Allergien am Arbeitsplatz
Brot backen trotz Bäckerschnupfen
Eine Berufskrankheit bedeutet oft das Ende des Jobs ‒ ein Desaster für viele Beschäftigte, gibt es doch nicht immer andere Perspektiven. Bei Bäckerschnupfen sieht es inzwischen anders aus: Mit bestimmten Maßnahmen können erkrankte Teigkneter ihre Tätigkeit weiterhin ausüben.
Kribbelt es oft in der Nase? Das könnte ein erstes Anzeichen einer Allergie seiner
Die Berufskrankheit, auch als „Mehlallergie“ und in fortgeschrittener Form als „Bäckerasthma“ bekannt, hat schon viele Menschen in die Arbeitsunfähigkeit getrieben.
„Aber was soll man da machen, Mehl gehört nun mal in eine Backstube“, mit diesem Achselzucken nahm man das Risiko lange in Kauf, und wenn es wieder mal einen erwischt hatte, musste der seinen Kittel an den Nagel hängen.
Da staubt es nicht mehr gewaltig
Das sieht heute schon anders aus. Zunächst einmal gilt: Vorbeugen ist besser als Heilen. Nachdem die alte Volksweisheit lange in Vergessenheit geraten war, entdeckt man auch am Arbeitsplatz den Wert der Prävention wieder. So können Bäcker viel dazu beitragen, damit das tückische Husten und Schneuzen sie gar nicht erst erwischt.
Also doch: Mehlstaub vermeiden. Das ist machbar, auch wenn keine Backstube hundertprozentig staubfrei werden kann. Mit einfachen, Staub vermeidenden Arbeitstechniken und einigen hygienischen Maßnahmen können Sie die Hauptursachen von Bäckerasthma in der Backstube reduzieren.
Zum Beispiel eine Siloanlage einbauen, damit es beim Befüllen der Knetmaschinen nicht mehr staubt. Weitere Tipps gibt die BG Nahrungsmittel und Gaststätten.
Im Beruf bleiben können
Und es ist nie zu spät. Nach intensiver Zusammenarbeit mit Ärzten, Biologen, Chemikern, Physikern, Technikern, Psychologen und anderen Experten zieht die BGN ein interessantes Fazit: Heute ist es möglich, dass bereits erkrankte Bäcker, für die eine Berufsaufgabe zur Vermeidung der auslösenden Allergene nicht in Frage kommt, ihren Arbeitsplatz behalten können ‒ unter bestimmten medizinisch und technisch kontrollierten Bedingungen.
llergiegerechte Arbeitsplätze
Nachdem die Backstube des erkrankten Mitarbeiters untersucht wurde, können dem Betroffenen und seinem Arbeitgebern allgemeine Hinweise und gezielte Präventionsempfehlungen gegeben werden, die genau auf den Arbeitsplatz zugeschnitten sind.
So hat es auch Günter Steiner gemacht, der seit 1997 an Bäckerasthma und Bäckerschnupfen leidet und den Traditionsbetrieb noch bis zur Übergabe an den Sohn selbst führen möchte. Mit der Unterstützung der Berufsgenossenschaft ergriff er Präventivmaßnahmen.
Seitdem hat er die Beschwerden so weit im Griff, dass sie sich nicht verschlimmert haben und er weiter in der Backstube stehen kann. So arbeitet Steiner jetzt hauptsächlich am Backofen, also dort, wo es nahezu keinen Mehlstaub gibt. Und trägt konsequent Atemschutz. Sein Gesundheitszustand wird laufend überwacht und die medikamentöse Behandlung entsprechend eingestellt.
Frühsymptome erkennen
Je früher man eingreift, desto besser. Kribbelt es oft in der Nase? Schnupfen oder Niesattacken während der Arbeit können Frühsymptome allergischer Atemwegserkrankungen sein und sind unbedingt zu beachten.
Fachärzte betonen: Das individuelle Verhalten der Beschäftigten im Umgang mit ihren Arbeitsstoffen kann entscheidend dazu beitragen, die Reizung der Atemwege durch allergische Stoffe gering zu halten. Durch präventive Maßnahmen können erhebliche Erfolge erzielt werden, wenn die Symptome rechtzeitig erkannt werden.
Workshops und Seminare
Schicken Sie Ihre Beschäftigen auch auf Fachvorträge oder Seminare, falls sie derartigen Risiken ausgesetzt sind. Mit mehr Hintergrundwissen fällt es leichter, Prävention in die Tat umzusetzen: Wie macht sich der Bäckerschnupfen bemerkbar, wie kann man Atemwegserkrankungen vorbeugen?
Und dabei muss es nicht staubtrocken zugehen. Oft werden erlebnisorientierte Workshops angeboten, mit praktischen Übungen, die für das Thema sensibilisieren.
Asthmaschulung und Bäckersprechstunde
Die BGN engagiert sich auch in diesem Bereich. Vom Bäckerschnupfen betroffene Mitarbeiter werden zu einer Asthmaschulung eingeladen, die das Krankheitsbild im Zusammenhang mit den Besonderheiten des individuellen Arbeitsplatzes betrachtet, etwa der Verringerung berufsbedingter Auslösefaktoren.
Außerdem gibt es eine medizinische Betreuung: In allen Außenstellen und vielen regionalen Kompetenzzentren der BGN werden „Bäckersprechstunden“ angeboten. Das nutzen auch zunehmend gesunde Bäcker, Berufsanfänger oder engagierte Arbeitgeber, um sich bereits vor oder bei Entstehung der Krankheit über mögliche Schutzmaßnahmen zu informieren.
Fazit
Eine Berufskrankheit muss nicht das Aus bedeuten, das Beispiel Bäckerschnupfen macht es deutlich. Und diese Erkenntnisse lassen sich gewiss auch auf andere Branchen übertragen.
Nur seien Sie vorsichtig: Es genügt nicht, sich eine Schutzmaske oder Handschuhe überzustreifen, nach dem Motto „ich arbeite halt einfach weiter“. Eine kompetente Beratung und medizinische Betreuung sind in solchen Fällen unerlässlich. Informieren Sie sich auch über den gesetzlichen Rahmen, etwa über die möglichen Konsequenzen bei Unterlassungszwang.
Christine Lendt






