Auszubildende
Aller Anfang ist schwer
Junge Erwachsene zwischen 18 und 24 Jahren leben mit einem 50% höheren Risiko, einen Arbeitsunfall zu erleiden als alle anderen Berufsgruppen, das ergab eine Studie von Eurostat. Für Sie als Arbeitschutzbeauftragten beginnt mit dem ersten Arbeitstag der neuen Auszubildenden deshalb eine besonders wichtige und anspruchsvolle Aufgabe. Je besser es Ihnen gelingt, den jungen Berufseinsteigern ein Gefahrenbewusstsein zu vermitteln, desto sicherer wird ihre berufliche Laufbahn verlaufen.
Die Unterweisung für Auszubildende
„Hohe Risikobereitschaft, Unkenntnis und Unerfahrenheit tragen dazu bei, dass der Anteil jugendlicher Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer an Arbeitsunfällen so erschreckend hoch ist“ analysierte der Staatssekretär im Ministerium für Arbeit, Soziales, Gesundheit, Familie und Frauen, Dr. Richard Auernheimer im April 2007 die aktuelle Unfallstatistik.
Als Sicherheitsfachkraft können Sie zumindest gegen die Unkenntnis angehen, um Ihren neuen Schützlingen einen sicheren Start in das Berufsleben zu erleichtern.
Außen cool und innen ängstlich
Jahrelang haben Ihre neuen Auszubildenden die Schulbank gedrückt. Die größte Gefahr, körperlichen Schaden zu nehmen ging von den Mitschülern aus. Der Arbeitsplatz selbst war so sicher wie er nur sein kann. Ein schlimmerer Unfall, als vom Stuhl zu fallen, kann einem Schüler im Klassenzimmer kaum zustoßen.
Mit genau diesem Erfahrungshorizont treten Auszubildende in den Betrieb ein: Ihnen ist die soziale Anerkennung weitaus wichtiger als die Unfallverhütung, die bis dahin nie ein Thema war. Ihre besonders schwierige Aufgabe ist es deshalb, den jungen Menschen die Angst vor den neuen Kollegen zu nehmen und ihnen gleichzeitig ein Sicherheitsbewusstsein zu vermitteln.
Vertrauen aufbauen
Sicherheitsschuhe, Gehörschutz, Atemmaske, Schutzbrille, alles ist unbequem und auch modisch nicht unbedingt en Vogue. Die Gefahr ist groß, dass die direkten Mitarbeiter der neuen Auszubildenden wichtige Teile ihrer persönlichen Schutzausrüstung deshalb gerne einmal in der Schublade lassen, wenn kein Vorgesetzter zuschaut. Sämtlichen Mitarbeitern sollte klar sein, dass sie mit der Einhaltung der Sicherheitsstandards auch eine wichtige Vorbildfunktion erfüllen.
Denn wenn im direkten Umfeld der Berufseinsteiger mit dem Arbeitsschutz geschludert wird, stehen die neuen Azubis vor einem Dilemma. Einerseits fehlt ihnen die Erfahrung, mögliche Gefahren selbst zu beurteilen, andererseits möchten sie weder als Streber noch als Memme dastehen, weil sie Sicherheitsanweisungen im Gegensatz zu erfahrenen Mitarbeitern einhalten.
Diesen Aspekt sollten Sie der Belegschaft vor der neuen Lehrlingssaison klar machen und sie motivieren, ihrer Verantwortung in ihrer Vorbildfunktion gerecht zu werden.
Unterweisung für den Azubi
Selbstverständlich muss jeder Berufsanfänger mit allen sicherheitsrelevanten Aspekten im Betrieb und am Arbeitsplatz vertraut gemacht werden. Das geht mit den Verbandskästen und Feuerlöschern los, mit der persönlichen Schutzausrüstung weiter und schließt letztendlich alle Sicherheitsvorkehrungen in Gefahrenbereichen ein. Eine Menge Stoff auf einmal.
In den ersten Wochen stürmen so viele Eindrücke und Informationen auf einen neuen Auszubildenden ein, dass er gerade im Sicherheitsbereich große Mühe haben wird, sich alles zu merken. Versuchen Sie deshalb, mit dem Ausbilder eine behutsame und schrittweise Annährung an gefährliche Tätigkeiten zu erarbeiten.
Bei der Einweisung in die neuen Tätigkeiten und die damit verbundenen Schutzeinrichtungen ist es hilfreich, mit Beispielen zu argumentieren. Sie sind mit allen Arbeitsunfällen, die im Betrieb stattgefunden haben vertraut. Erzählen Sie ruhig darüber, konkrete Fälle sind viel plastischer und eindrücklicher als blanke Theorie.
Schulungsunterlagen und Arbeitsblätter
Auf der Website www-starte-sicher.de können Auszubildende in einem interaktiven Quiz mit Themen wie zum Beispiel Brandschutz, Gefahrstoffen und Gesundheitsschutz vertraut machen, in dem Forum neu-im-job.de tauschen sich Azubis über ihre Erfahrungen aus. Die Seite „Jugend will sich erleben“ stellt die Ergebnisse früherer Wettbewerbe vor und enthält Informations- und Arbeitsunterlagen für Schüler und Ausbilder.
Fazit
Europäische Kommissionen, Berufsgenossenschaften und Berufsverbände ringen darum, Berufseinsteigern das Thema Sicherheit schmackhaft zu machen. Keine leichte Aufgabe, denn ein todernster Hintergrund wird nicht plötzlich cool und flippig, nur weil man sich auf Augenhöhe begibt. Als Arbeitsschutzbeauftragter haben Sie viel bessere Chancen, die Auszubildenden zu erreichen.
Vor allem, wenn es Ihnen gelingt, die gesamte Belegschaft für Arbeitssicherheit zu sensibilisieren, lernen die Berufseinsteiger von Anfang an den richtigen Umgang mit den möglichen Gefahren.
Autor: Lisa Reisch





