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Unfallverhütung am Bau

Die Akzeptanz für Helme erhöhen

Allein für das Jahr 2007 registrierte die Berufsgenossenschaft der Bauwirtschaft (BG Bau) 14.000 Arbeitsunfälle mit Kopfverletzungen. Oftmals hätte ein Schutzhelm Schlimmeres vermeiden können. SIFATipp sprach mit Dipl.-Ing. Jörg Schneider, Obmann des Sachgebiets „Kopfschutz“ der BG Bau, über Möglichkeiten, die Helmpflicht besser durchzusetzen und so mehr Arbeitsunfälle zu verhindern.

Unfallverhütung: Allzu oft heißt es nach Arbeitsunfällen am Bau, ein Helm hätte Schlimmerers verhindern können.

Unfallverhütung: Allzu oft heißt es nach Arbeitsunfällen am Bau, ein Helm hätte Schlimmerers verhindern können.

Ein Arbeitsunfall ist schnell passiert

Schutzhelme gehören zu der elementaren Persönlichen Schutzausrüstung im Baugewerbe, trotzdem sieht man immer wieder Beschäftigte auf Baustellen, die ohne jeden Kopfschutz arbeiten und damit riskieren, bei einem Arbeitsunfall Verletzungen davon zu tragen. Helme sind leider nicht beliebt. Damit nicht genug, werden teils Schutzhelme getragen, die ihr Haltbarkeitsdatum überschritten haben.

Vorsicht: Werkzeug von oben

Ein Arbeitsunfall ist schnell passiert: Fällt dem Kollegen auf dem Gerüst ein Werkzeug aus der Hand und ein anderer steht darunter auf dem Boden, drohen gefährliche Kopfverletzungen. Ohne jeden Kopfschutz ist das Risiko nun enorm groß.

Aber auch mit Schutzhelm könnte es passieren, dass der durch UV-Strahlen gealterte Kopfschutz des Bauarbeiters am Boden die Wucht des Aufpralls nicht mehr abfangen kann. Veraltete Schulhelme oder ein fehlender Kopfschutz können das Risiko einer gefährlichen Kopfverletzung nicht mindern. Ein Verstoß gegen die Helmpflicht kann bei einem Arbeitsunfall das Leben kosten.

Erfolgreiche Unfallverhütung ist auch eine Frage der Firmenkultur

Ob ein Schutzhelm getragen wird oder nicht, ist nach der Erfahrung des Präventionsexperten Dipl.-Ing. Jörg Schneider auch eine Frage der Firmenkultur. „Wenn der Polier, der Bauleiter oder der Unternehmer selbst ohne Kopfschutz auf der Baustelle unterwegs sind, ermuntert das die Bauarbeiter nicht, selbst einen Helm zu tragen. Im Gegenteil, die Führungskräfte haben hier eine klare Vorbildfunktion“, so Schneider. Es sei weniger das Vergessen des Schutzhelms nach der Frühstückspause, sondern eher ein generelles Problem mit Helmen, das zu den Verstößen gegen die Helmpflicht führt.

Störend nicht nur im Sommer

Aus seiner Tätigkeit als Aufsichtsperson kennt Jörg Schneider die vielen Argumente, die gegen Schutzhelme ins Feld geführt werden. „Im Sommer klagen die Bauarbeiter darüber, dass man unter dem Helm stärker schwitzt. Überhaupt stören sich einige an dem Gefühl, einen Helm tragen zu müssen“, erläutert der Experte für Kopfschutz. Aber es sei nicht nur eine Frage der Gewohnheit, immer einen Helm zu tragen. Man kann auch etwas zur Steigerung der Akzeptanz für Schutzhelme tun.

Belüftung der Helme verbessern

„Gegen eine Hitzestauung unter dem Helm können Belüftungsöffnungen helfen. Allerdings gibt es durch die Vorgaben der Norm EN 397 klare Einschränkungen“, macht Schneider deutlich. So könnten die Belüftungsstellen im Helm nach dieser Norm eine bestimmte Größe nicht überschreiten, damit keine Kleinteile wie Schrauben die Helmbarriere durchdringen können und dann doch zu Kopfverletzungen führen.

Seit März 2006 gibt es jedoch mit der Norm 14052 eine Alternative, die ein flexibleres Design zulässt. Wegen ihrer hohen Anforderungen an die Prüfung und dem insgesamt höheren Preis der Helme, fehlt diesen sogenannten Hochleistungshelmen aber die Verbreitung auf dem Markt. Außerdem sei ein europäisches Forschungsprojekt des CEN/TC 158 zur Definition der Messung und Bewertung für Helmbelüftungen noch nicht abgeschlossen. Und ohne eine Vergleichbarkeit unter den Helmen mit Belüftung fällt dem Einkauf eines Unternehmens die Wahl schwer.

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Auf den richtigen Sitz kommt es an

Neben einer Verbesserung des Helmklimas sieht Jörg Schneider weitere Optimierungsmöglichkeiten bei der Wahl von Schutzhelmen. „Die Verstellung des Kopfbandes ist bei den meisten Helmen nur in 5-Millimeter-Schritten möglich. Das mag für viele Kopfformen ausreichend sein. Aber bei einigen Helmträgern sitzt der Kopfschutz einfach zu locker oder zu fest. Das senkt die Akzeptanz. Zudem sind lockere Helme kein guter Schutz“, berichtet Schneider.

Ein besseres Trageverhalten bei Helmen könnte man zum Beispiel durch Helmmodelle erreichen, die einen Drehverschluss am Kopfband haben, der sich stufenlos einstellen lässt. Diese Modelle sind jedoch teurer. Auch die Art der Bebänderung kann das Tragegefühl beeinflussen.

So sind 6-Punkt-Textil-Bebänderungen im Sitz und vom Tragekomfort besser zu bewerten als 4-Punkt-Bebänderungen aus Kunststoff. Das Gewicht des Helms spiele dagegen kaum eine Rolle. „Zwischen 380 und 440 Gramm wiegen die meisten Schutzhelme. Wenn der Helm richtig sitzt, spürt man das auf dem ganzen Kopf verteilte Gewicht eigentlich gar nicht“, so der Obmann des Sachgebietes Kopfschutz.

Zeit zu wechseln

Wenn also neue Helme angeschafft werden, könnten Helme mit den beschriebenen Eigenschaften die Akzeptanz des Helmtragens erhöhen. Und gewechselt werden müssen Schutzhelme, alleine schon wegen der UV-Alterung.

„Wir empfehlen, PE-Helme alle vier Jahre zu wechseln. Manchmal treffen wir auf Baustellen jedoch auch auf Helme, die bis zu sieben Jahre alt sind“, beschreibt Jörg Schneider die Situation. Ein Blick in den Helm zeigt das eingeprägte Herstellungsdatum. Um aber alle Helme rechtzeitig auszutauschen, sollten Unternehmen oder Bauleiter am besten eine Wiedervorlage erstellen, die vier Jahre nach der Anschaffung den kompletten Helmwechsel für alle Arbeiter anzeigt.

Auch wenn sich nicht genau sagen lässt, wie viele der 14.000 Kopfverletzungen in 2007 in der Bauwirtschaft sich auf Versäumnisse bei der Helmpflicht zurück führen lassen, ist die Akzeptanzsteigerung bei Schutzhelmen zweifellos eine wichtige Maßnahme gegen Arbeitsunfälle am Bau.

Oliver Schonschek ist Diplom-Physiker und Fachjournalist

Veröffentlicht:
2009-03-26

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