Flucht- und Rettungswege
Wie sich eine Evakuierung dynamisch steuern lässt
Flucht- und Rettungswege sind entscheidend für die Evakuierung und die Löscharbeiten im Brandfall. Achten Sie deshalb auf eine gute Planung und regelmäßige Kontrolle.
Flucht- und Rettungswege: Nehmen Sie die Evakuierung in den Blick
Denken Sie aber auch an Ausnahmesituationen wie einen Tag der offenen Tür, bei der wesentlich mehr Personen in den Gebäuden sind. Das Projekt Hermes zeigt, wie sich auch die Evakuierung einer großen Personenzahl sicherstellen lässt.
Flucht- und Rettungswege oft vernachlässigt
Notausgänge, Flucht- und Rettungswege erscheinen so manchem Unternehmen als lästiges Übel. Nur zu gern werden Fluchtwege und Rettungswege als Platzreserven gesehen und Notausgänge zugestellt.
Sie brauchen nur einmal durch einen Supermarkt zu gehen, um die abgestellten Kisten vor dem Notausgang vorzufinden, oder aber den Wäschewagen vor der Fluchttüre im Hotel.
Aber wie sieht es eigentlich in Ihrem Unternehmen aus mit den Flucht- und Rettungswegen?
Nehmen Sie die Evakuierung in den Blick
Die Arbeitsstättenverordnung (ArbStättV) nennt mehrere Anforderungen, die bei Fluchtwegen und Notausgängen zu beachten sind.
Dazu gehören
- die richtige, dauerhafte und deutliche Kennzeichnung
- die Einhaltung der erforderlichen Breite und Höhe der Flucht- und Rettungswege sowie der Notausgänge
- der freie Durchgang bei Flucht- und Rettungswegen sowie Notausgängen (keine Hindernisse)
- die Einhaltung der maximalen Länge von Fluchtwegen
- die Führung der Fluchtwege in sichere Bereiche
- das leichte Öffnen von Notausgangstüren
- eine funktionstüchtige Sicherheitsbeleuchtung in den Flucht- und Rettungswegen
- und natürlich auch die Erstellung von Flucht- und Rettungsplänen sowie die entsprechende Unterweisung der Mitarbeiter
Weitere Hinweise liefert Ihnen die Checkliste „Prüfung der Flucht- und Rettungswege“.
Denken Sie auch an Ausnahmesituationen
Bei der Planung der Flucht- und Rettungswege und der vorgesehenen Evakuierungsmaßnahmen im Notfall sollten Sie aber nicht nur an den üblichen Betriebsalltag denken, sondern auch Gäste, externe Mitarbeiter und außergewöhnliche Ereignisse einbeziehen.
Stellen Sie sich vor, Sie haben einen Tag der offenen Tür und bei der Demonstration neuer Produkte kommt es zu einem Brand. In diesem Fall müssen weitaus mehr Personen evakuiert werden als an einem normalen Arbeitstag. Um auch auf solche Risiken vorbereitet zu sein, sollten Ihre Flucht- und Rettungspläne eine dynamische Komponente vorsehen, also Maßnahmen im Sonderfall.
Hermes zeigt den (Flucht-)Weg
Wie ein dynamisches Fluchtweg-Leitsystem aussehen könnte, zeigt der Evakuierungsassistent Hermes.
Das Projekt Hermes, das noch bis Ende Oktober 2011 läuft, reagiert auf die zunehmende Komplexität von Gebäuden, aber auch auf die steigende Besucherzahl bei Großveranstaltungen.
Gedacht ist es zum Beispiel für eine Sport-Arena, einen Bahnhof oder einen Flughafen, aber es zeigt generell die Möglichkeiten auf, wie man in Zukunft auf eine große Anzahl von Personen, die evakuiert werden muss, reagieren kann.
Staus auf dem Fluchtweg ausschließen
Bei großen Menschenansammlungen könnte es im Ernstfall zu einem Stau auf den Flucht- und Rettungswegen kommen, insbesondere auch dann, wenn einer der vorgesehenen Fluchtwege unpassierbar wird und damit ausfällt.
Für eine dynamische Steuerung der Evakuierung wäre es dann wichtig, zum einen die aktuelle Situation auf zu kennen und die tatsächliche Personenanzahl möglichst genau berücksichtigen zu können.
Stauprognosen für Fluchtwege
Wie von einem Verkehrsleitsystem auf den Autobahnen und in den Großstädten bekannt, soll auch der Evakuierungsassistent Hermes Stauprognosen auf den Flucht- und Rettungswegen generieren können.
Dazu finden an verschiedenen Stellen im Gebäudekomplex automatisch Personenzählungen durch eine Bildanalysesoftware statt. Zusätzlich ist der Evakuierungsassistent mit der Brandmeldeanlage gekoppelt, um so auf die aktuellen Gefahrenbereiche reagieren zu können.
Dynamische Flucht- und Rettungswege
Ein Hochleistungsrechner entwickelt dann jeweils auf Basis der Personenanzahl und -verteilung sowie der Verfügbarkeit der Flucht- und Rettungswege eine mögliche Evakuierungsstrategie, die im Ernstfall dann sofort zur Verfügung steht.
Die entsprechenden Daten werden auch den Einsatzkräften bereitgestellt, so dass diese ihr Rettungskonzept anpassen können. Durch entsprechende Simulationen lassen sich auch die Flucht- und Rettungspläne bereits im Vorfeld auf die erhöhte Personendichte anpassen.
Hermes, an dem unter anderem das Forschungszentrum Jülich, die Bergische Universität Wuppertal, die Universitäten Bonn und Köln, das Landesamt für Zentrale Polizeiliche Dienste NRW, das Polizeipräsidium Düsseldorf und die Feuerwehr Düsseldorf beteiligt sind, soll erstmals 2011 in der Arena in Düsseldorf getestet werden.
Ohne Zweifel dürften dabei auch wichtige Erkenntnisse für die Flucht- und Rettungsplanung in Unternehmen erzielt werden.
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Oliver Schonschek, Diplom-Physiker und Fachjournalist







