Schwere Wahl
Absturzsicherung für hochgelegene Arbeitsplätze
Bei der Wahl der richtigen Absturzsicherung sind viele Kriterien zu beachten. Man unterscheidet zwischen temporären und permanenten Lösungen und kollektiven und individuellen Schutzmaßnahmen bei Absturzsicherungen.
Bei der Wahl der richtigen Absturzsicherung sind viele Kriterien zu beachten.
Abstürze liegen bei den Hauptursachen für Verletzungen und tödliche Unfälle in der Industrie an zweiter Stelle. Bei den meisten Industrieunfällen weisen die Zahlen auf unzureichende Arbeitsbedingungen hin; bei Tätigkeiten an höhergelegenen Arbeitsplätzen jedoch können die Auswirkungen sehr schwerwiegend sein. Etwa einer von 7 Unfällen mit tödlichem Ausgang resultiert aus einem Absturz.
Die Vorschriften zur Schutzausrüstung gegen Absturz schreiben vor, dass Arbeitgeber für Sicherungsmaßnahmen sorgen müssen, wenn Mitarbeiter in einer Höhe von 1 Meter oder mehr arbeiten und Absturzgefahr besteht.
Grundsätzlich wird zwischen vertikalen Höhenzugangssystemen (z.B. nach EN 353) und horizontalen Anschlageinrichtungen (EN 795) unterschieden. Weitere Unterscheidungskriterien sind die Dauer des Einsatzes und die Anzahl der Benutzer der Absturzsicherung (s. Tabelle).
Tabelle Absturzsicherungen:
| Absturzsicherungen | Temporäre Lösungen | Permanente Lösungen |
| Kollektive Schutzmaßnahmen (typisch bei Benutzung > 1 Tag) Einrichtungen, die durch jeden bzw. gleichzeitig genutzt werden können |
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| Individuelle Schutzmaßnahmen (typisch bei Benutzung < 1 Tag) Einsatz von persönlicher Schutzausrüstung gegen Absturz |
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Ist erst einmal ein Gefahrenbereich auf einem hoch gelegenen Arbeitsplatz (z.B. Reinigungs- und Wartungsarbeiten auf einem Dach) identifiziert worden, muss die geeignete Absturzsicherung gewählt werden. Die Art der auszuführenden Arbeiten und die baulichen Gegebenheiten entscheiden oft schon über die Wahl zwischen individuellen und kollektiven bzw. zwischen kurzfristigen oder langfristigen Schutzmaßnahmen. Hinzu kommen weitere Aspekte wie Sicherheit (z.B. Zugangsbeschrängung) und Kosten (einmalig vs. wiederkehrend) usw.
Für die Arbeit sind kollektive permanente Schutzmaßnahmen oft die einfachste und sicherste Lösung. Sie sind aber oft aus baulichen oder kostentechnischen Gründen nicht möglich, da Kosten und Nutzen in keinem angemessenen Verhältnis stehen.
Temporäre Lösungen bei Absturzsicherung haben den Vorteil, daß sie vom Bauwerk wieder entfernt werden können und günstig sind. Demhingegen verursacht die Anmietung von Equipment und deren Aufbau immer wiederkehrenden Aufwand. Zudem besteht die Gefahr, daß während des Aufbaus Unfälle geschehen oder daß Aufbaufehler gemacht werden.
Permanente individuelle Schutzmaßmaßnahmen gegen Absturz haben den Vorteil, daß sie für den eingewiesenen Benutzer ein großes Maß an Sicherheit bieten und -einmal installiert- jederzeit verfügbar sind.
Ortfeste Horizontale Absturzsicherungen
Immer häufiger kommen bei Absturzsicherungen neben Schienensystemen auch stahlseilbasierte Anschlageinrichtungen zum Einsatz. Die Benutzung beider ist sehr einfach: der Anwender trägt einen Auffanggurt (z.B. nach EN 361) und sichert sich mittels eines sogenannten Verbindungsmittels mit integriertem Falldämpfer (nach EN 355) an der Anschlageinrichtung bzw. am deren mitlaufenden Auffanggerät? (Läufer).
Wo liegen die Unterschiede zwischen den gängigsten Absturzsicherungen?
Zu den permanenten Absturzsicherungen gehören auch sogenannte Anschlagpunkte. Sie sind verhältnismäßig kostengünstig, bieten aber über längere Wegstrecken quasi keinen durchgehenden Schutz, was den Einsatz zusätzlicher Seile usw. erfordert. Bei ihrer Installation ist allergrößte Sorgfalt notwendig, besonders wenn das Leben des Benutzers an nur einem Befestigungspunkt hängt.
Schienenbasierte Anschlageinrichtungen haben den Vorteil, daß deren Läufer dem Benutzer bei seiner Bewegung entlang des Systems leichtgängig folgt – auch über Zwischenbefestigungen hinweg. Manche Schienensysteme lassen sich sogar untereinander verbinden und können zur Überwindung von Hindernissen bis zu 1m vertikal geführt werden.
Bei Systemen mit Stahlseil hingegen muß sich der Benutzer beim Wechsel von einem Seil zum anderen zwischenzeitlich abhängen. Dafür wäre zusätzliches Equipment und einige Handgriffe nötig, auf die in der Praxis oft in gefährlicher Weise verzichtet wird.
Die Leichtigkeit des Überfahrens der Zwischenhalter bei Seilsystemen hängt von der Bauart des Läufers ab und variiert von Anbieter zu Anbieter. Manche verzichten ganz auf diesen und hängen das Verbindungsmittel direkt am Seil mittels eines Karabinerhakens ein.
Spätestens in diesem Falle muß beim Passieren von Zwischenhaltern meist mit der Hand nachgeholfen werden oder der Karabiner gar zwischenzeitlich gelöst werden. Diese kostengünstigsten Lösungen bieten folglich den geringsten Komfort und minimale Sicherheit. Für den Anwender bedeutet das oft eine eingeschränkte Bewegungsfreiheit oder geringere Effektivität bei der Arbeit.
Ein weiteres wichtiges Entscheidungskriterium ist die Anzahl der zulässigen Benutzer der Absturzsicherung. Schienensysteme lassen oft mehr gleichzeitige Benutzer zu als Seilsysteme. Ursache hierfür ist der grundsätzliche Unterschied im Aufbau beider Systemarten: Schienensysteme verteilen die auftretenden Kräfte gleichmäßig über alle Zwischenbefestigungen in das Bauwerk, während bei Kabelsystemen der Großteil der Belastungen in die Endbefestigungen fließt. Deshalb beinhalten die meisten Seilsysteme Dämpfungselemente. Je nach Bauart an jedem Halter und/oder an den Seilenden.
Dabei wird ein weiterer Unterschied zwischen Schiene und Seil deutlich. Mit Seilsystemen lassen sich wesentlich größere Befestigungsabstände realisieren als mit Schienen. Das verringert die Installationskosten. Jedoch müssen die Befestigungen an der Gebäudestruktur wesentlich größeren Kräften standhalten.
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Frank Martin
Soll Systems, Hof






