Gefahrstoffe
Wie auf Baustellen mit Gefahrstoffen umzugehen ist
„Bei uns gibt es doch keine Gefahrstoffe, das hier ist doch kein chemischer Betrieb“, eine Meinung, die man nicht nur vor 20 Jahren auf Baustellen hören konnte, sondern leider auch heute noch. Die Realität sieht anders aus: Etwa 30.000 verschiedene Gefahrstoffe werden in der gewerblichen Wirtschaft eingesetzt, viele davon auch am Bau.
In der deutschen Bauwirtschaft gibt es mehr Tote durch Berufskrankheiten auf Grund von Gefahrstoffen als durch Arbeitsunfälle.
Gefahrstoffe am Bau sind tägliche Realität
Dämpfe aus Abbeizmitteln, Lösemitteln sowie Klebstoffen oder Stäube von Quarz, Asbest und künstlichen Mineralfasern gefährden die Gesundheit von Bauarbeitern und Handwerkern. Die Folgen bleiben nicht aus: Seit Mitte der 1990er Jahre gibt es in der deutschen Bauwirtschaft mehr Tote durch Berufskrankheiten auf Grund von Chemikalien als durch Arbeitsunfälle.
Gefährdungen für Bauarbeiter und Handwerker beurteilen
Ein falscher Umgang mit Gefahrstoffen und mangelnde Schutzmaßnahmen auf Baustellen zeigen sich durch Vergiftungen beim Abbeizen, Hautallergien durch Epoxidharze und Erkrankungen durch Lösemittel, um nur einige Beispiele zu nennen.
Der Handlungsbedarf in der Bauwirtschaft ist offenkundig. Schließlich verbreiten sich die Produkte der Bau-Chemie immer stärker, während die Mitarbeiter auf den Baustellen die Gefahrstoff-Kennzeichen nicht gut genug kennen oder mangels Sprachkenntnis die Sicherheitshinweise erst gar nicht verstehen. Die Bauunternehmen sind jedoch in der Pflicht, die Beschäftigten bei Tätigkeiten mit Gefahrstoffen über Gefahren, Schutzmaßnahmen und dem Verhalten im Gefahrenfall zu unterweisen.
GISBAU liefert Gefahrstoff-Informationen
Die BG Bau hat bereits vor 20 Jahren erkannt, dass sie ihre Mitgliedsbetriebe mit der Informationsbeschaffung über Gefahrstoffe nicht ohne Unterstützung lassen kann, zu komplex und umfangreich ist die Materie.
Da 75 Prozent der Bauunternehmen in Deutschland Kleinbetriebe sind, gibt es dort keinen toxikologischen Sachkundigen wie etwa einen erfahrenen Chemiker. Diesen Mangel versucht GISBAU, das Gefahrstoff-Informationssystem der BG Bau, nun seit zwei Jahrzehnten auszugleichen, mit viel Erfolg, wie auf der Jubiläumsveranstaltung „20 Jahre GISBAU“ am 23.02.10 in Frankfurt deutlich wurde.
Jährlich werden bis zu 80.000 CD-ROMs mit der Gefahrstoff-Informationssoftware WINGIS an die Mitgliedsbetriebe der BG Bau kostenfrei verschickt. Im Internet kann eine Online-Version von WINGIS, der GISBAU-Software, nach Gefahrstoffinformationen zu konkreten Produktgruppen und Produkten abgefragt werden. Jeden Monat gibt es hier rund 350.000 Zugriffe, so Norbert Kluger, Leiter von GISBAU, gegenüber SIFATipp.
GHS schafft Verwirrung
Der Beratungsbedarf der Bauunternehmen im Bereich Gefahrstoffe ist hoch, auch wenn es den Unternehmen selbst nicht immer klar ist. Die Betriebsanweisungen für den richtigen Umgang mit Bau-Chemikalien müssen auf der Baustelle meist in verschiedenen Sprachen verfügbar sein, denn mehr als fünf Prozent der Mitarbeiter im Bau kommen aus dem Ausland. Aber auch die Bauarbeiter, die mit der Sprache Deutsch keine Schwierigkeiten haben, werden dazu lernen müssen. Durch GHS kommen neue Kennzeichnungen für Gefahren, die verwirren könnten, so die Einschätzung von GISBAU.
Sicherheitsdatenblätter für Anwender oft unklar
Zudem sind nach Erfahrung von GISBAU viele Sicherheitsdatenblätter fehlerhaft, für den Anwender meist ein wahres „Buch mit sieben Siegeln“. Hier versucht die GISBAU-Software zu helfen, indem die Gefahrstoffinformationen gegenwärtig in 15 Sprachen angeboten werden, die Umstellung auf die GHS-Kennzeichnung unterstützt wird und die Sicherheitsinformationen für den Anwender speziell aufbereitet werden.
Neue Wege und Herausforderungen für Gefahrstoffinformationen
In den letzten 20 Jahren wurde an GISBAU ständig weiter entwickelt, um den Anforderungen der Bauunternehmen und der Komplexität der Gefahrstoffe gerecht zu werden. Dies wird auch an der Verbreitung der GISBAU-Software deutlich. Musste der Anwender zu Beginn ganze 13 Disketten installieren, um WINGIS nutzen zu können, kam bald die CD-ROM-Version.
Seit zehn Jahren gibt es WINGIS auch im Internet und seit wenigen Tagen auch auf dem iPhone, wie bei der Jubiläumsveranstaltung präsentiert wurde. In Kürze werden die Gefahrstoffinformationen auch auf weiteren Smartphone-Modellen abrufbar sein, denn die Idee ist es, die Gefahrstoffinformationen auf die Baustellen und an das Regal im Baumarkt zu bekommen.
Die Gefahrstoffinformationen müssen auch weiterhin mit der Entwicklung der Bauchemie Schritt halten. Dazu gehört es auch, auf den Wunsch der Anwender nach noch kürzeren Informationen einzugehen, drei Sätze statt einer halben Seite, sei das gewünschte Maß der Nutzer, so der GISBAU-Leiter Kluger gegenüber SIFATipp.
Wie steht es um die Gefahrstoffinformationen in Ihrem Unternehmen? Nutzen Sie Angebote wie GISBAU und andere Gefahrstoffdatenbanken und prüfen Sie Ihr Gefahrstoff-Informationsmanagement mit dieser Checkliste.
Oliver Schonschek, Diplom-Physiker und Fachjournalist





