Baustellensicherheit
Jede Baustelle braucht einen Kümmerer
Damit der betriebliche Gesundheitsschutz auf jeder Baustelle ankommt und praktisch umgesetzt wird, empfiehlt das Projekt Gesunde-Bauarbeit die generelle Einführung eines Gesundheitskollegen, kurz GeKo. Gesundheitskollegen sind Sicherheitsbeauftragte, die eine zusätzliche Fortbildung im Bereich Gesundheitsprävention und Erste Hilfe absolviert haben.
Alle Aspekte des modernen Gesundheitsmanagements müssen laut Gesunde-Bauarbeit auch für Bauarbeiter Realität werden. Erledigen soll das der Gesundheitskollege, GeKo.
Ihre zentrale Aufgabe ist es, die Kollegen am Bau zu sicherem und gesundheitsbewusstem Arbeiten und Verhalten zu motivieren. Die Schulung zum GeKo basiert auf einem dreitägigen Konzept und lässt sich von Betrieben und Mitarbeitern ohne großen Aufwand umsetzen.
Praktische Konzepte sind gefragt
„Aus meiner Sicht zählen nur Maßnahmen der Gesundheitsprävention, die auch auf der Baustelle ankommen“, so Rudi Clemens, Leiter des Projektes Gesunde-Bauarbeit. „Viele Ideen des betrieblichen Gesundheitsmanagements gehen von einem stationären Arbeitsplatz aus, Bauarbeiter auf meist weit entfernten Baustellen erreicht man so überhaupt nicht“, stellt der Arbeitsschützer Clemens fest.
Alle Aspekte des modernen Gesundheitsmanagements wie Prävention, betriebliche Gesundheitsförderung, Wohlbefinden am Arbeitsplatz und lebenslanges Lernen müssen auch für Bauarbeiter Realität werden.
„Gerade bei denen mit den höchsten Belastungen, kommt am wenigsten an“. Ein Gesundheitskollege, kurz GeKo genannt, könnte einiges im Gesundheitsschutz am Bau verbessern, da ist sich Rudi Clemens sicher.
Basis des GeKo ist der Sicherheitsbeauftragte
Einen echten Kümmerer auf der Baustelle zu etablieren, der die Kollegen zum gesundheitsbewussten und sicheren Arbeiten motiviert, das ist für Clemens eine praxisbezogene Maßnahme für eine gesündere Bauarbeit. Dazu muss man jedoch keinen neuen Beauftragten erfinden, denn der GeKo soll auf dem bereits definierten und etablierten Sicherheitsbeauftragten (SiBe) basieren.
Nur die Anzahl der Sicherheitsbeauftragten und vielleicht künftigen Gesundheitskollegen ist Rudi Clemens zu gering. „In der Bauwirtschaft sind hauptsächlich Kleinunternehmen tätig. Da jedoch nach Sozialgesetzbuch (SGB VII) § 22 nur Unternehmen mit regelmäßig mehr als 20 Beschäftigten einen Sicherheitsbeauftragten bestellen müssen, ist der Sicherheitsbeauftragte am Bau eine Seltenheit“, bedauert Rudi Clemens.
Zitat: “Der Arbeitsplatz ist der wichtigste Ort, um Gesundheitsförderung zu betreiben!“ (US-Gesundheitsministerium Department of Health and Human Services 1996)
GeKo muss wirklich vor Ort sein
Nicht nur die geringe Anzahl an vorhandenen Sicherheitsbeauftragten am Bau soll durch das Konzept des Gesundheitskollegen verändert werden. Auch die räumliche Verteilung der Mitarbeiter auf verschiedene Baustellen bringt Probleme mit sich.
„Es bringt nichts, wenn in einem Baucontainer auf einer Baustelle in Hannover aushängt, dass Hans Müller der Sicherheitsbeauftragte im Unternehmen ist, der aber zur Zeit auf einer Baustelle in Köln beschäftigt ist“, illustriert der Projektleiter von Gesunde-Bauarbeit das Problem.
Experten sind hier wenig hilfreich
Würde man nur Fachleute beispielsweise von Krankenkassen oder Berufsgenossenschaften, die ja auch einen erweiterten Präventionsauftrag haben, auf die Baustelle schicken, bringt das nach Ansicht von Rudi Clemens überhaupt nichts.
Erstens sei das zu gefährlich, zweitens würden Arbeitsabläufe unterbrochen und drittens würden sie nicht akzeptiert. Da würde man dann Sprüche hören wie: „Der will uns was erzählen, der hat doch in seinem ganzen Leben noch nie auf einer Baustelle gearbeitet“, oder „Wenn ich so arbeite wie der das will, bekomme ich gar nichts mehr getan“, weiß Rudi Clemens, der bereits über 30 Jahre auf Baustellen tätig ist.
Der GeKo hat aus Sicht von Clemens hier unschlagbare Vorteile: Er ist einer von „ihnen“, wird von der Kolonne akzeptiert, und ein weiterer Vorteil ist, er ist immer vor Ort. So können Verbesserungen direkt umgesetzt werden und sind nachhaltig. Die Kollegen müssen tätigkeitsbezogen qualifiziert werden, damit sie selbstverantwortlich zu gesunden und sicheren Arbeitsbedingungen beitragen können.
„Ihre Einbeziehung ist dabei Grundvoraussetzung und wird auch im Arbeitsschutzgesetz gefordert. Gesundheitsförderungen von Kassen sind immer zeitlich begrenzt, meist Marketingstrategie, und schlafen nach einer gewissen Zeit wieder ein, wenn die externe Betreuung fehlt“, resümiert Rudi Clemens aus seiner Erfahrung.
Unfallverhütung auf gesundheitsfördernde Arbeitsbedingungen ausweiten
Doch was kann ein GeKo genau leisten? Der Gesundheitskollege ist ein ehrenamtlicher Helfer in Sachen Arbeitssicherheit und Gesundheitsförderung. Er denkt also nicht nur an Unfallgefahren, sondern auch an Staub, Lärm, Stress, Witterungsbedingungen und lange Anfahrtszeiten, die die Gesundheit der Bauarbeiter belasten können. Ein Gesundheitskollege achtet deshalb unter anderem auf
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sicherheitstechnische Mängel
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den Zustand der Persönlichen Schutzausrüstung (PSA)
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die Benutzung der PSA
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den sicheren Umgang der Mitarbeiter mit Maschinen
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die Unterweisung neuer Mitarbeiter
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das sichere und gesundheitsbewusste Verhalten auf der Baustelle
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Gesundheitsbelastungen im Alltag auf der Baustelle
Entscheidend sind die kollegiale Ansprache und Vorbildfunktion
Da ein GeKo kein Vorgesetzter mit Weisungsrecht ist, sondern im Idealfall ein vorbildlicher Kollege, ist seine besondere Stärke die kameradschaftliche Ansprache und das kollegiale Hinweisen auf Sicherheitsdefizite und gesundheitsschädliches Verhalten.
So könnte der GeKo die Kollegen am Bau auch zu Maßnahmen wie einer Rückenschule oder Raucherentwöhnung motivieren, damit diese ihre Gesundheit und Lebensqualität aktiv verbessern.
Im Notfall kann der GeKo nicht nur beraten, sondern ist als ausgebildeter Ersthelfer vor Ort und kann bei Unfällen Verletzte sofort versorgen.
Ausbildung braucht den Praxisbezug
Ein GeKo wird nach den Vorstellungen des Projektes Gesunde-Bauarbeit nicht über viele Wochen und mit hohem Theorieanteil ausgebildet. Vielmehr geht es um eine dreitägige Praxisschulung pro Jahr zuzüglich der Ersthelferausbildung.
Bei der Fortbildung stehen soziale Kompetenzen wie Moderation, Gesprächsführung und Motivation im Mittelpunkt, doch auch andere wichtige Inhalte sollen vermittelt werden, die der Arbeitssicherheit und der Gesundheitsprävention dienen, darunter
- Arbeitsplatzgestaltung
- Ersthelferausbildung oder Auffrischung
- Aspekte der Ergonomie, zum Beispiel Sitze auf Baumaschinen
- Schwingungsbelastung
- Ersatz von Gefahrstoffen
- Gesunde Ernährung auf der Baustelle
- Heben und Tragen
- Mitarbeiter-/ Team-Gespräch
- Sicherheitskurzgespräch
- Gesunde Führung
- Zusammenarbeit im Team
- Stress- und Zeitmanagement
- Weiterbildungsmöglichkeiten
GeKo als Modellprojekt
Gegenwärtig laufen Gespräche des Projektes Gesunde-Bauarbeit mit Krankenkassen und Berufsgenossenschaften, um den Gesundheitskollegen in Form eines Modellprojektes in ersten Betrieben einzuführen. Interessierte Betriebe aus NRW können sich melden unter clemens@gesunde-bauarbeit.de
Der Gesundheitskollege ist zweifellos ein gutes Beispiel für die praxisorientierte Stärkung des betrieblichen Gesundheitsmanagements in der Bauwirtschaft. Über die weitere Entwicklung wird SIFATipp jeweils berichten.
Oliver Schonschek
Diplom-Physiker und Fachjournalist
www.schonschek.de




