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Gefährdungsbeurteilung

Vorsicht bei der Lagerung von Recycling-Materialien

Recycling und Abfallverwertung sind wichtig für den Umweltschutz. Doch auch die Perspektive des Arbeitsschutzes darf dabei nicht vergessen werden. So drohen bei der Lagerung von Recycling-Materialien und Abfallstoffen unter Umständen Brand- und Explosionsrisiken, die bei einer Gefährdungsbeurteilung nicht vergessen werden sollten. Unterstützung bieten unter anderem die Ergebnisse einer aktuellen Studie der Bundesanstalt für Materialforschung und -prüfung (BAM).

Recycling und Abfallverwertung sind wichtig für den Umweltschutz. Unterschätzen Sie als Recyclingbetrieb nicht die Brand- und Explosionsgefahr

Recycling und Abfallverwertung sind wichtig für den Umweltschutz. Unterschätzen Sie als Recyclingbetrieb nicht die Brand- und Explosionsgefahr

Anfang April 2010 brannte es in einer niederbayerischen Recycling-Firma, 14 Personen, die sich in der Umgebung aufgehalten hatten, wurden leicht verletzt. Brände in Recycling-Betrieben sind keine Seltenheit.

So nennt die aktuelle Studie „Beurteilung und Verhinderung von Selbstentzündung und Brandgasemission bei der Lagerung von Massenschüttgütern und Deponiestoffen“, herausgegeben von der Bundesanstalt für Materialforschung und -prüfung (BAM), mehr als 50 Brände in Recycling-Zwischenlagern in den Jahren 2003 bis 2007, allein für das Bundesland Sachsen.

Zu den besonderen Risiken bei der Verwertung von Abfall zählt die Selbstentzündung, die bei einem Viertel der über 50 Brände als Ursache identifiziert wurde.

Selbstentzündung bei Lagerung von Recycling-Materialien möglich

Eine Beurteilung der Brandrisiken bei der Lagerung von Recycling-Materialien sollte deshalb auch Teil der Gefährdungsbeurteilung im Sinne des Arbeitsschutzes sein. Oftmals mangelt es jedoch an dem Wissen für eine solche Risikoanalyse zur Selbstentzündung, so der aktuelle Forschungsbericht der BAM.

Eine Gefährdungsanalyse ist auch nicht einfach durch die meist komplexe Zusammensetzung der gemeinsam gelagerten Recycling-Stoffe und die Einflüsse der Umgebung auf die gelagerten Materialien.

Basis für Gefährdungsbeurteilung schaffen

Mit ihren Untersuchungen haben die beteiligten Wissenschaftler nun tiefe Einblicke in den Entzündungsprozess bei der Lagerung von Massenschüttgut und Recycling-Materialien erhalten.

Ihre Experimente galten dabei der Bestimmung der physikalisch-chemischen Eigenschaften der gelagerten Materialien, der thermische Analyse von Lagerungen und der Simulation von Selbstentzündung und Brandverhalten in Deponien und Lagerstätten.

Bei den Laborversuchen wurden unterschiedliche Materialien in wechselnden Verhältnissen und mit verschiedenen Partikelgrößen gemischt, darunter Papier, Pappe, Textilabfälle, gereinigtes und ungereinigtes Plastik und Material aus der mechanisch-biologischen Aufbereitung.

Brandschutzkonzepte für Deponien überdenken

Auf Basis dieser neuen Untersuchungen sollten auch bestehende Brandschutzkonzepte von Deponien und Recycling-Anlagen nochmals überdacht werden, da bislang genaue wissenschaftliche Modelle für die Selbstentzündung in diesen Fällen nicht verfügbar waren.

Unter anderem haben die Forscher festgestellt, dass

  • Gemische von Kunststoffen mit zellulosehaltigen oder faserartigen Stoffen sowie Gemische von Kunststoffen mit an der Reaktion unbeteiligten Stoffen  eine stärkere Selbstentzündungsgefahr als reine Kunststoffe zeigen,
  • auch bei sehr geringen Anteilen brennbarer Stoffe es noch zu gefährlicher Wärmefreisetzung kommen kann und dass
  • bei einer ungleichmäßigen Verteilung der brennbaren Stoffe (brennbare Einschlüsse in nicht-brennbarem Material) eine „Übertragung“ der Zündung zwischen brennbaren Einschlüssen erfolgen kann (zum Beispiel in Lagern für Baumischabfälle).

Der Forschungsbericht besagt zudem, dass mit dem neuen mathematischen Modell Selbstentzündungsprozesse in beliebigen Lageranordnungen vorhergesagt werden können, zweifellos auch eine Hilfe bei der Gefährdungsbeurteilung in Deponien.

So sollen sich mit dem Modell die Haldengeometrien (also in welcher Form der Aufhäufung die Materialien gelagert werden sollten) und die zulässigen Lagerungszeiten bestimmen lassen, so dass sich eine Selbstentzündung vermeiden lässt.

Auch Betriebe aus anderen Branchen sollten sich prüfen

Aber nicht nur Betreiber von Deponien sollten sich mit dem Brandschutz und Arbeitsschutz in Verbindung mit der Lagerung von Recycling-Materialien befassen. Die Checkliste nennt Ausgangspunkte für eine Prüfung der eigenen Situation im Unternehmen.


Oliver Schonschek ist Diplom-Physiker und Fachjournalist

Veröffentlicht:
2010-05-27

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