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Aktion "Man sieht sich"

Baumaschinen: Aufklärung über Gefahren ist dringend notwendig

Lebensgefährliche und tödliche Unfälle durch rückwärtsfahrende Baumaschinen, deren Fahrer oftmals keine ausreichende Sicht nach hinten haben, müssen verhindert werden. Rudi Clemens, Projektmanager der Arbeitsgemeinschaft Gesundheit und Qualifikation (Gesunde Bauarbeit), hat jetzt eine Aktion ins Leben gerufen und macht konkrete Vorschläge, wie dies möglich ist.

Mit einem toten Winkel von bis zu 20 Metern bergen Baumaschinen viele Risiken

Mit einem toten Winkel von bis zu 20 Metern bergen Baumaschinen viele Risiken

Die im Interview mit SIFATipp bereits angekündigte Aktion „Man sieht sich“ wendet sich an alle Beteiligten in der Baubranche und könnte ein Vorbild für weitere Aktionen auch in anderen Branchen sein. Der Aufruf der Arbeitsgemeinschaft Netzwerk Gesundheit und Qualifikation (Gesunde Bauarbeit) gilt Politikern ebenso wie dem Polier und dem Arbeiter auf der Baustelle.

Toter Winkel kann den Tod bringen

„Warum werden an Baumaschinen keine technischen Verbesserungen zur Sichtoptimierung eingebaut, wie sie heute an jedem Wohnmobil, Caravan und vielen Pkw Standard sind? Mit Kosten hat das wenig zu tun, wenn man sie serienmäßig anbauen würde“, formuliert Rudi Clemens seine Kritik.

In seinem Interview mit SIFATipp hatte der engagierte Arbeitsschützer bereits auf die Gefahren durch rückwärts fahrende Radlader, Bagger und Walzen hingewiesen. Doch ein Hinweis reicht dem Projektleiter bei INQA-Bauen und Mitglied im Bundesarbeitskreis Sicherheit und Gesundheit in der Arbeitsumwelt bei der IG BAU nicht. Der Geprüfte Baumaschinenführer und Geprüfte Polier, der selbst viele Jahre auf Baustellen gearbeitet hat, will Taten sprechen lassen.

Entsprechen neue Baumaschinen dem Stand der Technik?

Der tote Winkel von bis zu 20 Metern, den man bei Baumaschinen ohne Rückfahrkamera feststellen kann, scheint im Widerspruch zu stehen mit den Vorstellungen, die man von einer sicheren Maschine hat. Der Stand der Technik ist sicherlich ein anderer, wenn man an die von Rudi Clemens zitierten Privatfahrzeuge mit Sichtoptimierung denkt.

Aber genau dieser Stand der Technik wird von den Vorschriften gefordert. Zwar werden durch verschiedene Berufsgenossenschaften Empfehlungen für Kameras und Monitorsysteme in Baumaschinen ausgesprochen oder sogar Zuschüsse für die Anschaffung bezahlt, doch auf eine Verpflichtung zur Anbringung von Rückfahrkameras weist kaum jemand hin. Das soll sich ändern, so die Idee der Aktion „Man sieht sich“.

Maschinenbetreiber oftmals überfordert

Komplizierte Vorschriften und Regelwerke sind für die Betreiber und Bediener der Maschinen kaum noch nachvollziehbar, meist sind sie sogar unbekannt. Die CE-Kennzeichnung wiegt so manchen Unternehmer sogar in Sicherheit, denn meist ist die Notwendigkeit einer individuellen Gefährdungsbeurteilung den Betreibern nicht klar trotz Betriebssicherheitsverordnung und Vorschriften über den Gefahrenbereich einer Baumaschine. Eine entsprechende Aufklärung auf den Baustellen ist also dringend erforderlich.

Jeder sollte in seiner Verantwortung aktiv werden

Rudi Clemens ruft deshalb eine konzertierte Aktion ins Leben. Jeder kann seinen Beitrag leisten, damit bei der Arbeit mit Baumaschinen die Zahl der Unfälle deutlich sinkt. Dazu sind verschiedene Schritte notwendig, so Clemens:

  • eine technische Verbesserung der Baumaschinen
  • die Aufklärung von Fahr- und Bodenpersonal auf der Baustelle
  • die Verpflichtung, eine Persönliche Schutzausrüstung wie Warnwesten dauerhaft zu tragen


Ein Appell an alle Interessengruppen rund um den Bau

Im Rahmen der Aktion „Man sieht sich“ wendet sich der Arbeitsschützer Clemens an alle Interessengruppen, die mit der Bauwirtschaft verbunden sind:

  • die Bauarbeiter, die mit der Aktion erreicht werden sollen, denn aus Betroffenen sollen Beteiligte werden
  • die Berufsgenossenschaften im Bausektor
  • die Medien im Bereich Bau und Arbeitsschutz
  • Arbeitgeberverbände, die ihre Mitglieder aufrufen können, die Maschinen wirklich sicher zu machen
  • Gewerkschaften, die über Mitglieder und Betriebräte auf Betriebsvereinbarungen drängen könnten, die das dauerhafte Tragen von Warnkleidung zum Inhalt haben
  • Betriebsräte, die das Thema in den Arbeitsausschusssitzungen ansprechen können
  •  Arbeitskreise, die über das Thema informieren könnten
  • Lieferanten der Bauwirtschaft, die Warnwesten mit ihrem Logo als Werbemittel verteilen könnten
  • Berufsschullehrer und Ausbilder als Teil des Lehrstoffes
  •  Sicherheitsbeauftragte und Sicherheitsfachkräfte, die die Bauarbeiter in Zukunft gezielt auf die Gefahren ansprechen und entsprechend unterweisen
  • Poliere und erfahrene Kollegen, die den neuen Baumaschinenführern helfen
  • Baumaschinenführer, die sich untereinander austauschen,
  • und Industriekonzerne, die von Fremdfirmen verlangen könnten, nur mit Rückfahrkameras ausgestattete Baumaschinen für den Auftrag einzusetzen


Plakate und neonfarbene Aufkleber sollten durch alle verteilt werden, um die wichtigsten Maßnahmen wirklich bekannt zu machen.

Sind auch Sie dabei?

Leserinnen und Leser, die sich angesprochen fühlen und ebenfalls bei der Aktion mitmachen wollen, können sich melden unter anmeldung@gesunde-bauarbeit.de. Nähere Informationen findet man unter www.gesunde-bauarbeit.de.


Oliver Schonschek, Diplom-Physiker und Fachjournalist

Veröffentlicht:
2008-10-23

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