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Bildschirmarbeit

Studie gibt Aufschluss zur richtigen Sitzhaltung

Sitzen kann eigentlich jeder. Denn schließlich gehört das Sitzen zu den frühen körperlichen Fertigkeiten, die ein gesunder Mensch erlernt. Und genau diese Fertigkeit wird zur Herausforderung, wenn es darum geht, Menschen im Büro dauerhaft zur richtigen Sitzhaltung zu bewegen.

Bildschirmarbeit verursacht zahlreiche Rückenprobleme

Bildschirmarbeit verursacht zahlreiche Rückenprobleme

Denn körpergerecht ist das Sitzen, wenn der Nutzer eines Bürostuhls nicht in Haltungen verharrt, in denen die Wirbelsäule dauerhaft einseitig mechanisch belastet wird. Das setzt voraus, dass er in der Lage ist, im Lot zu sitzen.

Die richtige Sitzhaltung erfordert Unterstützung: Durch einen passenden Bürostuhl und durch Bewusstseinsbildung. Denn ohne diese verfällt jeder schnell in sein von Kindheit angelerntes Sitzverhalten, das offensichtlich so prägend ist wie der menschliche Gang. So lautet eine Erkenntnis einer jüngst zum Thema dynamisches Sitzen veröffentlichten Feldstudie.

Sich mit dem Mitarbeiter im erfolgreichen Büro zu befassen, bedeutet immer auch, sich mit dem Sitzen am Arbeitsplatz zu beschäftigen. Denn der Büromensch sitzt den überwiegenden Teil seines Arbeitstages. Das ist nicht kritisch, wenn er richtig sitzt.

Was die "richtige Sitzhaltung" ausmacht, ist Gegenstand zahlreicher wissenschaftlicher Untersuchungen. Unbestritten ist, dass dynamisches Sitzen, verstanden als Sitzen in Bewegung, erstrebenswert ist, da so einseitige Belastungen vermieden werden.

Welche Bewegungen allerdings etwa durch eine Stuhltechnik oder auch durch ein bewusstes Verhalten des Be-Sitzers eines Stuhls gefördert werden sollen, ist ein Feld, in dem immer noch Untersuchungen erforderlich und Aufklärungen notwendig sind. So kommt eine jüngst veröffentlichte Studie von Dr. Fritz Andreas Schön und Dr. Dieter Preim von der RWTH Aachen zu dem Ergebnis, dass dynamisches Sitzen nicht nur den Wechsel zwischen den verschiedenen Sitzhaltungen umfasst, sondern auch die Mikrobewegungen innerhalb der einzelnen Sitzhaltungen.

In diesem Zusammenhang beantwortet Dr. Schön die Frage, was bewegt den Menschen im erfolgreichen Büro bewegt, wie folgt: "In aller erster Linie bewegt er sich selbst. Und das, obwohl er ja den Großteil seiner Arbeitszeit im Sitzen verbringt. Interessant dabei ist, dass nicht nur die ausladenden Bewegungen und die Veränderungen der Sitzposition Auswirkungen auf die Belastungen und Entlastungen der Wirbelsäule haben, sondern insbesondere die Mikrobewegungen für ein körpergerechtes Sitzen am Arbeitsplatz bedeutsam sind. Schränkt man diese ein, ist das körpergerechte Sitzen im Lot nicht mehr möglich."

Diese Erkenntnis fußt auf umfangreichen Untersuchungen, die in verschiedenen Büro- und büronahen Umgebungen durchgeführt wurden. Dr. Schön erläutert: "Wir haben an insgesamt 64 freiwilligen, gesunden Versuchspersonen beiderlei Geschlechts das Sitzverhalten auf einem serienmäßigen Bürodrehstuhl unter verschiedenen realistischen Arbeitsplatzbedingungen untersucht. Dazu haben wir ein speziell entwickeltes Aufzeichnungsgerät eingesetzt, mit dem wir 77 Mess-Protokolle mit einer Gesamtaufzeichnungszeit von 380 Stunden angefertigt haben. Neben Büroarbeitsplätzen wurden auch Arbeitsplätze in einem Call-Center, eine Leitstelle mit Überwachungstätigkeit und der Bereich einer Seminarveranstaltung für Studierende in die Betrachtung einbezogen."

Die dabei gewonnen Ergebnisse zeigen, dass beispielweise nur am Arbeitsplatz mit Überwachungstätigkeit ein Zusammenhang zwischen den Bewegungen von Sitzfläche und Rückenlehne in Abhängigkeit von der Tageszeit feststellen und zwar in der Zeit von Mitternacht bis 5.00 Uhr morgens.

"Hinweise, dass in der Phase des nachmittäglichen Tiefs am Büroarbeitsplatz vermehrt die hintere Sitzposition eingenommen werden würde, ergaben sich nicht. Auch konnten wir nur für stereotype Arbeitsabläufe wie beispielsweise das Arbeiten an einem Flachbettscanner einen Zusammenhang zwischen der Tätigkeit und dem Sitzverhalten feststellen. Ebenfalls keinen Zusammenhang ergab sich zwischen Bewegungsverhalten und Arbeitsaufgaben, wenn verschiedene Personen unter identischen Arbeitsplatzbedingungen identische Aufgaben erledigen. Beim Vergleich der prozentualen Verteilung der verschiedenen Sitzhaltungen zeigt sich für die unterschiedlichen Arbeitsplatzbedingungen eine herausragende Stellung für die vordere Sitzhaltung. Das gilt selbst für Arbeitsaufgaben wie eine Überwachungstätigkeit, bei der man dies gemeinhin nicht erwartet hätte", erläutert Dr. Schön.

Diese Erweiterung der bisher üblichen Betrachtungsweise führt zu weitreichenden Aussagen hinsichtlich der zu präferierenden Sitzgestaltung: Um den Be-Sitzer eines Stuhls bei  Einnehmen der richtigen Sitzhaltung zu unterstützen, reicht es nicht alleine aus, dass die Stuhltechnik die Bewegung zwischen Rückenlehne und Sitzfläche unterstützt. Vielmehr kommt die Studie zu dem Schluss, dass insbesondere eine synchronisierte negative Neigung von Sitzfläche und Rückenteil für ein dynamisches Sitzen von entscheidender Bedeutung ist. Diese bietet die notwendigen Freiheitsgrade für die Mikrobewegungen. Zudem vermeidet sie das Zurückdrehen des Beckens und ermöglicht so das lotgerechte Sitzen, das die Wirbelsäule mechanisch entlastet.

Berücksichtigung biomechanischer Gegebenheiten

Auf den Punkt gebracht bedeutet das: Körpergerechtes Sitzen am Arbeitsplatz ist in erster Linie eine Frage der Gestaltung der biomechanischen Gegebenheiten. Aus diesem Grunde spielt neben den ergonomischen Eigenschaften eines Bürostuhls, also der Anordnung und der Form von Bedienhebeln, die Ausgestaltung der Sitzfläche etc. insbesondere auch eine ausgeklügelte Synchronmechanik eine entscheidende Rolle bei der Produktwahl.

Die Feldstudie widerspricht in diesem Zusammenhang auch mancher Darstellung in der Presse, dass die so genannte "Lümmelhaltung", also die weit nach hinten gelehnte Sitzhaltung mit vorgeschobenem Becken, die richtige ist. Aus biomechanischer Sicht ist diese eine Katastrophe. Denn es ist seit Jahren bekannt, dass nicht die Druckbelastung der Wirbelsäule schädigend ist, sondern die Zugbelastung. Diese wird jedoch durch das Sitzen im weit geöffneten Körperwinkel ausgeübt.

Das bestätigt auch Dr. Schön, der aus der Studie folgende Schlussfolgerung zieht: "Wir schließen aus den Ergebnissen der Studie, dass das individuelle Sitzverhalten offensichtlich so prägend ist wie der menschliche Gang. Bei einem Teil der Versuchspersonen konnten in den Messprotokollen immer wiederkehrende Mikrobewegungen beobachtet werden, so dass man in solchen Fällen sogar von einer Art "motorischem Fingerabdruck" sprechen könnte.

Die landläufige Meinung, dass sich dynamisches Sitzen nur auf die Bewegung zwischen Rückenlehne und Sitzfläche bezieht, greift eindeutig zu kurz, denn die Bewegung findet in erster Linie im Hüftgelenk statt. Das Sitzverhalten des Menschen wird dynamisch, wenn man ihm die Freiheitsgrade lässt, seine Mikrobewegungen auszuführen. Wichtig ist hier eine köpergewichtsabhängige, automatische Neigung der Sitzfläche, die mehr als -4° ausmacht. Wir haben bereits im Jahr 2000 festgestellt, dass eine Sitzneigung von -8° eine entlastende Beckenneigung bewirkt, die der Beckenstellung des stehenden Menschen nahe kommt. In unserer aktuellen Feldstudie konnten wir die Vermutung, dass Probanden bei einer Sitzflächenneigung von -10° aus dem Stuhl rutschen, definitiv nicht bestätigen. In keinem einzigen Fall ist dies berichtet worden, selbst von Personen nicht, die vor dem Versuch anderer Meinung waren."

Die gegenteilige Sitzhaltung zur "Lümmelhaltung" ist also die richtige: Ein aufrechtes Sitzen im Lot mit einem festen Stand beider Füße auf dem Boden führt zu entspanntem und gleichzeitig bewegtem Sitzen. Aus diesem Grunde ist aus biomechanischer Sicht eine deutliche negative Neigung von Sitzfläche und Rückenteil der wichtigste Parameter für ein körpergerechtes Sitzen am Arbeitsplatz. Dies wird durch eine spezielle Synchronmechanik wie der Syncro-Activ-Balance erzielt.

Bei dieser sorgt ein Neigungswinkel der Sitzfläche von -12° bei gleichzeitiger Neigung des Rückenteils dafür, dass die Stellung der Wirbelsäule der im Stehen nahezu entspricht, der Rücken adäquat unterstützt und der Mensch insgesamt in seiner Bewegungsfreiheit nicht eingeschränkt ist. Die damit verbundene Sitzhaltung ist vom Grundsatz her sogar sehr beliebt. Die Messungen während der Feldstudie belegen, dass die vordere Sitzhaltung die bevorzugteste Haltung an allen Arbeitsplätzen ist.

Praxisorientierte Bewusstseinsbildung

Körpergerechtes Sitzen am Arbeitsplatz erfordert einen bewussten Umgang mit einem Sitzmöbel. Nicht umsonst vergleichen die Autoren der Studie die Wirkung einer arretierten Neigemechanik am modernen Bürostuhl mit der Wirksamkeit eines Medikamentes, das nicht eingenommen wird. Im Lot zu sitzen ist in der ersten Zeit durchaus gewöhnungsbedürftig, denn es hat wenig mit dem in frühester Kindheit gelernten Sitzverhalten zu tun. Dieses unbewusste Sitzen folgt allzu oft der Schwerkraft und mündet im Rundrücken, bei dem das Becken nach hinten kippt und damit zur mechanischen Dauerbelastung wird.

Bewusst richtiges Sitzen am Arbeitsplatz kann durchaus als Erfolgsfaktor im Büro angesehen werden. Das bestätigen Arbeitsmediziner, Arbeitssicherheitsingenieure und –verantwortliche, die aus diesem Grund den engen Erfahrungsaustausch mit Ergonomie-Beratern und Wissenschaftlern suchen. Konsens ist, dass Be-Sitzer eines Bürostuhls nicht erst durch Schmerzen auf ihre jahrelange Fehlhaltung am Arbeitsplatz aufmerksam werden, sondern frühzeitig erfahren, welche Zusammenhänge zwischen dem Sitzverhalten und hochwertigen Sitztechniken von Bürostühlen bestehen.

Die Dauphin HumanDesign Group (DHDG), einer der führenden Komplettanbieter im Büromöbelmarkt, engagiert sich in enger Zusammenarbeit mir Arbeitsmediziner, Arbeitssicherheitsingenieure und –verantwortliche sowie Geschäftsführern in Unternehmen und Organisationen der öffentlichen Hand für die Verankerung eines auf Prävention hin ausgerichteten Gesundheitsmanagements für die Mitarbeiter. Dabei setzt die DHDG mit sehr großem Erfolg das Ergolab ein. Mit diesem können etwa im Rahmen von betrieblichen Gesundheitstagen die Grundlagen des richtigen Sitzens in anschaulicher Weise zu vermitteln.

Von den drei Ergo-Tools "Ergo-Mouse", "Mini-EMG" und "eyeSeat" eignet sich insbesondere die Ergo-Mouse, um die mechanische Entlastung der Wirbelsäule durch eine geeignete Technik und die richtige Stuhleinstellung darzustellen. Mit einer speziellen, etwa handflächengroßen Computermaus wird etwa auf Mitarbeiterveranstaltungen bei jedem Interessierten insgesamt dreimal entlang der Wirbelsäule die Rückenkontur vermessen: Das erste Mal wird die Person im Stehen vermessen, ein weiteres Mal in der für sie üblichen Sitzhaltung mit einem hinsichtlich der Sitzneigung arretierten Bürostuhl. Beide Vermessungskurven werden auf einem Monitor dargestellt. In weit mehr als 90 Prozent der Fälle ist bereits hier zu erkennen, dass die Wirbelsäule in der gewohnten Sitzhaltung maximal belastet wird. Für eine dritte Messung auf einem Bürodrehstuhl mit Syncro-Activ-Balance, also mit einer Sitzneigung von bis zu -12°, durchgeführt. Die letzte Messung belegt, dass so die natürliche Wirbelsäulenkrümmung mit der Doppel-S-Kurve im Hals- und Beckenbereich am besten erreicht wird.

Mit dem Mini-EMG (Elektromyographie) können etwa die Muskelaktivitäten im Bereich der Hals-, Nacken- und Schultermuskeln visualisiert werden. Über Biofeedback-Funktionen kann der Mitarbeiter die Vorteile des dynamischen Sitzens mit Anspannung und Entspannung, Belastung und Entlastung der Muskeln im Wechsel kennen lernen. Abgerundet wird das Tool-Set durch den eyeSeat  einen speziell gestalteten Lernstuhl. Dieser ermöglicht, das Sitzverhalten im Arbeitsalltag langfristig zu beobachten. Über eine spezielle Sensorik wird längeres fehlerhaftes Sitzen erkannt und dem Be-Sitzer via Software-Koppelung direkt an seinem PC-Bildschirm visuell und akustisch signalisiert.

Die Bewusstseinsbildung für das richtige Sitzen am Arbeitsplatz anhand experimenteller Messmethoden wirkt. Das bestätigen Arbeitsmediziner und Arbeitssicherheitsverantwortliche immer wieder. Sie beschreiben, dass diese Veranschaulichung viele Mitarbeiter dauerhaft animiert, ihr Sitzverhalten am Arbeitsplatz zu prüfen und Fehlhaltungen zu vermeiden. Immer wieder berichten die Verantwortlichen in den Organisationen, die den neuen Erkenntnissen der Sitzforschung aufgeschlossen gegenüber stehen, dass die zunächst ungewohnte Sitzhaltung auf einem Stuhl mit negativer Sitzneigung von den Be-Sitzern innerhalb von maximal drei Tagen so adaptiert wird, dass das Sitzen auf einem Stuhl mit geringerer oder gar keine Sitzneigung als unangenehme Einschränkung empfunden wird.

Malte Lenkeit, Ergonomieexperte der
Dauphin HumanDesign Group GmbH & Co. KG


Veröffentlicht:
2010-07-01

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