Auffangeinrichtungen
Schutznetze richtig einsetzen
Die Absicherung durch Schutznetze ist weit verbreitet, denn sie reduziert das Verletzungsrisiko im Vergleich zu den härteren Fanggerüsten. Doch auch der Einsatz von Netzen erfordert eine sorgfältige Montage, bei der nicht nur die Befestigung zu beachten ist. Experimente zeigen zudem, dass ältere Netze oftmals keinen Schutz mehr bieten können. Regelmäßige Kontrollen von Alterung und Verschleiß der Schutznetze dürfen deshalb nicht in Vergessenheit geraten.
Der Einsatz von Schutznetzen muss genau geplant werden
Mit Netz und ohne doppelten Boden
Die Sicherungsfunktion von Schutznetzen kennt fast jedes Kind aus dem Zirkus. Damit die Arbeit im Hochbau nicht zum Drahtseilakt wird, werden auch auf zahlreichen Baustellen in Deutschland sogenannte Schutznetze eingesetzt.
Darunter versteht man spezielle Netze, an deren Rändern Rohre, Seile oder andere Tragekonstruktionen angebracht sind, um abstürzende Personen aufzufangen. Schutznetze können dabei nicht nur horizontal angebracht werden, zum Beispiel unter Deckenöffnungen bei Arbeiten an einem Hallendach. Auch vertikal gespannte Schutznetze sind stark verbreitet, um eine Art Schutzwand zu bilden.
Schutznetze mit System
Zur Absicherung von Baustellen werden verschiedene Systeme von Schutznetzen angeboten, die wichtigsten sind die Systeme S und T. Unter System S versteht man dabei Netze mit Randseil, während System T Netze eine Konsolenbefestigung für die horizontale Absicherung aufweisen und im Hochbau unter bestimmten Bedingungen die Fanggerüste ersetzen können.
Einsatz der Schutznetze genau planen
Wenn Schutzmaßnahmen für eine Baustelle geplant werden, stellen sich verschiedene Fragen in bezug auf Schutznetze:
- Welche Art von Schutznetzen kann verwendet werden?
- Wie groß muss ein solches Schutznetz sein?
- Welche Abstände sind zu beachten?
- Welche Sicherheitsabstände sind erforderlich zwischen dem Untergrund oder Gegenständen unter dem Netz und dem Schutznetz selbst?
- Wie muss die Befestigung genau aussehen?
- Welche Kräfte muss das Schutznetz aushalten können, welches Energieaufnahmevermögen muss es also mindestens aufweisen?
Wichtige Hinweise erhält man dazu aus der Montageanweisung des Herstellers und aus der BGR 179 „Einsatz von Schutznetzen“. Die Gebrauchsanweisung für das Schutznetz muss sich immer auf der Baustelle selbst befinden. Unabhängig von dem ausgewählten Schutznetz sollten jedoch verschiedene Punkte vor und während des Einsatzes genau hinterfragt werden.
Einsatz der Schutznetze kritisch prüfen
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Wie bei jeder Schutzausrüstung gilt es auch bei Schutznetzen darauf zu achten, dass das Netz geprüft, unbeschädigt und deutlich gekennzeichnet ist.
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Die Befestigung eines Schutznetzes verleiht im übrigen keine ausreichende Sicherheit, wenn sie an einem nicht tragfähigen Bauteil erfolgt.
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Bei dem Befestigen muss auch die Verformung des Netzes bedacht werden, die unter der Eigenlast des Netzes auftritt und damit das Netz dem Boden oder einem Gegenstand unter dem Schutznetz bereits näher bringt.
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Je nach Sicherungsbedarf muss die Maschenweite des Schutznetzes so gewählt werden, dass nicht nur Personen, sondern auch Gegenstände, die herabfallen könnten, nicht durch die Masche fallen können.
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Das Material des Netzes sollte so gewählt sein, dass auch scharfkantige Gegenstände das Netz beim Herabfallen nicht zerstören. Scharfkantige Gegenstände gibt es auf Baustellen zu genüge, man denke nur einmal an Glasscherben.
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Bei der Wahl und Anzahl der Befestigungspunkte muss zudem bedacht werden, dass das Schutznetz keine zu große Auslenkung erfahren darf, um die aufgefangene Person wirklich schützen zu können.
Auch ohne Absturz droht Netzverschleiß
Neben der Sichtprüfung des Netzes vor dem Einsatz stellt auch die Alterungsprüfung einen wichtigen Teil der Sicherheitskontrolle dar. Diese muss spätestens 12 Monate nach Herstellung des Schutznetzes erstmalig erfolgen.
Spezielle Prüfmaschen innerhalb des Schutznetzes geben dem Hersteller oder einer entsprechend zugelassenen Stelle Auskunft darüber, ob eine Festigkeitsminderung durch die Alterung des Netzes eingetreten ist. Die Alterungsprüfung muss dokumentiert werden, das Netz erhält eine entsprechende Kennzeichnung.
Kommt es tatsächlich zum Absturz, darf das entsprechend belastete Schutznetz nicht einfach weiter verwendet werden. Vielmehr muss eine Überprüfung durch eine zugelassene Stelle erfolgen. Diese wird nicht nur das Netz selbst kontrollieren, sondern auch das Randseil und die komplette Tragekonstruktion. Eine Instandsetzung darf durch nur den Hersteller oder seine Beauftragten erfolgen.
Auf die richtige Lagerung kommt es an
Schutznetze altern nicht nur während ihrer Verwendung. Auch die Lagerung kann dem Netz zusetzen. Deshalb müssen Schutznetze bei der Lagerung selbst geschützt werden, insbesondere gegen Wärme, UV-Strahlung, Feuchtigkeit und aggressive Chemikalien.
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Oliver Schonschek, Diplom-Physiker und Fachjournalist






