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GHS

GHS beeinflusst die Zusammenlagerung von Chemikalien

Die GHS-Verordnung führt zu neuen Einstufungskriterien, kennt neue Gefahren und verändert die Gefahrenkommunikation. Dies wirkt sich nicht nur auf den Umgang mit und Transport von Chemikalien aus, sondern auch auf die Lagerung und die Möglichkeiten zur Zusammenlagerung von Chemikalien.

Die GHS-Verordnung betrifft auch die Gefahrstofflagerung

Die GHS-Verordnung betrifft auch die Gefahrstofflagerung

Der Verband der Chemischen Industrie (VCI) beginnt deshalb mit einer Anpassung des Leitfadens zur Zusammenlagerung von Chemikalien auf Basis der GHS-Kriterien.

GHS-Verordnung betrifft auch Gefahrstofflagerung

Seit 20. Januar 2009 ist die Verordnung (EG) Nr. 1272/2008 über die Einstufung, Kennzeichnung und Verpackung von Stoffen und Gemischen, kurz GHS-Verordnung, in Kraft. Für die neue Einstufung und Kennzeichnung von Stoffen nach GHS ist eine Übergangszeit bis Dezember 2010 vorgesehen, bei Stoffgemischen (Zubereitungen) gibt es eine Übergangsfrist bis Juni 2015. Von den Änderungen betroffen sind nicht nur der Gefahrguttransport und die Organisation des Arbeitsschutzes. Auch die Gefahrstofflagerung kann in Verbindung mit GHS Anpassungsbedarf nach sich ziehen.

Zusammenlagerung birgt Risiken

Die Sicherheit eines Lagers hängt von zahlreichen Faktoren ab, darunter auch die Auswahl der Chemikalien, die in direkter Nachbarschaft (insbesondere im gleichen Brandabschnitt) gelagert werden. Diese Zusammenlagerung in einem Lagerbereich wird durch zahlreiche Vorgaben geregelt, darunter verschiedene Verordnungen und Technische Regeln. Um die Unternehmen, die Chemikalien lagern, bei der Beachtung der Zusammenlagerungsverbote zu unterstützen, hat der Verband der Chemischen Industrie (VCI) vor über zehn Jahren einen speziellen Leitfaden für die Zusammenlagerung von Chemikalien (VCI-Konzept) entwickelt.

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Lagerklassen zeigen den Weg

Grundlage dieses VCI-Konzeptes sind sogenannte Lagerklassen (LGK), die Produkte mit  Gefahrenmerkmalen zusammenfassen, die als gleichartig angesehen werden und daher auch gleichartige Sicherheitsmaßnahmen erfordern. Die LGK können in der Regel dem jeweiligen Sicherheitsdatenblatt entnommen werden. Die Möglichkeiten zur Zusammenlagerung und die Zusammenlagerungsverbote (strikte Separatlagerung in getrennten Brandabschnitten) ergeben sich hilfsweise aus einer speziellen Matrix im VCI-Konzept, bei der die Lagerklassen die Zeilen und Spalten bezeichnen. Die Bewertung der Zusammenlagerung erfolgt in der Matrix durch die Angaben „erlaubt“, „unter Einschränkungen erlaubt“ und „nicht erlaubt“.

Lagerklassen richten sich nach primärer Gefährdung

Zu welcher Lagerklasse eine Chemikalien nun gehört, haben die Inverkehrbringer zu bestimmen, so dass die Anwender dies in ihren Lagerungskonzepten berücksichtigen können. Bei der Bestimmung der Lagerklasse wird der jeweiligen Chemikalie immer nur eine Lagerklasse zugeordnet, wobei ein Einstufungsleitfaden im VCI-Konzept genutzt werden kann. Mit der GHS-Verordnung sind jedoch auch neue Gefahren und Einstufungskriterien verbunden. So gibt es zum Beispiel nach GHS eine Unterscheidung entzündbarer Flüssigkeiten in der folgenden Form:

  •  Kategorie 1: Flammpunkt < 23 °C, Siedebeginn ≤ 35 °C, H 224: Flüssigkeit und Dampf extrem entzündbar
  • Kategorie 2: Flammpunkt < 23 °C, Siedebeginn > 35 °C, H 225: Flüssigkeit und Dampf leicht entzündbar
  • Kategorie 3: Flammpunkt ≥23 °C, Siedebeginn ≤ 60 °C, H 226: Flüssigkeit und Dampf entzündbar

Dabei steht H für „Hazard Statement“ (Gefahrenhinweis, ähnlich dem bisherigen R-Satz).

Mehr zur GHS-Verordnung

GHS erfordert Prüfungen und Reklassifizierungen

Als Lagerklassen sind in diesem Bereich bisher insbesondere definiert Entzündliche flüssige Stoffe (LGK 3), Brennbare Flüssigkeiten, soweit nicht LGK 3 (LGK 10), und Nichtbrennbare Flüssigkeiten (LGK 12). Mit der Einführung von GHS sind somit auch die bisher definierten Lagerklassen zu prüfen, um die neuen Gefahrenbezeichnungen und Einstufungskriterien zu berücksichtigen.

Der Ausschuss für Gefahrstoffe (AGS) befasst sich derzeit mit einer Neukonzeption der Lagerregelungen im Arbeitsschutzrecht. In diesem Zuge beginnt auch der VCI damit, sein Konzept auf GHS-Kriterien umzustellen. Entscheidend bleibt aber nach Mitteilung des VCI die Umstellung der Gefahrstoffverordnung auf das Globally Harmonized System. Solange man sich dort noch auf das alte System bezieht, haben auch die Empfehlungen des VCI in der bisherigen Form Bestand. Die Gefahrstoff-Verordnung soll 2015 umgestellt werden.

Was auf die Unternehmen zukommt

Die dann voraussichtlich notwendigen Änderungen in den Unternehmen betreffen insbesondere die Angaben im Sicherheitsdatenblatt zur Lagerung (gemäß Verordnung (EG) 1907/2006 (REACH)), sie betreffen aber auch den Einlagerungsplan für die Information der Einsatzkräfte im Brand- oder Leakagefall. Nicht zuletzt müssen auch die Schulungsunterlagen, Betriebsanweisungen und Unterweisungen für den Lagerbereich überprüft, die Beschäftigten informiert und die Software zur Lagerverwaltung angepasst werden. Dann können in Zukunft auch die Zusammenlagerungsverbote unter GHS vorschriftsgemäß beachtet werden.

Oliver Schonschek, Diplom-Physiker und Fachjournalist

Veröffentlicht:
2009-06-16

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