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Handfeuerlöscher

Wasser, Schaum oder Pulver?

Bei einem Entstehungsbrand zählt jede Sekunde. Wer die ersten Flammen sofort löscht, kann Großbrände mit schweren Folgen verhindern. Deshalb müssen in jeder Arbeitsstätte Handfeuerlöscher vorhanden sein. Wie viele genau, und welches Löschmittel sie enthalten dürfen, hängt von vielen Faktoren ab. Sie sollten sicher sein, dass Ihr Betrieb gemäß den Anforderungen ausgestattet ist. Und könnten Ihre Mitarbeiter im Ernstfall mit dem Gerät umgehen?

Handfeuerlöscher

Handfeuerlöscher

In Ihren Arbeitsräumen gibt es eine Sprinkleranlage? Das ist gut, genügt aber nicht. Denn mit Handfeuerlöschern können kleinere Brandherde bekämpft werden, bevor die Sprinkleranlage überhaupt anspricht.

Entstehungsbrände bekämpfen

In § 4 (3) der Arbeitsstättenverordnung heißt es: Der Arbeitgeber hat Sicherheitseinrichtungen zur Verhütung oder Beseitigung von Gefahren, insbesondere Sicherheitsbeleuchtungen, Feuerlöscheinrichtungen, Signalanlagen, Notaggregate und Notschalter sowie raumlufttechnische Anlagen, in regelmäßigen Abständen sachgerecht warten und auf ihre Funktionsfähigkeit prüfen zu lassen. Sie müssen also für jedes Flämmchen gerüstet sein. Gesetzliche Grundlage ist außerdem die BGR 133 Ausrüstung von Arbeitsstätten mit Feuerlöschern.

Die fünf Brandklassen

Kein Feuerlöscher kann Brände aller Art auf effektive Weise löschen. Entscheidend ist, welche Materialien in Ihrem Betrieb vorwiegend vorhanden sind. Brennbare Stoffe werden nach DIN EN 2 in Brandklassen eingeteilt. Seit Januar 2005 unterscheidet die Norm fünf Klassen. Neu hinzugekommen ist die Brandklasse „F“ für Fettbrände. Zwar gehören diese Brände grundsätzlich zur Brandklasse B (flüssige brennbare Stoffe), aufgrund ihrer besonderen Gefahren und Eigenheiten wurde aber eine eigene Brandklasse geschaffen.

Die fünf Brandklassen im Überblick:

Klasse A: Feste Stoffe wie Holz, Papier, Stroh, Faserstoffe, Kohlen, Autoreifen, Kunststoffe

Klasse B: Flüssige oder flüssig werdende Stoffe wie Paraffin, Wachs, Harz, Öle, Fette, Lacke, Motorkraftstoffe

Klasse C: Gase wie Propan, Wasserstoff, Erdgas

Klasse D: Metalle und deren Legierungen wie Aluminium, Magnesium, Natrium, Kalium

Klasse F: Speisefette und -öle in Kücheneinrichtungen und -geräten

Das geeignete Löschmittel

Die Stoffe, mit denen Sie hauptsächlich zu tun haben, sind ausschlaggebend für die Wahl des richtigen Löschmittels. Dabei spielt auch eine Rolle, ob die zu erwartenden Löschschäden im angemessenen Verhältnis zur Notwendigkeit des Mittels stehen. In einem Bekleidungsgeschäft zum Beispiel genügen Wasserlöscher. Pulver muss bei Brandklasse A nicht sein, und es könnte hier hohe Löschschäden verursachen.

Die gängigen Löschmittel und ihre Eignung:

Wasser: Brandklasse A, bis 1000 V auch für elektrische Geräte

Schaum: Brandklasse A und B

Pulver: meist angeboten als ABC-Pulverlöscher (für die Brandklassen ABC),

Kohlendioxid: Vor allem für elektronisch gesteuerte Geräte (Brandklasse B), wo Pulverlöscher höhere Löschschäden anrichten können. Vorsicht aber beim Einsatz in engen, schlecht belüfteten Räumen.

Für spezielle Einsatzgebiete gibt es außerdem Sonderausführungen. So wurde zur Bekämpfung von Fettbränden in Küchen ein Spezialfeuerlöscher mit einem Flüssiglöschmittel entwickelt, der mit einer Sprühnebeldüse ausgestattet ist.

Wie viele Feuerlöscher pro Betrieb?

Die Anzahl der erforderlichen Handfeuerlöscher richtet sich zunächst nach der Brandgefährdung. Ist sie gering, mittel oder hoch? Das hängt von der Branche, aber auch vom Betriebsbereich ab.

Beispiel Handwerk: Ein Backbetrieb ist stärker gefährdet als eine Gärtnerei.

Beispiel Verwaltung: In einem Büro, das keine Aktenberge enthält, ist das Risiko geringer als in einem Archiv.

Größere Betriebe lassen sich meist nicht einheitlich einer Brandklasse zuordnen. Hier muss die Art und Zahl der nötigen Feuerlöscher für jeden Gefährdungsbereich einzeln bestimmt werden.

Bei der Berechnung müssen Sie noch weitere Daten berücksichtigen, wie die Grundfläche des Betriebs und die Anzahl der Wandhydranten. Entsprechende Tabellen finden Sie in der BGR 133. Einfacher geht es mit einem Feuerlöscher-Rechner, wie ihn zum Beispiel das Institut für Arbeitsmedizin, Sicherheitstechnik und Ergonomie (ASER), Wuppertal, anbietet.

Griffbereit – aber sicher

Im Brandfall muss ein Handfeuerlöscher griffbereit sein. Dass noch mehr dazu gehört, zeigt ein Unfallbericht der Berufsgenossenschaft für den Einzelhandel (BGE): In einer Betriebsküche war die Friteuse in Brand geraten. Der Fett­brandlöscher hing direkt daneben an der Wand. Prima, sollte man meinen. Der Unternehmer konnte den Brand schon löschen, bevor die Feuerwehr eintraf. An den Innenflächen beider Hände hatte er jedoch Verbrennungen 2. Grades. Der Mann hatte sich an der Außenwand des Handfeuer­löschers verbrannt. Sie war durch die Flammen­bildung innerhalb der weniger Minuten glühend heiß geworden.

Der ideale Platz

Der Aufbewahrungsort des Feuer­löschers muss im Brandfall leicht erreichbar und zugänglich sein. Er muss sich aber auch in einem sicherem Abstand zu möglichen Brandherden befinden. Beachten Sie außerdem, dass auch kleinere Personen den Löscher problemlos aus der Halterung nehmen können. Zweckmäßig ist eine Griffhöhe von 80 bis 120 Zentimetern. Kennzeichnen Sie die Plätze, an denen sich Feuerlöscher befinden, deutlich und dauerhaft: Mit dem Brandschutzzeichen F 05 „Feuerlöscher“.

Die Prüfung nicht vergessen

Tragbare Feuerlöscher sind Druckgeräte der Kategorie III. Damit unterliegen sie den Prüfpflichten für überwachungsbedürftige Anlagen nach der Betriebssicherheitsverordnung. Die Prüfung müssen Sie spätestens alle zwei Jahre durch Brandschutz-Fachfirmen vornehmen lassen. Das jeweilige Datum wird auf einer Plakette vermerkt.

Richtig löschen

Im Ernstfall kommt es vor allem auf Schnelligkeit und die richtige Löschtaktik an. Deshalb sollten Sie alle Mitarbeiter mindestens einmal jährlich in der Wirkungsweise und Handhabung von Feuerlöschern unterweisen. Als Grundlage können Sie die Hinweise auf den Innenseiten verwenden.

Diese Punkte gehören in die Unterweisung:

  • Die Gebrauchsanleitung des Löschers beachten.
  • Ist das Löschmittel geeignet?
  • Die Funktionsdauer eines Feuerlöschers beträgt etwa 10 bis 60 Sekunden.
  • Die Reichweite liegt bei 3 - 7 Metern (jeweils abhängig von Größe und Typ).
  • Bei ruhenden brennenden Flüssigkeiten eine Löschwolke über den gesamtem Brandherd legen (nicht mit vollem Strahl auseinander treiben)
  • Bei kleineren Bränden das Löschmittel stoßweise einsetzen und nicht dauernd verspritzen. Besser eine Reserve für den Fall des Wiederentflammens zurückhalten.
  • Nach dem Löschen den Brandherd auf Glutnester kontrollieren, damit sich der Brand nicht neu entwickeln kann.

Personen löschen

Im Ernstfall sollten auch brennende Personen mit Feuerlöschern gelöscht werden. Die BGE empfiehlt, auf den Einsatz von Löschdecken zu verzichten. Denn wer in Flammen steht, läuft meist panisch davon. Da ist es für Helfer schwierig, eine Löschdecke aufzulegen. Und wenn es gelingt, werden beim Andrücken der Decke brennende Stoffteile intensiv auf die Haut gepresst. Das kann schwere Brandverletzungen hervorrufen.

Fazit

Handfeuerlöscher können Ihren Betrieb vor einer Katastrophe schützen, denn sie helfen, entstehende Brände zu bekämpfen. Aber nur, wenn sie an den richtigen Plätzen hängen, das korrekte Löschmittel enthalten – und Ihre Mitarbeiter auch in Panik damit umgehen können. Unterweisen Sie Ihre Belegschaft also regelmäßig.

Ideal wäre eine praktische Übung mit der örtlichen Feuerwehr. Die müssen sie natürlich auch im Ernstfall sofort rufen.

Und: Selbstschutz geht vor Heldentaten. Wenn das Risiko schon unberechenbar ist, sollte der Einsatz Profis überlassen werden.

Autorin: Christine Lendt

Veröffentlicht:
2007-08-30

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