Antimagnetische Feuerlöscher
Wenn Feuerlöscher zu Geschossen werden
Besondere Räume erfordern oft spezielle Brandschutzmaßnahmen. Wo starke Magnetfelder eingesetzt werden, sind antimagnetische Feuerlöscher erforderlich. Manch Unfall in einer Klinik hat schon bestätigt, dass die Anschaffung eine kluge Sache ist.
Antimagnetische Feuerlöscher spielen für den Brandschutz im Krankenhaus eine wichtige Rolle
Die Sauerstoff-Flasche knallt mit voller Wucht gegen das kugelrunde Etwas in der Öffnung des Magnetresonanztomografen. Rote Flüssigkeit und fleischige Stücke spritzen. Als die Ärzte um das Gerät gehen, finden sie das zerschmetterte Ding am Boden. Um den MRT sieht es aus wie in einem Schlachtfeld. Es war nur eine Wassermelone, hätte aber der Kopf eines Patienten sein können. Und die Stahlflasche hätte auch ein Feuerlöscher sein können.
Der Stahlkolben fliegt durch den Raum
Die Szene spielt in einem Lehrfilm der Universitätsklinik Göteborg, der auf die besonderen Unfallgefahren am MRT aufmerksam machen soll, und leider hatte das Drehbuch doch eine reale Vorlage. Im Jahr 2001 wurde bei dem sechsjährigen Michael Colombini eine Kernspinaufnahme gemacht, um festzustellen, ob ein Hirntumor erfolgreich entfernt werden konnte. Dabei klagte der Junge über Atemnot.
Es gab Probleme mit der Sauerstoffversorgung am MRT, und weil die Situation sich zuspitzte, holte ein Mitarbeiter eilig ein autonomes Sauerstoffgerät aus dem Nachbarzimmer. Die Stahlflasche aber war denkbar ungeeignet für den Einsatz in hochmagnetischer Umgebung. Sie flog dem Mediziner im Untersuchungsraum aus der Hand und knallte dem Jungen an den Kopf. So geschah es in einer Klinik im US-Bundesstaat New York. Der tödliche Unfall sorgte auch in Deutschland für Schlagzeilen und Diskussionen bezüglich der Sicherheit am MRT.
Medizinische Technik mit „Nebenwirkungen“
Die Magnetresonanztomografie ist ein diagnostisches Verfahren zur Darstellung von inneren Organen und Gewebestrukturen. Dabei werden starke Magnetfelder erzeugt, zum Beispiel, um Schnittbilder des untersuchten Körpers zu erhalten. Diese Magnetfelder regen bestimmte Atomkerne im menschlichen Körper an, die daraufhin eine Resonanz im Radiowellenbereich aussenden. Das Resonanzbild der Atome ist je nach Gewebe unterschiedlich und wird mittels komplexer Sensoren- und Computertechnik in eine bildlich-räumliche Darstellung umgerechnet.
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Antimagnetische Feuerlöscher sollen Unfälle verhindern
Umso höher die Feldstärke des Tomografen, desto stärker die Anziehung. Wie stark diese Kraft sein kann, unterschätzen mitunter selbst Mitarbeiter der Kliniken. Auch Rollstühle, Gehhilfen und Krankentragen flogen schon an die Geräte, weil Unachtsamkeit im Spiel war. Einer US-amerikanischen Studie zufolge löst jeder der weltweit etwa 20 000 Tomografen alle fünf Jahre einen Unfall aus.
Das erfordert strenge Sicherheitsmaßnahmen und damit auch die Verwendung antimagnetischer Feuerlöscher. „Jedes Großgerät hat seinen eigenen Feuerlöscher“, bestätigt Dr. Frank Fischbach von der Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg. In der Regel schreibt schon der Hersteller vor, dass magnetische Gegenstände nicht in den MRT-Raum mitgenommen werden dürfen und unterbindet damit auch die Verwendung normaler Feuerlöscher.
Ein Vielfaches des Erdmagnetfeldes
Der MRT in Dr. Fischbachs Station ist etwa 20 000 Mal so stark wie das Erdmagnetfeld und ermöglicht auch die direkte Behandlung von Krebstumoren. Wer die Fünf-Meter-Marke vor dem Gerät überschreitet, darf nicht einmal einen Kugelschreiber in der Tasche haben. „Mehr als eine kleine Nadelspitze kann man hier nicht mehr festhalten“, bestätigt der Mediziner.
Antimagnetische Feuerlöscher im Einsatz
Bei Entstehungsbränden ist der Zeitfaktor entscheidend. Auch innerhalb eines MRT-Raumes muss ein Feuerlöscher schnell zur Hand sein, wenn ein Kabel schmurgelt oder Rauch austritt. Antimagnetische Feuerlöscher sind speziell für den Einsatz im Umfeld starker Magnetfelder geeignet. Sie werden aus Aluminium und Edelstahl mit antimagnetischen Substanzen gefertigt. Das bringt höhere Anforderungen mit sich: Aluminium muss aufgrund seiner Materialeigenschaften wesentlich dicker sein als Stahl, um dem hohen Druck in der Flasche stand zu halten. So erklärt sich auch der höhere Kostenfaktor dieser Spezialgeräte.
Als Löschmittel dient bei antimagnetischen Feuerlöschern Kohlendioxid, damit vor allem bei Bränden von flüssigen und flüssig werdenden Stoffen die volle Löschkraft gewährleistet ist (etwa beim Brand von Isolationsmaterial bei Elektroleitungen) und keine Löschrückstände bleiben. Da der Löschmittelstrahl nicht leitend ist, können also Elektroanlagen bis 1000 Volt mit den Geräten gelöscht werden, sofern der Mindestabstand von einem Meter eingehalten wird.






