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Rückengesundheit

Belastungen der Wirbelsäule reduzieren

Rückenschmerzen sind den meisten Arbeitnehmern bekannt, die Ursachen jedoch nicht. Mit Messungen, Simulationen und Arbeitsplatzbegehungen können Arbeitsschützer dem Problem Rückenschmerz auf den Grund gehen und Präventionsmaßnahmen empfehlen.

Gegen Rückschmerzen durch falsche Belastungen der Wirbelsäule können Sie etwas tun!

Gegen Rückschmerzen durch falsche Belastungen der Wirbelsäule können Sie etwas tun!

„Ich hatte gehofft, durch das Autogene Training etwas gegen meine Stressbelastung machen zu können, doch im Liegen hatte ich solche Rückenschmerzen, dass ich mich nicht entspannen konnte“, so eine Teilnehmerin auf einer Rückenschule. Solche Aussagen hört man immer häufiger, und sie machen eine Art Teufelskreislauf sichtbar. Rückenschmerzen verhindern ein Abschalten und Entspannen - und der zunehmende Stress verstärkt sogar noch den Rückenschmerz.

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Rückenschmerzen durch falsches Sitzen, Tragen, Heben

Aber die Rückenschmerzen kommen nicht nur durch psychische Fehlbelastungen. Weitere typische Ursachen sind falsches Sitzen, Tragen und Heben. Oftmals werden Lasten direkt vom Boden aufgenommen und dann aus dem Rücken gehoben, anstatt die Kraft aus den Beinen mit zu nutzen. Dabei befinden sich die Lasten oftmals nicht in der Körpernähe, sondern sind nur mit weit ausgestreckten Armen greifbar. Nicht zuletzt werden ruckartige Bewegungen und Drehungen in der Wirbelsäule vollführt, die zu einer extremen Belastung führen können. Aber auch beim Sitzen läuft vieles falsch, was bei der zunehmenden Computernutzung am Arbeitsplatz immer kritischer wird für die Entwicklung bei Krankmeldungen und Frühverrentungen.

Wichtig: Belastungen der Wirbelsäule reduzieren

Um die Rückenschmerzen zu lindern und in Zukunft zu verhindern, sollten Arbeitsprozesse und -abläufe untersucht werden und Arbeitsplatzbegehungen stattfinden. Dazu gehört mehr als die Bildschirmarbeitsplatzuntersuchung und die Ergonomie am Schreibtisch.

Das sollten Sie an sämtlichen Arbeitsplätzen vermeiden:
  • Heben und Tragen von Lasten, die über der jeweils ermittelten maximalen Last liegt,
  • lang andauernde gebückte Haltung sowie andere Zwangshaltungen,
  • statische Haltearbeit über längere Zeit sowie
  • Verdrehungen der Wirbelsäule.

 

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Wie sieht die Belastung wirklich aus

In der Rückenprävention jedoch helfen pauschale Hinweise zum rückenfreundlichen Arbeiten nur bedingt. Zu unterschiedlich sind die einzelnen Mitarbeiter, die Tätigkeiten und die Belastungen. Deshalb werden moderne Messverfahren und Simulationen durchgeführt, um individuellere Aussagen treffen zu können.

Rückenbelastungen messen

Dazu gehören sogenannte elektromyographische Messungen, die die Muskelaktivitäten bei den verschiedenen Tätigkeiten untersuchen, um die Belastung insbesondere der Lendenwirbelsäule (LWS) näher zu ergründen. Dazu gehören auch Untersuchungen, bei denen den Probanden eine sogenannte Exo-Wirbelsäule angelegt wird, also ein künstliches Wirbelsäulenmodell mit Sensoren zur Messung der Belastungen bei unterschiedlichen Tätigkeiten am Arbeitsplatz.

Simulationsstudien zu Muskel-Skelett-Erkrankungen

Vielversprechend sind auch Computersimulationen, die das menschliche Skelett mit der Wirbelsäule, die Muskeln und Sehnen in aufwändigen Berechnungen unter möglichst realistischen Bedingungen dreidimensional nachstellen. So hat zum Beispiel kürzlich das Zentrum für Arbeitsschutz in der Automobilfertigung (Center for Occupational Health in Automotive Manufacturing, COHAM) der Ohio State University eine Simulationsstudie am Computer durchgeführt, um die Risiken einer Muskel-Skelett-Erkrankung bei der Fahrzeugmontage besser abschätzen zu können.

Dabei wurden die dynamischen Kräfte simuliert, die bei Mitarbeitern in der Fahrzeugproduktion durch die Belastung der Wirbelsäule oder Rückenmuskulatur oder durch ungünstige Arbeitshaltungen auf den menschlichen Körper einwirken. Auf dieser Basis können dann spezifische Hinweise für die jeweilige Tätigkeit gegeben und Schutzmaßnahmen ergriffen werden.

Gefährdungen bestimmen und Mitarbeiter unterweisen

Erste Anhaltspunkte zur Einschätzung der Belastung der Wirbelsäule liefern auch Methoden wie LMM (Leitmerkmalmethode), womit die Lastenhandhabung beim Tragen und Heben besser bewertet werden kann. Dabei fließen

  • der zeitliche Verlauf der Belastung (Zeitwichtung),
  • das Lastgewicht,
  • die Körperhaltung und
  • die Ausführungsbedingungen ein.

Neben der Bestimmung der jeweiligen Belastungen und Gefährdung sollte auch die regelmäßige Unterweisung zu dem Thema Belastung der Wirbelsäule nicht fehlen. Tipps dazu finden Sie in der Checkliste Belastungen der Wirbelsäule.

Autor: Oliver Schonschek, Diplom-Physiker und Fachjournalist

Veröffentlicht:
2011-04-28

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