Bildschirmarbeit
Wie sich das Arbeiten im Büro optimieren lässt
Das Arbeiten im Büro könnte sich in naher Zukunft deutlich verändern. Forschungsinstitute wie Fraunhofer IAO (Fraunhofer-Institut für Arbeitswissenschaft und Organisation) forschen an praxisorientierten Lösungen und kommen dabei zu überraschenden Vorschlägen, wie sich die Büroarbeit effektiver gestalten lässt.
Arbeiten im Büro: Die Bildschirmarbeitsplätze der Zukunft könnten ganz anders aussehen.
Arbeiten im Büro auf dem Prüfstand
Wenn Sie Arbeitsplatzanalysen für das Arbeiten im Büro vornehmen, gibt Ihnen die Bildschirmarbeitsverordnung (BildscharbV) Hinweise für die Beurteilung der Arbeitsbedingungen, zur Gestaltung des täglichen Arbeitsablaufs (wie Pausen) und zur Untersuchung von Augen und Sehvermögen. In der Praxis gibt es nicht den Büroarbeiter oder den Wissensarbeiter, sondern viele verschiedene Ausprägungen hinsichtlich Arbeits-, Technik-, Raum- und Büroumfeld.
Neben einer individuellen Arbeitsplatzanalyse für jeden einzelnen Bildschirmarbeitsplatz ist es deshalb auch wichtig, eine Selbstbewertung durch den einzelnen Wissens- oder Büroarbeiter vornehmen zu lassen. Wie empfindet sie oder er das Arbeiten im Büro?
Forschen für bessere Arbeit im Büro
Das Verbundforschungsprojekt Office 21 hat eine Online-Erhebung „Information-Worker-Check“ mit über 1.200 Teilnehmern durchgeführt. Die Fragen galten insbesondere den Bereichen
- Grundsätzliche Aspekte und Merkmale der Arbeit
- Mobilität und Flexibilität der Arbeit
- technische Ausstattung und deren Nutzung
- Verfügbare System-/Programmfunktionen
- Sicherheit und Datenschutz
- Bewertung der Arbeitsbedingungen
Große Unterschiede bei Wissens- und Büroarbeitern
Bei der Auswertung der Antworten zu diesen Fragenkatalogen wurden unterschiedliche Typen von Büro- und Wissensarbeitern ausfindig gemacht: Fraunhofer IAO konnte in einer Cluster-Analyse der Teilnehmerdaten vier Gruppen ausmachen, die nicht nur andere Bürotechnologien und IT-Anwendungen bevorzugen und benötigen, sondern die sich auch in der ihnen normalerweise zur Verfügung stehenden Ausstattungsvielfalt und -qualität, ihrer Zufriedenheit und nicht zuletzt auch in ihrer Leistungsfähigkeit um teilweise mehr als 20 Prozent unterscheiden.
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Bei diesen Untersuchungen wurden auch Aspekte wie z. B. der Einfluss unterschiedlicher Monitorgrößen, Zeitverluste aufgrund von Suchzeiten oder Medienbrüchen sowie unterschiedliche IT-Funktionen bzw. Technikanwendungen in Bezug auf deren Nutzen für die Arbeit ausgewertet.
BMehr Bildschirme für mehr Effektivität
Das Verbundprojekt Office 21 hat bereits konkrete Lösungsvorschläge für Wissensarbeiter vorgestellt, die das Arbeiten im Büro deutlich verändern könnten. Auf dem Schreibtisch von Beschäftigten, die häufiger digital vorliegende Informationen verarbeiten müssen, könnten bald drei Bildschirme stehen anstatt bisher einem. Dieser Arbeitsplatz mit drei Bildschirmen nennt sich Information Worker's Workplace (IWWP).
Im ersten Moment mag dieses Arbeitsplatz-Szenario erschrecken, denn drei Bildschirme gefüllt mit unterschiedlichen Ansichten und Informationen erinnern an Arbeitsplätze im Börsenbereich, an Kontrollräume in Industrieanlagen oder an Kommandozentralen, die wegen der Vielzahl an gleichzeitigen Informationen eher für eine hohe psychische Belastung stehen. Dennoch haben die Arbeitswissenschaftler handfeste Argumente, dass die drei Bildschirme spezielle Arbeiten im Büro wirklich vereinfachen können.
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So hat das Fraunhofer IAO in einer Labor-Studie mit 67 Versuchsteilnehmern eine Aufgabe an drei Gruppen gestellt: Eine Gruppe arbeitete an einem herkömmlichen Arbeitsplatz mit einem 19-Zoll-Monitor, eine zweite Gruppe hatte einen 22-Zoll-Widescreen-Monitor zur Verfügung, Gruppe 3 hatte den Drei-Bildschirm-Arbeitsplatz mit drei 19-Zoll-Bildschirmen. Die Probanden der dritten Gruppe zeigten bei der Lösung ihrer Aufgabe eine im Schnitt um 35,5 Prozent bessere Leistung als die anderen.
Einstellungen der Bildschirme werden erleichtert
Doch nicht nur die Lösung von Aufgaben wird durch die zusätzlichen Bildschirme erleichtert. Neben den gesteigerten Visualisierungsmöglichkeiten am Schreibtisch bietet der IWWP interessante Möglichkeiten, die Bildschirmarbeitsverordnung im Auge zu behalten. So lassen sich individuelle Arbeitsplatzprofile abspeichern, in denen nicht nur Desktop relevante Einstellungen hinterlegt werden können, sondern auch Elemente der Arbeitsplatzspeicherung wie die Tischhöhe oder der Raumsteuerung, darunter die Lichtverhältnisse.
Der IWWP ist also ein gutes Beispiel, wie sich Arbeitsplätze in Zukunft durch die Informations- und Kommunikationstechnologien weiter entwickeln lassen, nicht nur in Form von Produktivitätssteigerungen, sondern auch durch eine Optimierung der Arbeitsbedingungen am Bildschirmarbeitsplatz.
Oliver Schonschek, Diplom-Physiker und Fachjournalist






