Sicherheitsschuhe
Wo der Sicherheitsschuh wirklich drückt
Normgerechte Sicherheitsschuhe finden nicht immer die notwendige Akzeptanz, denn auch im Sicherheitsschuh muss das Arbeitsklima stimmen. Einrichtungen wie das Bekleidungsphysiologische Institut Hohenstein haben in Projekten gezeigt, wie sich der Hitzestau im Sicherheitsschuh beseitigen lässt, ohne die Sicherheitsanforderungen zu vernachlässigen.
Ein Sicherheitsschuh muss genauso wie der Wanderschuh ein Kriterium erfüllen: Er darf nicht zu unbequem sein
Ohne Akzeptanz ist PSA sinnlos
Bekanntlich kann eine Persönliche Schutzausrüstung (PSA) nur dann die Sicherheit steigern, wenn sie auch akzeptiert und getragen wird. Der Akzeptanz durch den Nutzer kommt also bei der Wahl neuer PSA ein hoher Stellenwert zu.
Trotzdem werden nicht immer die Benutzer in die Auswahl einbezogen. So verwundert es nicht, dass lieber die alte PSA genutzt wird als die gerade erst angeschaffte. Dies trifft auch auf Sicherheitsschuhe zu, selbst wenn diese bereits seit langem zum Standard in vielen Branchen gehören.
Warum der Sicherheitsschuh nicht akzeptiert wird
Sicherheitsschuhe werden aus verschiedenen Gründen ungern oder gar nicht getragen, darunter:
- Die Beweglichkeit der Sohlen wird als zu gering empfunden.
- Das Schuhgewicht ist dem Träger zu hoch.
- Die Schutzkappen schränken die Bewegungsfreiheit ein.
- Und nicht zuletzt: In den Sicherheitsschuhen herrscht eine extreme Hitze für die Füße.
| Mehr zum Thema Sicherheitsschuh |
Was Sicherheitsschuhe leisten sollten
Damit Sicherheitsschuhe wirklich akzeptiert werden, sollten diese nicht nur den Normen wie DIN EN ISO 20345, DIN EN ISO 20346 und DIN EN ISO 20347 entsprechen, sondern von den Benutzern auch so empfunden werden, dass sie
• den Zehen ausreichend Platz lassen,
• keine Druckstellen verursachen,
• eine hohe Passgenauigkeit haben,
• ein geringes Gewicht und ein gutes Abrollverhalten aufweisen und
• eine angenehme Innentemperatur für den Fuß ermöglichen.
Fußklima entscheidet über die Akzeptanz
Dabei sollte dem Hitzeproblem in Sicherheitsschuhen eine besondere Aufmerksamkeit geschenkt werden. Zu einem Wohlfühlklima bei der Arbeit gehören Sicherheitsschuhe ohne Hitzestau unbedingt dazu. Nicht atmungsaktive Schuhe führen zu schwitzenden Füßen, die für Pilzinfektionen und Hautverletzungen anfälliger sind. Ein besseres Schuhklima kann man zum einen erreichen durch eine klimaregulierende Funktion von Schuhobermaterial und Innenfutter sowie atmungsaktive, feuchtigkeitstransportierende und antibakterielle Schuheigenschaften.
Zum anderen sollten die Sicherheitsschuhe Zeit zum Lüften haben. Jeder Beschäftigte, der Sicherheitsschuhe tragen muss, bräuchte also für ein gutes Schuhklima zwei Paar Sicherheitsschuhe, damit Gelegenheit zum Wechseln besteht. In jedem Fall sollten die Schuheinlagen regelmäßig gewechselt und nach Herstellervorgaben getrocknet werden. Auch die Socken in den Sicherheitsschuhen sollten so gewählt sein, dass sie nicht zum Feuchtigkeitsspeicher werden, wie dies bei Baumwollsocken leider der Fall ist.
PC-Kühlung als Vorbild für Sicherheitsschuhe
Aber es gibt noch weitere Möglichkeiten, wie sich das Klima in Sicherheitsschuhen verbessern lassen könnte. Forschungsstellen wie die FH Zweibrücken, das Bekleidungsphysiologische Institut Hohenstein und das Prüf- und Forschungsinstitut Pirmasens haben sich in Projekten mit der Optimierung von Sicherheitsschuhen befasst. Dazu gehörten auch selbstregulierende Wärmeleitungen in Sicherheitsschuhen. Das Prinzip dieser Schuhvorrichtung erinnert an die Kühlung eines Personal Computers.
In dem Projekt kamen so genannte Heatpipes (Hitzerohre) zum Einsatz. Dabei handelt es sich um ein teils mit Flüssigkeit gefülltes Kupferrohr, das die Wärme aus dem Schuh heraus transportieren kann. Die Flüssigkeit in dem Rohrteil, das sich innerhalb des Schuhinnenraums befindet, verdampft und kondensiert auf der anderen Seite des Rohres im Außenbereich des Schuhs wieder. Wie in einem Kreislauf kann die Flüssigkeit in den Innenbereich des Schuhs zurückkehren und erneut Wärme von dort durch Verdampfen des Flüssigkeit mitnehmen.
Möglichkeiten für ein besseres Schuhklima gibt es genug
Neben den Heatpipes haben die Forscher weitere Möglichkeiten erfolgreich getestet. Dazu gehören vom Fuß abgekoppelte Feuchtespeicher oder ein elektronisch gesteuertes Lüftersystem im Sicherheitsschuh, das mit einem Handy-Akku betrieben werden kann. Was genau für ein besseres Fußklima zum Einsatz kommen kann, muss nach Analyse des Einsatzbereiches festgelegt werden.
Diese Beispiele zeigen jedoch, dass das Schuhklima im Sicherheitsschuh durchaus optimiert werden kann. Bei der Auswahl von Sicherheitsschuhen sollten deshalb auch Anforderungen an die Hersteller gestellt werden, die für ein besseres Fußklima und damit für mehr Akzeptanz und Sicherheit sorgen.
Oliver Schonschek, Diplom-Physiker und Fachjournalist






