Arbeit an höher gelegenen Arbeitsplätzen
Ortfeste Horizontale Absturzsicherungen
Die Entscheidung für die eine oder andere Absturzsicherung sollte von verschiedenen faktoren abhängig gemacht werden: Die Beschaffenheit der Gebäudestruktur und auch die Art der auszuführenden Arbeiten spielen beispielsweise eine entscheidende Rolle.
Ein Absturzsicherungssystem schützt den Benutzer, wenn die Gefahr eines Absturzes besteht
Bei schwachen Befestigungsuntergründen (z.B. an Mauerwerk) kann die Lösung lauten: Rückhaltesystem statt Auffangsystem.
Ein Rückhaltesystem verhindert, daß der Benutzer die Absturzkante erreicht. D.h. die Anschlageinrichtung befindet sich nicht in unmittelbarer Nähe des Gefahrenbereichs. Auf dem Typenschild der Anlage ist die Länge des Verbindungsmittels vorgeschrieben und darf in keinem Fall überschritten werden.
Ein Absturzsicherungssystem schützt den Benutzer, wenn die Gefahr eines Absturzes besteht, d.h. wenn die Länge des vorgeschriebenen Verbindungsmittels ausreicht, die Absturzkante zu überschreiten, beispielsweise wenn die Bewegungsfreiheit des Benutzers zum Aufführen seiner Tätigkeiten garantiert werden muß.
Bei Absturzsicherungsleinen die Länge beachten
Auch bei Absturzsicherungsleinen muß die definierte Länge des Verbindungsmittels unbedingt beachtet werden, denn schon beim Entwurf der Anlage durch den Hersteller, Installateur oder Architekten wurde die maximale Länge des Verbindungsmittels im Absturzfalle berücksichtigt. Beispielsweise muß sichergestellt sein, daß der Benutzer beim Absturz trotz Aufreißens des Bandfalldämpfers seines Halteseiles nicht am Boden bzw. auf der nächsten Ebene aufschlägt. Wenn jegliche praktikable Verbindungsmittel zu lang sind bzw. wenn der Abstand zum Boden begrenzt ist, kommen wiederum Rückhaltesysteme zum Einsatz.
Entscheidender Knackpunkt sind die jeweils völlig unterschiedlichen Kräfte, die bei stahlseilbasierten Rückhalte- bzw. Auffangsystemen wirken. Während bei ersteren die zulässige Last 1kN pro Benutzer beträgt, ist bei letzteren mit 6 kN pro Benutzer zu rechnen (aufgefangen und begrenzt durch das Verbindungsmittel).
Die bereits erwähnten kritischen Kräfte an den Befestigungspunkten des Auffangsystems - besonders an den Enden – hängen jedoch noch von weiteren Faktoren ab. Je mehr ein Stahlseil nach dem Absturz mit der aufgefangenen Person nachgibt bzw. durchhängt, umso größer sind die auftretenden Lasten.
Der Seildurchhang wiederum hängt vom Abstand der Zwischenhalter des Seiles ab. Dieser kann je nach Hersteller zwischen 1 und 20 m oder noch mehr liegen. Je geringer der Abstand der Zwischenhalter ist, umso geringer sind die Endbelastungen. Die steigende Anzahl Zwischenhalter verursacht jedoch steigende Installationskosten.
Die Endbelastung bei Absturzsicherungen gering halten
Möchte man nun eine Absturzsicherung auf einem Untergrund befestigen, der keine großen Kräfte aufnehmen kann (z.B. Blechdächer) hat man mehrere Wege, die Endbelastungen zu verringern und eine Montage möglich zu machen.
Grundsätzlich gilt, lange Seilsysteme führen zu geringeren Belastungen als kurze. Weniger gleichzeitig zugelassene Benutzer verringern die potentielle Last ebenfalls. Die Halterabstände sollten nicht zu lang sein und die Seilvorspannung sollte nicht zu groß sein. Schließlich spielen die Effektivität und die Anzahl der eingesetzten Dämpfungselemente eine entscheidende Rolle.
Wichtig: die energieabsorbierenden Elemente im Seilsystem dienen nicht primär dem Schutz des Benutzers, sondern dem des Gebäudes. Während der Benutzer beim Absturz durch sein dämpfendes Verbindungsmittel geschützt wird, wird das Seil und die Verankerungen am Gebäude durch eben diese Dämpfungselemente vor dem Ab- oder Herausreißen gesichert.
Maßgebender Qualitätsunterschied dabei ist nicht nur die maximal auftretende Kraft (in kN) sondern auch die Energieaufnahme. Nur solche Dämpfungselemente wirken effektiv, die bei der Energievernichtung genügend Wegstrecke einsetzen. Man unterscheidet heute zwischen sogenannten Inline-Falldämpfern, die direkt mit dem Kabel verbunden sind (meist am Ende) und Absorbern, die in Zwischenhaltern oder Pfosten verbaut sind.
Dem gegenüber steht die Kostenseite. Mehr Dämpfungselemente, mehr Halter, stärkere Endbefestigungen führen zu einer Verteuerung der Seilsystems, nicht nur bei den verbauten Komponenten, sondern auch bei der Montage. Das führt besonders bei kurzen Systemen (bis ca. 15m) dazu, daß Schienensysteme mitunter günstiger sein können.
Würde man es schaffen, ein Dämpfungselement zu konstruieren, das die Absturzkräfte minimal hält und viel Energie vernichtet, könnte man einerseits Kosten für zusätzliche Dämpfungselemente im System (z.B. an den Zwischenhaltern) sparen und andererseits statt Rückhaltesystemen echte Absturzsicherungsleinen auch auf schwachen Untergründen wie z.B. Trapezblechdächer auf Industriegebäuden anbringen. Dies ist Söll mit der Vorstellung der neuen Inline-Falldämfer für das Seilsystem XENON gelungen. Die zum Patent angemeldete „Structure Guard“-Technologie vereint diese und weitere Features in einer kompakten Einheit.
Schiene versus Kabel
Auswahlkriterien
- Art der auszuführenden Arbeiten
- Anzahl der Benutzer
- Anpassung an Gebäudestruktur
- Befestigungsort (Boden, Wand, Überkopf)
- Befestigungsabstände
- Befestigungsuntergrund (massiv oder schwach)
- Benutzerkomfort
- Kosten (Systemkomponenten & Installation)
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Frank Martin
Soll Systems, Hof






