Technologie
Schnittschutz und Komfort sind kein Widerspruch
Handverletzungen gehören mit 40 Prozent nach wie vor zu den häufigsten Arbeitsunfällen. Vor allem Schnittverletzungen führen hierbei zu teilweise langen Ausfallzeiten. Die Entwicklung von wirkungsvollem Schnittschutz gehört zu den komplexesten Fragestellungen im Handschutz. Neue, innovative Ansätze mit interessanten Materialkompositionen und einer deutlichen Verbesserung des Tragekomforts versprechen jedoch eine neue Generation von Hightech-Schnittschutzhandschuhen.
Schutzhandschuh
Durch die Vielzahl an Materialien und möglichen Kombinationen entstehen unzählige Lösungen im Bereich Schnittschutz. Dabei ist schon die Definition eines Schnittschutzhandschuhes schwierig: Allgemein üblich ist die Klassifizierung nach EN 388, in der die zweite Ziffer unter dem Piktogramm den Schnittschutzlevel angibt.
In der Praxis beginnt der Bereich spezieller Schnittschutzhandschuhe ab Level 2 und reicht bis Level 5. Der Test wird jedoch mit einer rotierenden Klinge durchgeführt, so dass Aspekte wie Gewicht, Gratigkeit der Werkstücke nicht berücksichtigt werden.
Einen möglichst hohen Schnittschutzlevel zu erreichen, ist heute über unterschiedliche Technologien relativ leicht realisierbar. Die Kompetenz besteht daher nicht allein darin, einen möglichst hohen Schnittschutzindex zu erzielen, sondern den optimalen Schutzhandschuh für die Mehrzahl der Tätigkeiten zu entwickeln, der zudem einen hohen Tragekomfort bietet.
Auch wenn es banal klingt: Nur wenn die Handschuhe auch wirklich getragen werden, bieten sie den erforderlichen Schutz.
Fragt man die Träger von Schnittschutzhandschuhen nach Ihrem „Wunschhandschuh“, erhält man häufig Aussagen wie „Der Handschuh soll mich nicht stören. Er soll wie eine zweite Haut sitzen, damit ein optimales Arbeiten möglich ist“, „Das Produkt soll frei von schädlichen Substanzen sein“, „Ich möchte möglichst wenig schwitzen, das Klima im Handschuh sollte optimal sein“ oder „Ich muß einen guten Grip mit dem Handschuh haben“.
Obwohl es auf dem internationalen Markt zahlreiche Schnittschutzlösungen gibt, müssen die Anwender im Arbeitsalltag doch zahlreiche Kompromisse und Einschränkungen in Kauf nehmen. Vor allem wenn eine Beschichtung auf den Handschuhen benötigt wird, sind viele der existierenden Handschutzlösungen zu dick, zu unflexibel, unangenehm auf der Haut zu tragen oder enthalten möglicherweise Schadstoffe.
Die neue Komfortklasse im Schnittschutz
Was bedeutet Komfort? Neben den praxisnahen Aussagen der Mitarbeiter, kann man den Tragekomfort messtechnisch an drei wesentliche Komfort-Dimensionen festmachen: Ergonomie („Passform“, „Taktilität“), Hautsensorik („Gefühlter Komfort“, „Weichheit des Materials“) und Thermophysiologie („Wärme-„, „Feuchtetransport“, „Feuchtepufferung“).
Darüber hinaus ist für den Komfort natürlich auch die Art der Beschichtung ausschlaggebend. Die Aspekte Schutz, Wirtschaftlichkeit und die drei Komfortdimensionen wurden bei der Neuentwicklung der neuen Schnittschutzhandschuh-Serie ideal kombiniert. Entstanden ist dabei die neue patentierte „Bamboo TwinFlexâ Technology“.
Außerdem wird die Ergonomie durch die speziell entwickelte „Flat Ergo Technology“ garantiert. Die Passform konnte durch die Entwicklung sogenannter Flat Ergo Formen extrem verbessert werden.
Die neuen Formen bilden die Hand bis zu den Fingerkerben exakt nach und verbessern nachhaltig die Passform beschichteter Schutzhandschuhe. Die Verwendung von Elasthan bei den gestrickten Linern unterstützt zusätzlich die hohe Flexibilität und Taktilität der Serie.
Hautsensorik und Thermophysiologie
Grundsätzlich wurde bei dieser neuen, exklusiven Technologie das sogenannte Double Face Prinzip angewendet, welches verschiedene Layer, die unterschiedliche Funktionen erfüllen, kombiniert und modernste, schnittfeste Hybridgarne mit Bambus-Komfortfasern analog einer Helix verbindet.
Die Schutzfunktion liegt so außen an, die Komfortfunktion an der Hautoberfläche. So sichert die uvex PROFAS helix® C5 Serie höchsten Schnittschutz (Level 5), besonders hohe Abriebfestigkeit (Level 4) und herausragenden Tragekomfort. Die verwendeten Beschichtungen schlagen nicht auf die Innenseite durch (wie z.B. bei PU Handschuhen).
Die Haut kommt ausschließlich mit den klimaoptimierten Bambus-Komfortfasern in Kontakt. Neben einem seidigen Tragegefühl kühlt diese ressourcen- und umweltschonende Faser angenehm und wirkt klimaausgleichend.
Weitere Kennzeichen sind eine gute Feuchtigkeitsaufnahme und schnelle Rücktrocknung. Das garantiert angenehm trockene Hände. Die Serie ist darüber hinaus nach Öko-Tex Standard 100 zertifiziert.
Komfort messbar gemacht
Wie ist Komfort messbar? Natürlich entscheidet über den tatsächlichen Komfort immer ein Praxistest in Unternehmen unter realen Einsatzbedingungen. Wichtig sind aber schon in der Entwicklungsphase wissenschaftliche „Klimatests“ in eigenen Labors und unabhängigen externen Prüfinstituten.
Entscheidend dabei ist die Hautsensorik und Thermophysiologie. Durch den Einsatz von Bambus entsteht ein seidiges Tragegefühl. Hierfür sorgen die „Komfortschlingen“ der Naturfaser. Dies wurde durch Messungen am Institut Hohenstein unabhängig bestätigt.
Für den Komfort spricht auch ein günstiger Benetzungsindex. Dieser gibt an, dass beim Schwitzen ein Textil hautsensorisch umso günstiger empfunden wird, je schneller flüssiger Schweiß von der Haut wegtransportiert werden kann.
Insbesondere bei dichten Beschichtungen für den Umgang mit Flüssigkeiten ist es nicht nur wichtig, das Schweiß abtransportiert werden kann, sondern das Feuchtigkeit gespeichert wird, ohne gleich ein nasses Tagegefühl zu erzeugen.
Kunstfasern nehmen meist nur sehr wenig Feuchtigkeit auf, so dass die Kombination Kunstfaser mit einer dichten Beschichtung nicht ideal ist. Andere Naturfasern stoßen schnell an ihre Flüssigkeitsspeichergrenzen.
Bambus hingegen kann bis zu 50% mehr Feuchtigkeit speichern als andere Naturfasern (Messungen am Institut Hohenstein). Eine komfortable Lösung muss aber auch eine leistungsfähige atmungsaktive Beschichtung (Imprägnierung) berücksichtigen, sofern der Einsatzzweck es zulässt.
Die Atmungsaktivität einer Gewebe- und Beschichtungskombination wird mit dem sog. Ret Wert gemessen (Wasserdampfdurchgangswiderstand). Ein Ret Wert von < 20 gilt als „fühlbar atmungsaktiv“.
Mit der neu entwickelten Generation der High Performance Elastomer (HPE) Beschichtungen und Imprägnierungen in den Ausführungen dry, wet und foam wird dieser Wert unterschritten. Das Ergebnis ist ein atmungsaktives, klimaregulierendes Produktkonzept.
Durch die Kombination modernster schnittfester Hybridgarne mit Bambus-Komfortfasern und innovativen Beschichtungskonzepten ist es möglich geworden, schadstoffreie, klimaoptimierte und hautfreundliche Schnittschutzprodukte die perfekt schützen „Made in Germany“ herzustellen.
Autoren:
Dr. Wolfgang Kesting, Leiter Entwicklungszentrum uvex Profas, Profas GmbH & Co. KG; Wolfgang Hornberger, Leiter Produktgruppenmanagement SBU Gloves, PROFAS GmbH & Co. KG






