Document Actions

Gefährdungsbeurteilung

So werden Mitarbeiter zu Experten ihrer eigenen Gesundheit!

Oft erkennen Mitarbeiter die Bedeutung des betrieblichen Gesundheitsmanagements nicht und negieren psychische Belastungen so lange, bis es zur Erkrankung kommt. Bei einer Gefährdungsbeurteilung sollten deshalb nicht nur psychische Belastungen am Arbeitsplatz einbezogen werden, sondern auch die Mitarbeiter selbst. Das Projekt PARGEMA (Partizipatives Gesundheitsmanagement) zeigt, wie es geht.

Das Projekt PARGEMA hat sich damit beschäftigt, wie man die Mitarbeiter und die Führungskräfte sinnvoll in die Gefährdungsbeurteilung und in das Gesundheitsmanagement einbindet.

Das Projekt PARGEMA hat sich damit beschäftigt, wie man die Mitarbeiter und die Führungskräfte sinnvoll in die Gefährdungsbeurteilung und in das Gesundheitsmanagement einbindet.

Die Betriebsrätebefragung 2008/09 zu Innovationsfähigkeit, Arbeitsbedingungen und Gesundheit im Betrieb des Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Instituts (WSI) in der Hans-Böckler-Stiftung zeigt deutlichen Handlungsbedarf:

- In 84 Prozent der Betriebe gibt es Mitarbeiter, die ständig unter hohem Zeit- und Leistungsdruck arbeiten.

- Betroffen sind in diesen Unternehmen nicht nur einzelne Beschäftigte mit speziellen Aufgaben, sondern mit durchschnittlich 43 Prozent große Teile der Belegschaft, vor allem mittlere Angestellte mit Fachausbildung.

- Als Gründe für den Arbeitsdruck werden am häufigsten genannt: enge Personaldecke (84%), hohe Eigenverantwortlichkeit (79%), Abhängigkeit von Kundenvorgaben (75%) und das Vorgesetztenverhalten (63%).

- Die psychischen Belastungen haben in den vergangenen drei Jahren zugenommen, sagen 79 Prozent der Betriebsräte.

Gesundheitliche Konsequenzen bleiben nicht aus

Zahlreiche Untersuchungen belegen, dass die Arbeitsüberlastung deutliche Auswirkungen auf die Gesundheit haben:

  • So ist der Anteil der Fehltage aufgrund psychischer Erkrankungen erneut gestiegen (DAK Gesundheitsreport 2009).
  • der Anteil der psychischen Störungen am Krankenstand hat sich in den letzten 25 Jahren vervierfacht.
  • Ein Anstieg der Produktionsausfälle aufgrund psychischer Belastung lässt sich ebenfalls beobachten.
  • Psychische Störungen verursachen inzwischen die meisten Krankenhaustage.  

Psychische Gefährdungen werden kaum berücksichtigt

Trotzdem steht es um die Gefährdungsbeurteilung und insbesondere um die Berücksichtigung der psychischen Belastungen in den Betrieben nicht gut, wie die WSI- Betriebsrätebefragung 2008/09 ebenfalls zeigt:

  • Gefährdungsbeurteilungen nach dem Arbeitsschutzgesetz werden nur von einer Minderheit der Betriebe (46%) durchgeführt.
  • Aus dieser Teilgruppe berücksichtigen nur 29% der Betriebe auch psychische Belastungen.
  • Also haben nur 16% aller befragten Betriebe in ihren Gefährdungsbeurteilungen auch psychische Arbeitsbelastungen berücksichtigt.

Mitarbeiter und Führungskräfte für den Gesundheitsschutz gewinnen

Das Projekt PARGEMA (Partizipatives Gesundheitsmanagement) hat sich unter anderem damit beschäftigt, wie Mitarbeiter zum Thema Gesundheitsschutz stehen, wie sie mit den psychischen Belastungen umgehen und wie man die Mitarbeiter und die Führungskräfte sinnvoll in die Gefährdungsbeurteilung, in die Suche nach Gegenmaßnahmen und in das Gesundheitsmanagement einbindet. Tatsächlich sehen viele Mitarbeiter noch nicht die Bedeutung des betrieblichen Gesundheitsschutzes und negieren die psychischen Belastungen, bis es dann zu einer Erkrankung kommt:

  • So sehen die Mitarbeiter Gesundheitsvorsorge vorwiegend als ihre Privatsache an.
  • Betriebliche Angebote wie Anti-Stress-Seminare haben mitunter Akzeptanzprobleme.
  • Maßnahmen der Gesundheitsförderung wie gesunde Ernährung und Sport werden nicht als Mittel gegen die empfundene Arbeitsbelastung gesehen.
  • Ausgleich wird eher außerhalb der Erwerbstätigkeit gesucht.
  • Von einer echten Gesundheitskultur in den Betrieben kann man noch nicht sprechen.

     

Empfehlung: Mitarbeiter auch im Gesundheitsschutz stärker einbinden

Deshalb reicht es nicht, wenn bei den Gefährdungsbeurteilungen auch die psychischen Belastungen einbezogen werden, da dieses Instrument des Arbeits- und Gesundheitsschutzes in vielen Betrieben „von Experten für Experten“ genutzt wird. Vielmehr sollten die Mitarbeiter selbst Experten ihrer eigenen Gesundheit werden. Dazu empfiehlt das Projekt PARGEMA eine Innovationsspirale im Gesundheitsmanagement:

  • Bei der Identifikation von Gefährdungen und möglichen gesundheitsfördernden Maßnahmen werden die Beschäftigten unmittelbar als „Experten in eigener Sache“ in das betriebliche Gesundheitsmanagement einbezogen.

  • Auf der Basis der Gefährdungs- und Potenzialanalysen unter Beteiligung von Experten, Führungskräften und Beschäftigten werden Anforderungen abgeleitet und Maßnahmen entwickelt.

  • Es erfolgt dann die Umsetzung in konkrete Maßnahmen.

  • Von großer Bedeutung ist die danach folgende (Selbst-)Prüfung von Wirkung und Nachhaltigkeit, weil hier von allen Beteiligten die Verbesserungen überprüft und Ausgangsprobleme definiert werden, die dann wiederum den Analyse-, Beurteilungs- und Gestaltungsbedarf des nächsten Zyklus bestimmen.

Wie dies konkret in der betrieblichen Praxis aussehen kann, zeigt Ihnen diese Checkliste zum betrieblichen Gesundheitsmanagement. Durch die entsprechende Einbindung der Mitarbeiter kann eine neue Art von Unternehmenszielen gefunden werden, bei denen Ertrag und Gesundheit gleichermaßen Berücksichtigung finden.

        Oliver Schonschek ist Diplom-Physiker und Fachjournalist
        Veröffentlicht:
        2010-08-25

        Diesen Artikel bookmarken bei...
        Mister Wong del.icio.us Folkd Furl Google Linkarena oneview Yahoo MyWeb BlinkList YiGG Webnews

        Vorteile für registrierte Nutzer
        Als registrierter Benutzer von SIFATipp profitieren Sie von vielen Vorteilen:
        • Vorlagen, Checklisten, Arbeitsmitteldatenblätter zum Download
        • uneingeschränkte Nutzung des Bilderpools
        • Teilnahmemöglichkeit an Gewinnspielen
        • Vollen Zugriff auf die Rechtsvorschriften

        Die Registrierung dauert nur einen Moment und Sie können im Anschluss sofort alle Vorteile nutzen.

        jetzt registrieren…