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Ganzheitliche Gefährdungsbeurteilung

Psychosoziale Belastungen bei der Gefährdungsbeurteilung berücksichtigen

Eine Gefährdungsbeurteilung ist die Grundlage für einen wirksamen Arbeitsschutz. Eine „normale“ Gefährdungsbeurteilung ist jedoch nicht immer ausreichend zur Unfallverhütung, der Meinung ist zumindest die SICK AG. Der Konzern führt in Pilotbereichen eine zusätzliche „Ganzheitliche Gefährdungsbeurteilung“ durch, die auch psychosoziale Belastungen am Arbeitsplatz berücksichtigt.

Psychosoziale Belastungen bei der Gefährdungsbeurteilung berücksichtigen

Psychosoziale Belastungen bei der Gefährdungsbeurteilung berücksichtigen

Arbeitsplätze, Arbeitsbedingungen und Arbeitsansprüche verändern sich im Laufe der Zeit. Konsequenterweise müssen auch Gefährdungsbeurteilungen entsprechend angepasst werden. Die Europäische Agentur für Sicherheit und Gesundheitsschutz am Arbeitsplatz (EU-OSHA) startete im Sommer 2008 eine europaweite Kampagne,  die praktische Lösungen im Bereich Gefährdungsbeurteilungen publik macht. Einer der Teilnehmer ist die SICK AG, Hersteller von Sensoren für industrielle Anwendungen in der Automatisierungstechnik.

Verantwortliche des Unternehmens erkannten, dass die “klassische“ Gefährdungsbeurteilung (GB) die psychosozialen Belastungen am Arbeitsplatz nicht ausreichend berücksichtigt. Der Sensortechnologie-Hersteller führt daher seit 2005 im Bereich Entwicklung zusätzlich eine „Ganzheitliche Gefährdungsbeurteilung“ (GGB) durch, die dieses Defizit ausgleichen soll. GB und GGB ergänzen sich und sorgen damit für einen optimalen Mitarbeiterschutz. 

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Probleme erkennen

Vor der Lösung steht zunächst einmal die Analyse des Problems. Im Rahmen der Ganzheitlichen Gefährdungsbeurteilung wurden im Unternehmen die Arbeitsbedingungen sowie die psychosozialen Belastungen unter die Lupe genommen. Mittels Fragebogen, Tagebuch, Interviews und Beobachtungen wurden dann folgende Belastungen und Gefährdungen ermittelt: 

  • Platzmangel
  • Lärmbelästigung durch Gespräche im Büro
  • Überlastung und Zeitdruck durch extreme Arbeitsmenge sowie Wechsel zwischen Arbeitsaufgaben und -plätzen (Parallelmanagement)

Alle ermittelten Probleme schaden sowohl der Arbeitsqualität als auch der allgemeinen Stimmung. Frust und Unzufriedenheit wiederum beeinflussen die Arbeitsleistung, Fehler häufen sich, der Zeitdruck nimmt zu. Kurz: Eine Situation, über die sich kein Arbeitgeber freut.  

In Workshops wurden die ermittelten Gefährdungen analysiert und entsprechende Lösungsmaßnahmen ergriffen:

Arbeitsmenge, Zeitdruck und Parallelmanagement

Zunächst einmal entschloss man sich, bestimmte Arbeitsbereiche, die vorher zusammengefasst waren, zu trennen. So soll gewährleistet werden, dass alle Bereiche genügend Aufmerksamkeit erhalten. Um die Arbeitsmenge zu reduzieren, wurden einige Projekte zurückgestellt. Zusätzliches Personal sorgt für eine weitere Entlastung der Projektmitarbeiter.  

Platzmangel

Hier ist man in der SICK AG ganz praktisch vorgegangen – das Platzangebot wurde durch einen Anbau vergrößert. Das Besondere: Die Mitarbeiter wurden in die  Planung und Gestaltung der neuen Arbeitsbereiche miteinbezogen. Als weitere Maßnahme wurde der Arbeitsbereich sorgfältig entrümpelt und „Platzschlucker“ verbannt.

Lärmbelästigung durch Gespräche

Das Arbeiten in einem Großraumbüro ist nicht einfach, die ständige Geräuschkulisse kann Nerven und Konzentration arg strapazieren. Bei dem Sensoren-Hersteller  reagierte man auf diese Problematik mit dem Einziehen von Trennwänden. Zusätzlich wurde eine zweistündige allgemeine Ruhezeit eingeführt, in der man möglichst auf jegliche Gespräche mit den Kollegen verzichten sollte.
 

Was hat die GGB gebracht?

Eine Mitarbeiterbefragung im Konzern ergab, dass in allen ermittelten Belastungen eine deutliche Besserung zu verzeichnen ist. Die größten Erfolge erzielte man in den Gefährdungsbereichen Platzmangel und Lärm, weniger deutlich fielen die Ergebnisse für die Bereiche Arbeitsmenge, Zeitdruck und Parallelmanagement aus.


Fazit

Es gibt nicht DIE Gefährdungsbeurteilung schlechthin. Oft muss man über den eigenen Tellerrand blicken, um wirklich alle Gefährdungen zu erkennen, die sich negativ auf Arbeitsleistung und –sicherheit auswirken können. Nur so kann sich die Arbeitssituation für alle langfristig verbessern. Vorgesetzte und Arbeitgeber alleine sind mit dieser Aufgabe oft überfordert. Daher ist es wichtig, dass die Mitarbeiter motiviert werden, über Probleme und Mängel am Arbeitsplatz offen zu reden. Ideal wäre es, wenn man Lösungen dann gemeinsam ermittelt -  schließlich geht Arbeitsschutz alle an.

Mehr über psychische Belastungen am Arbeitsplatz


Petra Dietz, freiberufliche Journalistin

Veröffentlicht:
2009-03-04

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