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Interview

Führungswechsel bei der A+A

Birgit Horn (36) hat am 1. März die Projektleitung für die international führende Fachmesse mit Kongress für Persönlichen Schutz, betriebliche Sicherheit und Gesundheit bei der Arbeit übernommen. Damit ist sie bereits für die diesjährige Veranstaltung zuständig, die vom 3. bis 6. November stattfindet. SIFATipp stellt Frau Horn und ihre Ziele in Sachen A+A vor.

Führungswechsel bei der A+A: Birgit Horn

Führungswechsel bei der A+A: Birgit Horn

SIFATipp: Frau Horn, wann genau war Ihr offizieller Amtsantritt?

Birgit Horn: Der 1. März 2009 war offiziell mein erster Arbeitstag bei der Messe Düsseldorf.

SIFATipp: Sie haben bis Mai 1997 Betriebswirtschaftslehre mit Schwerpunkt Tourismus an der Fachhochschule Heilbronn studiert. Was war dann ausschlaggebend für Ihren Weg zur Top-Eventexpertin?

Birgit Horn: Schon im Studium waren zwei Praktika entscheidend für den Berufseinstieg. Das erste absolvierte ich im Congress Center Karlsruhe, das zweite in einer Hamburger Eventagentur. Letztere organisierte eine Veranstaltung für die Messe Hamburg, wodurch auch der direkte Einstieg ins Messegeschäft gegeben war. Einen wesentlichen Impuls gab schließlich die Begeisterung der Menschen bei den einzelnen Veranstaltungen.

SIFATipp: Sie sind seit neun Jahren Vertriebsleiterin von DüsseldorfCongress und haben dort den Ausbau der Strukturen voran getrieben: Das Unternehmen ist mittlerweile einer der größten Location-Anbieter in Europa und managt neben den Kongresszentren auf dem Messegelände sechs weitere Veranstaltungsorte in Düsseldorf. Mit dem Wechsel an die Führungsspitze der A+A kommen neue Erwartungen auf Sie zu. Worin sehen Sie Ihre größte Herausforderung?

Birgit Horn: Die A+A ist eine Weltleitmesse, deren Marktposition es weiter zu festigen und auszubauen gilt. Gerade vor dem Hintergrund der aktuellen wirtschaftlichen Situation werden wir durch innovative Themen und mit bestehenden und neuen Partnern die Veranstaltung inhaltlich weiterentwickeln. Für mich bedeutet das, eine neue Branche schnell kennenzulernen und direkt in die schon laufende Planung einzusteigen.

SIFATipp: Was motiviert Sie dabei am meisten?

Birgit Horn: Wir haben bereits in den vergangenen Monaten mit der Einarbeitung in die A+A begonnen. Die Geschäftspartner, die ich bis jetzt kennenlernen konnte, haben durch ihr Engagement und ihre Branchenkenntnis das Standing der Messe deutlich unterstrichen. Die positive Aufnahme in der Branche ist für mich höchst motivierend. Ich freue mich auf die neue Aufgabe! Generell reizen mich neue Themen, die den Horizont erweitern. Und natürlich die Zusammenarbeit in effektiven und zielgerichteten Branchen-Partnerschaften. Wichtig ist aber auch, dass es Entwicklungspotenziale gibt, die erschlossen werden können.

SIFATipp: Die letzte A+A im Jahr 2007 brachte es auf ein Spitzenresultat von 55 200 Fachbesuchern und 1 460 Ausstellern. Wie ist Ihre Einschätzung für die kommende Veranstaltung?

Birgit Horn: Die A+A weist ein hohes Maß an Stamm-Ausstellern auf. Diese Aussteller beteiligen sich schon seit Jahren an der Veranstaltung – unabhängig vom jeweiligen Konjunkturverlauf. Die Spitzenwerte der A+A 2007 erneut zu erreichen, mutet auf Basis der aktuellen Marktlage sehr ambitioniert an. Immerhin zeichnet sich schon jetzt ab: In jedem Themenbereich der A+A zeigen die wichtigen Markt- und Innovationsführer Flagge.

Was die Besucherseite betrifft, kann das Motto nur lauten „Jetzt erst recht!“. Denn jeder Sicherheitsexperte weiß: Investitionen in sichere und gesunde Arbeit rechnen sich immer, unabhängig von der Konjunktur. Sie helfen, die Produktivität zu steigern und Fehlzeiten zu verringern.

SIFATipp: Weltweit wächst die Erkenntnis, dass Produktivitätssteigerung und unternehmerischer Erfolg unmittelbar mit Arbeitsschutz verbunden ist. Können Sie diese Einschätzung bestätigen?

Birgit Horn: Eine Studie der Internationalen Arbeitsorganisation ILO und des damaligen Hauptverbandes der Berufsgenossenschaften (heute: DGUV) teilt nicht nur diese Einschätzung, sondern erweitert diese Erkenntnis noch: Demnach mindern Länder ihre Wettbewerbsfähigkeit sogar, wenn sie den Arbeitsschutz vernachlässigen: Eine niedrige Zahl an Arbeitsunfällen geht mit einer hohen Wettbewerbsfähigkeit der jeweiligen Nationen einher. Staaten mit einem hohen Stand in Sachen Arbeitsschutz gehören der Studie zufolge zu den wettbewerbsfähigsten Volkswirtschaften.

SIFATipp: Welche Entwicklungen halten Sie dabei für besonders richtungsweisend?

Birgit Horn: Generell ist feststellbar, dass der Arbeitsschutz nicht mehr nur als Kosten- und „Wohlfühl“-faktor gewertet wird. Auf Basis der Fehlzeiten in Folge von arbeitsbedingten Krankheiten und Unfällen lassen sich die wirtschaftlichen Folgen genau quantifizieren. Und die Unternehmen gehen verstärkt noch einen Schritt weiter: Sie trennen nicht mehr zwischen beruflich und privat bedingten Krankheiten. Im Rahmen des Aufbaus eines betrieblichen Gesundheitsmanagements rückt die Prävention zunehmend in den Fokus - und damit die Verringerung der Fehlzeiten durch gesünderen Lebenswandel und bessere Arbeitsbedingungen.

SIFATipp: Das Kernthema der A+A ist der persönliche Schutz: Keine Branche kommt ohne PSA aus. Was sind besondere Schwerpunkte der diesjährigen Veranstaltung?

Birgit Horn: Arbeitsschutz geht alle an. Demnach setzen wir thematische Schwerpunkte branchenunabhängig. Neu ins Programm aufgenommen wurde der „Innovationspark Gefahrstoffe“. Auf einer Sonderfläche werden neue Produkte, Konzepte und Dienstleistungsangebote zum Thema Gefahrstoffe die Besucher auf den aktuellen Stand bringen.

Beispiele für praktizierten Arbeitsschutz in Unternehmen verschiedener Branchen finden die Messebesucher im A+A Forum. Auch der Werkfeuerwehrverband zeigt wieder Flagge, und erstmals wird sich das THW an der A+A und dem begleitenden Kongress beteiligen. Leider wachsen in der heutigen Zeit die Bedrohungen auch für Unternehmen und deren Mitarbeiter, sei es durch Epidemien, Naturereignisse oder kriminelle Energien. Für den Schutz von Mensch und Betrieb ist es wichtig, dass alle Beteiligten Institutionen für den Notfall aufeinander eingestimmt sind und schnellstens gemeinsam agieren können.

SIFATipp: Modische Schlagworte wie „Corporate Fashion Identity“ und „Image Wear“ fallen immer öfter im Zusammenhang mit PSA. Im Rahmen der A+A 2009 gibt es die „Corporate Fashion Show“. Spielt der Zusammenhang von Trageakzeptanz und Attraktivität tatsächlich so eine große Rolle?

Birgit Horn: Der Zusammenhang von Mode und Funktion zeigt sich schon allein in der Entwicklung der A+A. Früher wurden Persönliche Schutzausrüstungen und Berufsbekleidung völlig getrennt voneinander betrachtet. Mode für den Beruf spielte im Rahmen der A+A eine untergeordnete Rolle. Heute ist die A+A weltweit eine der wichtigsten Messen für Corporate Fashion und Work Wear, weil modischen Aspekten und Schutzfunktionen gleichermaßen Bedeutung zukommt. Es gilt der Grundsatz „Die teuerste Schutzbekleidung und -ausrüstung ist die, die nicht getragen und genutzt wird!“ Hoher Tragekomfort und Trend-Look steigern gleichermaßen die Akzeptanz.

SIFATipp: Die Notwendigkeit einer sicheren, gesunden und menschengerechten Gestaltung der Arbeit wird in vielen Unternehmen gesehen. Praktikable Lösungen aber vermisst man häufig. Woran mangelt es nach Ihrer Einschätzung in der betrieblichen Praxis?

Birgit Horn: Grundsätzlich stimmt der Trend. Die Statistiken zu Arbeitsunfällen und berufsbedingten Krankheiten lassen auf einen hohen Stand des Arbeitsschutzes in Deutschland schließen. Ungeachtet dessen versuchen Veranstaltungen wie der A+A Kongress zu vermitteln, dass Arbeitsschutz mehr darstellt, als die Summe von Einzelmaßnahmen. Das fängt bei der Schutzbekleidung an und geht bis zur konzeptionellen Umsetzung einer Arbeitsschutzstrategie.
Die Jacke mit besten Schutzfunktionen bleibt wirkungslos, wenn dazu eine Schutzhose getragen wird, die nicht der Tätigkeit nicht entspricht. Und bezogen auf die Arbeitsschutz-Strategie geht es um mehr Nachhaltigkeit und eine ganzheitliche Betrachtungsweise. Das beinhaltet ein schlüssiges betriebliches Gesundheitsmanagement. Es nützt zum Beispiel gar nichts, wenn Maßnahmen des Arbeitsschutzes oder der Vermeidung von berufsbedingten Krankheiten verpuffen, weil der Arbeitnehmer auf Grund einer ungesunden Lebensweise trotzdem oft krankheitsbedingt fehlt. Hier setzen präventive Maßnahmen der Gesundheitsförderung an, etwa das Angebot von Sportkursen oder Ernährungsberatung.

Mehr über die A+A

Das Interview führte Christine Lendt, Fachautorin

 

Veröffentlicht:
2009-03-05

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