Gefahrstoffe
Wie sich flüchtige Gefahrstoffe in Frachtcontainern besser bestimmen lassen
Flüchtige Gefahrstoffe in Frachtcontainern stellen eine Gefährdung für Hafenarbeiter und Kontrolleure dar, aber auch Beschäftigte in Umzugsfirmen und Textillager können mit den gasförmigen Gefahrstoffen in Kontakt kommen.
Frachtcontainer sind oft mit Gefahrstoffen kontaminiert (Foto: Sturm, Pixelio)
Um die Risiken vor Ort besser einschätzen zu können, sind spezielle Messgeräte als elektronische Nasen erforderlich. Das Projekt DEGENA arbeitet an einer innovativen Erkennung von flüchtigen Gefahrstoffen.
Frachtcontainer als Gefahrenschwerpunkt
Frachtcontainer können durch die Begasung des Transportgutes einen Gefahrenschwerpunkt darstellen, und das nicht nur für Hafenarbeiter und Kontrolleure der Hafenbehörden und des Zolls. Die Datenbank „Patienten nach Intoxikation mit Begasungsmitteln“ des Zentralinstituts für Arbeitsmedizin und Maritime Medizin, Hamburg, nennt als Tätigkeiten, bei denen es zu einem folgenreichen Kontakt mit den flüchtigen Gefahrstoffen aus begasten Frachtcontainern gekommen ist, insbesondere auch die Arbeit und Reinigung in einem Textillager, das Auspacken und Aufbügeln von Textilien aus Übersee und Umzugsarbeiten in Verbindung mit begasten Containern. Grundsätzlich besteht auch ein Risiko für die Empfänger des Transportguts aus begasten Frachtcontainern.
Problem mangelnde Kennzeichnung und fehlende Messmethoden
Besonders problematisch aus Sicht des Arbeitsschutzes ist die oftmals fehlende Kennzeichnung an den Frachtcontainern und in den Transportunterlagen, die vor der Begasung warnt. Die Warnhinweise wären aber eine wichtige Grundlage für die erforderlichen Sicherheitsvorkehrungen.
Zudem fehlen noch geeignete Messmethoden, mit denen sich nicht nur die Begasung sondern auch die genaue Art und Konzentration der flüchtigen Gefahrstoffe in den Frachtcontainern bestimmen lassen. Die genaue Vor-Ort-Messung könnte die Entscheidung erleichtern, ob ein Frachtcontainer sicher geöffnet und betreten werden kann.
|
Mehr zum Thema Frachtcontainer |
DEGENA schnüffelt als elektronische Nase nach Gefahrstoffen
Das Projekt DEGENA zielt ab auf die „Selektivitätssteigerung bei der Vor-Ort-Detektion von flüchtigen Gefahrstoffen mit Hilfe einer Elektronischen Nase“, so die Projektbeschreibung. DEGENA will eine Lücke schließen im Bereich der Messverfahren für Gefahrstoffe: Bislang fehlen Handgeräte für den Vor-Ort-Einsatz, die sich leicht bedienen lassen. Oftmals ist die Ursache für falsche Ergebnisse bei der Messung von Gefahrstoffen eine fehlerhafte Interpretation der komplexen Messdaten und nicht etwa ungenaue Messgeräte.
Fehlinterpretation soll vermieden werden
DEGENA soll eine genauere Aussage über die Zusammensetzung und Konzentration der Gasproben treffen können, indem das Messgerät mit einer innovativen Software kombiniert wird, die in den Messungen die charakteristischen Muster der jeweiligen Gase finden soll. Somit werden die Gase an ihren chemischen „Fingerabdrücken“ identifiziert. Der Anwender muss somit keine eigene Interpretation der Messergebnisse vornehmen. Die Software im Messegerät kennt die jeweils zulässigen Grenzwerte. Neue Gefahrstoffe lernt das Messgerät durch die Umrüstung mit einer neuen Softwareversion.
Gefahrstoffe trotz Geruchshintergrund erkennen
Eine besondere Schwierigkeit bei der Analyse möglicher Gefahrstoffe in Frachtcontainern sind die sehr unterschiedlichen „Geruchshintergründe“, also die sehr verschiedenen Zusammensetzungen der Gasatmosphäre in den Containern. Es reicht also nicht, einen bestimmten Gefahrstoff in einem Frachtcontainer mit Textilien entdecken zu können, sondern auch alle anderen Transportgüter müssen mit ihren charakteristischen Absonderungen in die Atmosphäre des Containers berücksichtigt werden können. Das Messverfahren muss also die Messsignale durch das Transportgut von den Signalen durch mögliche Gefahrstoffe sicher unterscheiden können.
DEGENA führt Kompetenzen zusammen
Dazu haben sich verschiedene Projektpartner mit den notwendigen Kompetenzen zusammen gefunden: die Firma Sysca liefert das Know-how für die Gasdetektion, das Fraunhofer Institut für Intelligente Analyse- und Informationssysteme ein geeignetes Mustererkennungsverfahren und das Zentralinstitut für Arbeitsmedizin und Maritime Medizin die Referenzanalysen für die Bewertung der Gefahrstoffe.
BGHW bietet Veranstaltung
Wer sich näher mit dem Gefahrenschwerpunkt Frachtcontainer befassen möchte, für den könnte die kostenlose Informationsveranstaltung der BGHW (Berufsgenossenschaft Handel und Warendistribution) „Gefahrenschwerpunkt Frachtcontainer“ am 12.11.09 in Mannheim interessant sein.
Dort geht es um Chemische Gefahrstoffe, Biologische Gefahrstoffe, Arbeitsmedizinische Aspekte und Mechanische Gefährdungen bei Frachtcontainern. Zudem gibt es dort einen Erfahrungsbericht aus der Sicht eines „Empfängers“ von Frachtcontainern, einen Erfahrungsbericht des Technischen Aufsichtsdienstes, einen Erfahrungsbericht einer staatlichen Überwachungsbehörde - Wasserschutzpolizei sowie Informationen zu Messtechnik und zur Gefährdungsbeurteilung bei Frachtcontainern.
Oliver Schonschek, Diplom-Physiker und Fachjournalist





