Schutzhandschuhe
Prävention zeigt deutlichen Erfolg bei Latexallergien
Waren es 1998 noch über 1.200 gemeldete Verdachtsfälle von berufsbedingten Latexallergien, sank diese Zahl im Jahr 2007 auf 70 entsprechende Meldungen bei der Berufsgenossenschaft für Gesundheitsdienst und Wohlfahrtspflege (BGW). Der Rückgang um rund 95 Prozent kann als Erfolg der Präventionsarbeit gewertet werden.
Präventionsmaßnahmen haben im Bereich Latexallergien ganze Arbeit geleistet (Foto: Stefane, Pixelio)
Wie konnte die Zahl an Neuerkrankungen in knapp zehn Jahren so deutlich verringert werden? Und was kann man aus diesem Präventionserfolg lernen?
Die Gefahr für medizinisches Personal, sich mit Erregern von Virusinfektionen wie HIV oder Hepatitis anzustecken, führte Mitte der 1980er Jahre zu einem verstärkten Einsatz von Einmal-Schutzhandschuhen als Persönliche Schutzausrüstung (PSA). Dabei wurden Latexhandschuhe bevorzugt, die durch ihre guten Trageeigenschaften und ihren Anschaffungspreis überzeugen konnten.
Der Puder, der gegen das Zusammenkleben der Handschuhe eingesetzt wurde, führte jedoch zu einem rasanten Anstieg von Latexallergien. Diese erreichten nach Mitteilung der Berufsgenossenschaft für Gesundheitsdienst und Wohlfahrtspflege (BGW) im Jahr 1998 einen traurigen Höhepunkt. Ganze 1.262 Verdachtsfälle von berufsbedingter Latexallergie wurden der Berufsgenossenschaft in diesem Zeitraum gemeldet. Die Schutzmaßnahme gegen Infektionskrankheiten hatte schlimme Nebenwirkungen für die Beschäftigten im medizinischen Bereich, aber auch in der gummiverarbeitenden Industrie.
Symptome der Latexallergie: Juckreiz, Fließschnupfen und Asthmaanfälle
Die Latexallergien wurden insbesondere vermittelt durch das Einatmen von Latexproteinen, die sich mit dem Puder verbunden hatten und in den Staubwolken enthalten waren, die beim An- und Ausziehen der gepuderten Latexhandschuhe entstanden. Die Folgen für die Betroffenen sind sehr weitreichend:
- Rötungen und Juckreiz,
- Asthma,
- Nesselausschlag,
- Augenentzündungen,
- Anschwellen der Schleimhäute
- bis hin zur Berufsunfähigkeit.
Kompletter Alltag ist betroffen
Und selbst im Privatleben bleiben die Latexallergiker von diesen massiven Auswirkungen nicht verschont. Schließlich kann ein Kontakt mit Latex auch erfolgen beim Umgang mit oder Nutzen von
- Badeschuhen
- Kleinteilen aus Gummi wie Ringe oder Radierer
- Teppichmatten
- Reifen
- Luftballons
- bestimmte Klebstoffe
um nur einige Beispiel zu nennen. Und werden die Allergiker selbst operiert oder behandelt, kann es zu einem direkten Kontakt zwischen offenen Wunden, Schleimhäuten und dem allergieauslösenden Latex kommen.
Schnelles Handeln war gefragt
Die Latexallergien erforderten mehr als eine Ursachenforschung. Vermeidungsstrategien waren und sind noch heute wichtig, für die Betroffenen, um diese vor den allergischen Reaktionen zu bewahren, und für andere Beschäftigte, damit bei diesen erst gar keine Latexallergie ausbrechen kann.
Deshalb startete die BGW in den Jahren 1997 und 1998 eine umfassende und bundesweite Aufklärungskampagne über die Gesundheitsrisiken durch die Nutzung von gepuderten Latexhandschuhen. Ziel der Kampagne war es, dass die Arbeitgeber ungepuderte anstelle der gepuderten Latexhandschuhe beschaffen sollten.
Die Informationsveranstaltungen in Krankenhäusern, die Latex-Informationsmappe, die Produktlisten von latexfreien und ungepuderten Handschuhen, die Forschungsaktivitäten und die Handschuhpläne mit Empfehlungen, welche Handschuhe bei welchen Tätigkeiten verwendet werden sollten, blieben nicht ohne Wirkung.
Präventionsergebnisse bei Latexallergien können sich sehen lassen
Eine Interventionsstudie der BGW konnte zudem zeigen, dass durch den Ersatz der gepuderten Latexhandschuhe durch ungepuderte Handschuhe Latexallergiker oftmals im Beruf verbleiben können. Voraussetzung ist jedoch, dass der Kontakt mit Latex absolut vermieden wird.
1998 kam dann die Austauschpflicht, die unter anderem dokumentiert ist in der TRGS 540, wo es heißt, dass gepuderte Naturlatexhandschuhe durch puderfreie und allergenarme Latexhandschuhe oder andere geeignete Handschuhe zu ersetzen sind.
Zahl der Neuerkrankungen ging deutlich zurück
Die Früchte der Präventionsmaßnahmen wurden bald deutlich. Waren es nach anfänglich 1.262 Meldungen im Jahr 1998 noch 845 entsprechende Meldungen bei der BGW 1999, sank die Zahl 2003 auf 228 gemeldete Verdachtsfälle für berufsbedingte Latexallergien. 2007 konnte dann ein Rückgang um 95 Prozent bei den Latexallergie-Meldungen registriert werden.
Auch die Industrie reagierte auf die geänderte Nachfragesituation und stellte die Produktlinien auf ungepuderte Latexhandschuhe um. Zudem wurden vermehrt Modelle aus Ersatzmaterialien wie Nitrilkautschuk oder Polyethylen hergestellt.
Gutes Beispiel für Präventionsarbeit
Zweifellos gehört die erfolgreiche Senkung der Neuerkrankungen im Bereich Latexallergien zu den Vorzeigebeispielen der Präventionsarbeit im Arbeitsschutz. Eine frühzeitige Ursachenanalyse, eine umfassende Aufklärungsarbeit und ein Zusammenwirken mit den Herstellern von PSA könnte auch in anderen Bereichen der Arbeitswelt ähnliche Erfolge ermöglichen.
Aber auch die bereits Betroffenen dürfen nicht vergessen werden. Deshalb widmete die BGW eine Querschnittstudie den Arbeitsbedingungen und der Lebensqualität von Latexallergikern, bei der 182 Betroffene berücksichtigt werden konnten. Auch hier sind die Ergebnisse ermutigend:
- Eine deutliche Mehrheit der Latexallergiker kann der ursprünglichen Tätigkeit nachgehen.
- Bei rund 60 Prozent gelingt die Vermeidung des Latex-Kontakts im Berufsalltag gut oder sehr gut.
- 68 Prozent der Atemwegserkrankten und 79 Prozent der Hauterkrankten beurteilten die Beeinträchtigung ihrer Lebensqualität als gering oder gar nicht vorhanden.
Darauf sollten Latexallergiker besonders achten
Damit dies so bleibt, sollten Betroffene und ihre Arbeitgeber besondere Maßnahmen ergreifen, darunter
- Nutzung latexfreier Handschuhe für die Betroffenen
- Verwendung puderfreier Latexhandschuhe im Kollegenkreis
- Vorhalten eines Notfallsets gegen Allergieanfälle und eines latexfreien Erste-Hilfe-Sets
- gezielte Hinweise auf die Latexallergie (wie Notfallkapsel als Anhänger beim Betroffenen)
Oliver Schonschek, Diplom-Physiker und Fachjournalist






