Chemikalienschutzhandschuhe
Die meisten sind falsch beraten
Beim Umgang mit Gefahrstoffen werden oft die falschen Schutzhandschuhe getragen: Die besonderen Eigenschaften von Chemikalien machen manche Schutzwirkung zunichte. Für die richtige Auswahl wurden bei einem Projekt der ArbeitsschutzPartnerschaft praxisnahe Handlungsanweisungen entwickelt.
Leider beraten die Händler oft falsch und bieten nicht die richtigen Chemikalienschutzhandschuhe an.
Gut gemeint, das Ziel verfehlt: In der Praxis werden bei Tätigkeiten mit Chemikalien zwar meistens Schutzhandschuhe eingesetzt - aber eben keine Chemikalienschutzhandschuhe. So wähnen die Beschäftigten ihre Haut in bester Sicherheit, obwohl das Gegenteil der Fall ist. Gefahrstoffe dringen durch das Handschuhmaterial. Die Folge ist ständiger Hautkontakt, also genau das, was eigentlich vermieden werden sollte.
Die Risiken spezieller Gefahrstoffe
Angesichts der Vielzahl der Gefahrstoffe fällt den Betrieben die Auswahl geeigneter und praktikabler Chemikalienschutzhandschuhe schwer, zumal auch oft Lösemittelgemische verwendet werden. Was viele nicht wissen: Es gibt keinen Chemikalienschutzhandschuh, der dauerhaft und vor allen Gefahrstoffen schützt.
Die Experten des Amts für Arbeitsschutz Hamburg erleben bei ihrer Aufsichttätigkeit häufig, dass normale Gummihandschuhe statt eines Chemikalienschutzhandschuhs verwendet werden, oder dass zwar der richtige Schutz getragen, die Tätigkeit aber zu lange ausgeübt wird. Ziel des Projekts im Rahmen des Hamburger Bündnisses war deshalb, Konzepte zu erarbeiteten, die auf die besonderen Bedingungen bestimmter Betriebe zugeschnitten sind. Dabei konzentrierte man sich auf die stark betroffenen Branchen Autolackierer und Seeschifffahrt und besichtigte ausgewählte Unternehmen.
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Lackierereien, Reedereien und Betankungsfirmen
Bei den Autolackieren gab es jeweils eine Erhebung der verwendeten Lösemittel, der Arbeitsabläufe und der vorhandenen Schutzhandschuhe. Nach stofflichen Recherchen und eine Kategorisierung der Gefahrstoffe (in diesem Fall Lacke), wurden schließlich die „richtigen“ Chemikalienschutzhandschuhe mit den Herstellern erarbeitet und eine Arbeitshilfe für die optimale Auswahl erstellt.
Ähnlich sah die Projektarbeit beim Schwerpunkt Seeschifffahrt aus. Für den unmittelbaren Eindruck ging man an Bord, besuchte Reedereien und Schiffs-Betankungsbetriebe. Ein Teil der Erhebungen konzentrierte sich auf die Arbeitsbedingungen beim Tragen von Schutzhandschuhen in Maschinenräumen. Auf diese Weise wurden die richtigen Chemikalienschutzhandschuhe beim Arbeiten mit Mineralölen ermittelt, unter der Berücksichtigung von Tragezeiten und -komfort.
„Händler bieten oft falsche Schutzhandschuhe an“
Da bestand offenbar dringender Handlungsbedarf: Die Experten der ArbeitsschutzPartnerschaft stellten fest, dass in den untersuchten Branchen nur selten mit adäquaten Chemikalienschutzhandschuhen gearbeitet wird - und wenn, dann meist gleich tage- oder wochenlang. Die Betriebe sind oft schlecht informiert und benutzen häufig Handschuhe, die für die verwendeten Gefahrstoffe gar nicht geeignet sind. Selbst die Händler (Lack- und Lösemittelhändler sowie andere Zuliefer-Betriebe), berichten die Projektpartner, kennen sich oft nicht aus und bieten den Betrieben falsche Handschuhe an. Die Schiffsbesatzungen bestellen an Bord aus einem Katalog, in der Regel nach Aussehen und Preis.
Vernetzung relevanter Fachkreise
Wie bei anderen Projekten, arbeitet das Amt für Arbeitsschutz auch beim Thema Chemikalien-Schutzhandschuhe eng mit den relevanten Fachkreisen zusammen. Dazu zählen in diesem Fall die Berufsgenossenschaften Chemie und Metall Nord Süd, die Lackierer-Innung und das Institut für Arbeitsschutz der deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung (Fachausschuss persönliche Schutzausrüstung). Mit einbezogen wurden auch die Anforderungen an Chemikalienschutzhandschuhe gemäß DIN EN 374 und die Produktentwicklung der Hersteller. Die gewonnenen Erkenntnisse wurden bei internen Fortbildungen weiter gegeben.
Die Prioritäten beachten
Doch auch wenn es geeignete Schutzhandschuhe gibt, die Prioritäten für den Hautschutz bei der Verwendung von Gefahrstoffen gelten weiterhin. Und zwar in dieser Reihenfolge:
- Den Gefahrstoff ganz meiden oder weniger gefährliche Stoffe einsetzen.
- Den Hautkontakt durch technische Maßnahmen unterbinden oder zumindest reduzieren
- Persönlichen Hautschutz tragen - in diesem Fall geeignete Chemikalien-Schutzhandschuhe
Erst wenn diese ersten beiden Maßnahmen geprüft wurden und nicht umgesetzt werden können, kommt also die dritte Möglichkeit in Betracht. Hier konnte das Projekt der Hamburger einen wertvollen Beitrag leisten.
Engagement für mehr Arbeitssicherheit
Autolackierwerkstätten, Reedereien, Betankungsfirmen: Für die drei Branchen steht jetzt fest, welche Schutzhandschuhe beim Umgang mit bestimmten Gefahrstoffen geeignet sind, samt Produktnamen und Hersteller - und wie ihnen umgegangen werden muss. Auch auf die Händler nehmen die Projektpartner fortan Einfluss. Damit künftig mehr Chemikalienschutzhandschuhe getragen werden, die den Namen auch verdienen.
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Arbeitshilfen zum Download
Die Arbeitshilfen für die drei Branchen werden demnächst ins Internet zum Download bereitgestellt unter der Adresse http://www.hamburg.de/publikationen/.





