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Unfallverhütung

Hitzeschutzhandschuhe gegen gefährliche Verbrennungen

Trotz heißer Gegenstände muss in Gießereien, in der Glas- und Keramikindustrie, aber auch in Bäckereien immer wieder Hand angelegt werden. Dabei kann es zu gefährlichen Verbrennungen kommen. Ausgesprochene Hitzeschutzhandschuhe können einen Handschutz bieten. Achten Sie darauf, dass auch wirklich die richtigen Schutzhandschuhe getragen werden.

Was Hitzeschutzhandschuh leisten müssen, regelt die europäische Handschuhnorm EN 407

Was Hitzeschutzhandschuh leisten müssen, regelt die europäische Handschuhnorm EN 407

Zur Vorbereitung eines Gießprozesses wird ein Spezialbehälter mit etwa drei Tonnen flüssigen Metalls, das rund 1.500 Grad heiß ist, mit Hilfe eines Staplers transportiert. Als der Behälter bei der Entschwefelung etwas gekippt wird, spritzt das heiße Metall auf den Staplerfahrer. Er erleidet schwere Verbrennungen. Dieser Arbeitsunfall, der sich Ende Oktober 2009 in einem Betrieb am Bodensee ereignet hat, zeigt eindrücklich die Gefahren durch heißes Material.

Handarbeit trotz Hitze

Trotz der Verbrennungsgefahr müssen viele Tätigkeiten in der direkten Nähe zu heißen Materialien durchgeführt werden, oftmals auch mit direktem Kontakt zu der heißen Oberfläche. Denken Sie nur an die Verarbeitung von Gummi, den Umgang mit heißen Gussstücken oder heißem Glas oder die Entnahme von sterilisierten Instrumenten aus Autoklaven im Gesundheitsbereich.

Hautschutz und insbesondere Handschutz sind hier zwingend erforderlich. Bei der Wahl der richtigen Hitzeschutzhandschuhe kann jedoch einiges schief gehen. Viele Schutzhandschuhe sind als Hitzeschutz nicht geeignet, sondern dienen dem Schutz gegen mechanische Einwirkungen oder gegen chemische Gefahren.

Hohe Anforderungen an Hitzeschutzhandschuhe

Was Hitzeschutzhandschuhe leisten müssen, regelt die europäische Handschuhnorm EN 407. Hier geht es um Schutzhandschuhe gegen thermische Risiken (Hitze und /oder Flammen). Zu den zu prüfenden Eigenschaften zählen

  • Brennverhalten (Wie lange brennt das Handschuhmaterial maximal nach Entfernung von der Brandquelle? Die Prüfung erfolgt nach EN ISO 6941),
  • Kontaktwärme (Im Temperaturbereich von 100–500 °C verspürt der Anwender für mindestens 15 Sekunden keine Schmerzen. Die Prüfung erfolgt nach EN 702),
  • Konvektionshitzefestigkeit (Wie lange verzögert der Handschuh die Hitzeübertragung von einer Flamme? Die Prüfung erfolgt nach EN 367),
  • Beständigkeit gegen Strahlungswärme (Wie lange verzögert der Handschuh die Hitzeübertragung von einer Strahlungshitzequelle? Die Prüfung erfolgt nach EN ISO 6492:2002, Methode B),
  • Beständigkeit gegen kleine Flüssigmetall-Spritzer (Wie viele Flüssigmetall-Spritzer sind erforderlich, um den Handschuh auf eine bestimmte Temperatur zu erwärmen? Die Prüfung erfolgt nach EN 348) und
  • die Beständigkeit gegen große Flüssigmetall-Spritzer (Welches Gewicht muss der Flüssigmetalltropfen haben, um ein Hautimitat gleich hinter dem Testhandschuh zu durchlöchern oder zu glätten? Die Prüfung erfolgt nach DIN EN 373).

Mechanische Belastung nicht vergessen

Da auch bei der Arbeit mit heißen Gegenständen von einer mechanischen Belastung oder einem Abrieb ausgegangen werden muss, müssen Hitzeschutzhandschuhe zudem die Leistungsebene 1 für Abrieb- und Reißfestigkeit der Norm EN 388 erfüllen.

So erkennen Sie Hitzeschutzhandschuhe

Ausgesprochene Hitzeschutzhandschuhe tragen das Piktogramm für Hitze/Flamme, die Prüfnorm EN 407 sowie die Angabe des Leistungslevels für die einzelnen zuvor genannten sechs Prüfpunkte. Das Kreuzzeichen anstelle der Angabe des Leistungslevels bedeutet dabei, dass dieser Punkt nicht geprüft oder nicht relevant ist.

Welche Anforderungen ein Hitzeschutzhandschuh konkret im Einzelfall zu erfüllen hat, muss die Gefährdungsbeurteilung zeigen. Hierbei sind auch die Herstellerinformationen zu beachten. Wichtig dabei ist, dass die angegebenen Leistungslevel nicht ausgereizt werden sollten, dass also stets eine Restsicherheit bleibt, indem im Grenzfall immer ein höheres Schutzniveau gewählt wird, um Verbrennungen so gut wie nur möglich zu vermeiden.

 

Oliver Schonschek ist Diplom-Physiker und Fachjournalist

Veröffentlicht:
2010-05-05

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