.

1,2 fertig. Doch der Arbeitsschutz darf auch beim Bau des Fertighauses nicht zu kurz kommen

1,2 fertig. Doch der Arbeitsschutz darf auch beim Bau des Fertighauses nicht zu kurz kommen

Der Bau eines Fertighauses erscheint dem Laien meist wie ein großes Puzzlespiel. Vorgefertigte Teile werden zur Baustelle transportiert und dort in kurzer Zeit montiert. Schon bald kann das Richtfest gefeiert werden. Bei Massivbauweise hingegen wird mitunter mehrere Wochen lang gemauert, bevor es endlich so weit ist.

Auch aus Sicht des Arbeitsschutzes haben Baustellen, auf denen Fertighäuser errichtet werden, scheinbar klare Vorteile. Die Rohbauarbeiten bei Massivhäusern erscheinen deutlich gefährlicher. Doch wenn Sie einmal genau hinsehen, sind auf Fertigbaustellen andere Gefährdungslagen anzutreffen als im Massivbau.

Arbeitsschutz am Bau: Zeitfaktor darf Sicherheit nicht gefährden

Die zeitlichen und organisatorischen Anforderungen bei der Fertigbauweise sind sehr hoch. Nur wenige Tage bleiben in der Regel, um ein Ein- oder Zweifamilienhaus auf die Beine zu stellen. Dazu muss insbesondere die Logistik stimmen, so dass die Teile in der richtigen Reihenfolge und am rechten Platz angeliefert und aufgebaut werden können. Für die im Baugewerbe notwendigen Sicherheitsmaßnahmen und die entsprechende Persönliche Schutzausrüstung scheint dann kaum noch Zeit zu bleiben.

So meinen manche Beschäftigte, dass sich der Aufwand für die Arbeitsschutz-Maßnahmen bei der kurzen Bauzeit nicht lohnen würde. Schutzausrüstungen werden dann unter Umständen nicht nur aus Bequemlichkeit nicht getragen, sondern auch aus Zeitgründen. Eine gefährliche Situation, die weder die Fertighausanbieter, noch die Subunternehmer auf der Baustelle oder die Bauherrn vergessen sollten.

Achten Sie auf Transport und Montage

Untersuchungen der Risiken im Fertigbau haben unter anderem Unfallschwerpunkte gezeigt durch

  • die fehlerhafte Verwendung von Steh- und Anlegeleitern,

  • die missbräuchliche Nutzung von Getränkekisten oder Montagestützen als Tritt,

  • fallende oder kippende Gegenstände sowie

  • Absturz aus geringer Höhe (bis zu zwei Meter). Gefahren bestehen also insbesondere bei den Montagearbeiten in geringerer Höhe und durch den Transport der Bauteile.

Schnelligkeit hat nichts mit Improvisieren zu tun

Um die engen Zeitfenster einzuhalten, könnte es zudem passieren, dass Maßabweichungen bei den Bauteilen dazu führen, dass die Arbeiter vor Ort improvisieren. Ebenso könnten nicht verfügbare Schutzvorrichtungen durch unzulängliche Behelfsmaßnahmen ersetzt werden. Dies wurde zum Beispiel bei der teilweise nicht vorhandenen Absicherung von Öffnungen in Geschossdecken oder Flachdächern festgestellt.

Fertigbau könnte Sicherheit sogar erhöhen

Generell bietet die Fertigbauweise jedoch verschiedene Möglichkeiten, die Arbeitssicherheit auf der Baustelle zu erhöhen. So ist es zum Beispiel möglich, Schutzvorrichtungen gegen das Abstürzen noch auf dem Boden an die Fertigteile zu montieren. Dazu muss jedoch die Fertigungsplanung bereits die notwendigen Sicherungen berücksichtigen und Befestigungspunkte für Seitenschutz sowie Arbeits- und Schutzgerüste einplanen. Weiterhin gilt es, verschiedene organisatorische Maßnahmen für den Baustellenbetrieb zu ergreifen. Dazu gehören unter anderem

  • Sicherstellung, dass die Montageanleitungen tatsächlich auf der Baustelle verfügbar sind,

  • Unterweisungen über die Absperrung von Gefahrenstellen und das Tragen von Schutzausrüstung,

  • Ausweisen von definierten Lagerstellen für Fertigteile, die erst später verbaut werden,

  • und nicht zuletzt realistische Zeitpläne, die der Arbeitssicherheit den notwendigen Raum lassen.

Fertighäuser können also bei entsprechender Planung, Durchführung und Überwachung nicht nur schnell, sondern auch sicher gebaut werden.

Weitere Informationen befinden sich insbesondere in der Schriftenreihe der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin, Forschungsbericht Fb 1089 (Sicherheit und Gesundheitsschutz bei der Montage von Gebäuden aus vorgefertigten Elementen), der aus einem Projekt der BAD Gesundheitsvorsorge und Sicherheitstechnik GmbH, des Bundesverbandes Deutscher Fertigbau e.V. (BDF), dem Institut für Arbeitsschutz der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung (BGIA) und der Bergischen Universität Wuppertal (BUW) hervorgegangen ist.

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Oliver Schonschek, Diplom-Physiker und Fachjournalist

Veröffentlicht:
2008-06-25

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