TRBS 2131
Was Sie bei der Beurteilung elektrischer Gefährdungen beachten sollten
Bei elektrotechnischen Arbeiten müssen Sie mit einer Reihe von elektrischen Gefährdungen rechnen, die vor Aufnahme der Arbeiten zu ermitteln und zu bewerten sind, um passende Schutzmaßnahmen einzuleiten. Die Technische Regel Betriebssicherheit 2131 „Elektrische Gefährdungen“ (TRBS 2131) unterstützt Sie bei der Gefährdungsbeurteilung und konkretisiert dabei die Betriebssicherheitsverordnung.
Die TRBS 2131 „Elektrische Gefährdungen“ unterstützt Sie bei der Gefährdungsbeurteilung und konkretisiert die Betriebssicherheitsverordnung.
Doch im Gegensatz zur bisherigen BGV A3 ist die TRBS 2131 in der täglichen Praxis noch nicht überall angekommen.
TRBS 2131 als große Unbekannte?
Seit 2002 ist die Betriebssicherheitsverordnung gemeinsam mit dem Arbeitsschutzgesetz Maßstab für die Ermittlung und Bewertung von Gefährdungen durch den Arbeitgeber (§3 BetrSichV, §5 ArbSchG). Mit der Technischen Regel Betriebssicherheit 2131 „Elektrische Gefährdungen“ (TRBS 2131) stehen seit November 2007 zudem spezielle, auf elektrotechnische Arbeiten zugespitze Hinweise zur Gefährdungsbeurteilung zur Verfügung.
Obwohl bereits mehr als zwei Jahre ins Land gegangen sind, hat die TRBS 2131 noch nicht überall ihren Platz im betrieblichen Alltag gefunden. Die BGV A3 „Elektrische Anlagen und Betriebsmittel“ ´hingegen hat sich in den letzten 30 Jahren in der Praxis deutlich bewährt.
BGV A3 birgt Erfahrungsschatz
Deshalb stellt sich die Frage, warum denn die BGV A3 überhaupt abgelöst werden muss. Grundlage hierfür ist die Bestrebung des Gesetzgebers nach Vereinfachung des Rechts, unter anderem in Form der Betriebssicherheitsverordnung, und die Betonung der Wichtigkeit von Gefährdungsbeurteilungen durch den Arbeitgeber. Unfallverhütung bedeutet in diesem Sinne nicht nur die Beachtung vordefinierter Maßnahmenpakete für die Arbeitssicherheit, sondern insbesondere die Prüfung und Bewertung jeweils vergleichbarer Arbeitsplätze und Arbeitsverfahren durch den Arbeitgeber im konkreten Fall.
Allerdings sieht die Vermeidung elektrischer Gefährdungen nach Einführung der TRBS 2131 nicht völlig anders aus. Vielmehr bleibt die seit 30 Jahren erfolgreich praktizierte BGV A3 „Elektrische Anlagen und Betriebsmittel“ ein wichtiger Erfahrungsschatz für die Praxis.
Elektrische Gefährdungen betrachten
Mit der TRBS 2131 kommen jedoch einige neue Begriffsdefinitionen, einige Begriffe aus der BGV A3 hingegen werden nicht mehr definiert (z.B. Elektrofachkraft). Neu ist der Begriff der elektrischen Gefährdung. Dieser wird definiert als die Möglichkeit eines Schadens oder einer gesundheitlichen Beeinträchtigung durch das Vorhandensein elektrischer Energie in einer Anlage oder einem Betriebsmittel.
Einen solchen Schaden oder eine gesundheitliche Beeinträchtigung hält die TRBS 2131 immer dann für möglich, wenn die Spannung zwischen einem aktiven Teil und Erde oder die Spannung zwischen aktiven Teilen höher als 25 V (AC) oder 60 V (DC), der mögliche Kurzschluss-Strom an der Arbeitsstelle größer 3 mA (AC) oder 12 mA (DC) ist oder die elektrische Energie mehr als 350 mJ beträgt und aktive Teile direkt berührt oder unterschiedliche Potenziale überbrückt werden könnten.
Dabei sind auch die Fälle zu betrachten, bei denen die genannten Grenzwerte erst im Fehlerfall überschritten werden. Als konkrete elektrische Gefahrenquellen werden genannt elektrischer Schlag, Störlichtbogen, elektrische, magnetische und elektromagnetische Felder sowie die statische Elektrizität.
Elektrische Gefährdungen am Arbeitsplatz aufspüren
Die genannten elektrischen Gefährdungen werden in der TRBS 2131 näher erläutert, so dass es im konkreten Fall einfacher wird, auf diese Gefahrenquellen zu schließen. Zudem werden Beispiele, die in der Praxis häufig anzutreffen sind, mit möglichen Schutzmaßnahmen genannt, wie das Risiko
- für einen elektrischen Schlag oder Störlichtbogen bei Arbeiten an aktiven Teilen, Arbeiten in der Nähe von aktiven Teilen, Benutzen von elektrischen Arbeitsmitteln auf Bau- und Montagestellen und Benutzen von Elektroschweißgeräten,
- durch von einem Arbeitsmittel erzeugte elektrische, magnetische oder elektromagnetische Felder, die den zulässigen Grenzwert überschreiten, zum Beispiel bei Induktiven Erwärmungsanlagen, Dielektrischen Erwärmungsanlagen, Widerstandschweißeinrichtungen, Hochfrequenzsendeanlagen, Anlagen der Energieübertragung und -verteilung, Hochstromprüfanlagen und Technischen Anlagen in medizinischen Bereichen,
- durch statische Elektrizität, wenn die Entladung über den menschlichen Körper einen elektrischen Schlag verursacht, wie dies zum Beispiel bei der Folienherstellung und -verarbeitung oder bei der Fertigung von Großbauteilen mit isolierenden Materialien möglich ist.
Ziel: Sensibilisierung für elektrische Gefährdungen
Dabei liefert die TRBS 2131 konkrete Hinweise, wie die jeweils behandelten Gefährdungen zu ermitteln, zu bewerten und zu verhindern sind. Alle möglichen und denkbaren Gefährdungen bei elektrotechnischen Arbeiten werden und können jedoch nicht im Detail in der TRBS 2131 behandelt werden.
Vielmehr soll der Prozess der Gefährdungsbeurteilung auch bei elektrotechnischen Arbeiten damit stärker angestoßen und ins Bewusstsein gerufen werden. Im konkreten Einzelfall wird dann auch die bewährte BGV A3 hilfreich sein, um erkannte Gefährdungen ausschließen zu können.
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Oliver Schonschek ist Diplom-Physiker und Fachjournalist





