Heben und Tragen
Lasten richtig tragen und heben
Ob Maurer, Händler oder Ladearbeiter, in vielen Berufen gehört das Heben und Tragen schwerer Lasten zu den täglichen Aufgaben. Das kann zu Betriebsunfällen und Dauerschmerzen führen, im schlimmsten Fall sogar zur Arbeitsunfähigkeit. Beugen Sie vor – durch ein optimales Arbeitsumfeld und ein Hebetraining für Ihre Mitarbeiter.
Das Risiko beim Heben von Lasten gering halten
Es ist die Wirbelsäule, die uns durch das Leben trägt. Sie verleiht Beweglichkeit und Stabilität, auch im übertragenen Sinne: „Der hat Rückgrat“, sagt man, wenn jemand allen Anforderungen gewachsen ist. Dieser wertvolle Teil des Körpers sollte schonend behandelt werden.
Wer beim Heben von Lasten falsch anpackt oder oft zu schwere Lasten trägt, kann seiner Wirbelsäule Schäden zufügen. Das Spektrum reicht von Ischias-Beschwerden über den Hexenschuss bis hin zum Bandscheibenvorfall.
Das Risiko beim Tragen von Lasten gering halten
Unternehmer und ihre Sicherheitsfachkräfte müssen das gesundheitliche Risiko für die Beschäftigten so gering wie möglich halten. Es gilt also, auch das Tragen schwerer Lasten auf ein Minimum zu reduzieren und durch Hilfsmittel zu erleichtern.
Gestalten Sie die Arbeitsplätze so, dass die Mitarbeiter in ergonomisch günstiger Körperhaltung Lasten heben, absetzen, schieben, ziehen und tragen können. Je nach Gewerbe können das Hebezeuge und Arbeitsbühnen sein, Tragehilfen, Stapler oder andere Transportmittel. Schon eine einfache Sackkarre kann gute Dienste leisten.
Eine Unterweisung ist Pflicht
Ganz ohne Geschleppe geht es leider nicht. Bei den Hebe- und Tragetätigkeiten, die erforderlich sind, sollten Sie daher Folgeschäden vorbeugen. Die Lastenhandhabungsverordnung (LasthandhabV) gibt den rechtlichen Rahmen für das Tragen von Lasten vor. Danach sind bestimmte Kriterien zum Schutz der Beschäftigten zu beachten. Dazu zählen auch organisatorische Maßnahmen wie die Unterweisung der Mitarbeiter.
Nach § 4 der Verordnung müssen Vorgesetzte ihren Beschäftigten möglichst genaue Informationen für das Heben und Tragen von Lasten geben. Das betrifft sowohl die sachgemäße Handhabung als auch die Gefahren, denen sie ausgesetzt sind – insbesondere bei unsachgemäßer Ausführung der Tätigkeit.
Die drei schlimmsten Fehler beim Heben von Lasten
Generell gilt: Die Wirbelsäule kann senkrecht wirkende Kräfte am besten verkraften. Der Schwerpunkt des Körpers sollte also möglichst direkt über der Last liegen. Gewichte, die weit vom Körper entfernt gehoben oder gehalten werden, führen zu einer einseitigen Belastung. Das gilt auch für das Heben und Tragen von Lasten mit nur einer Hand.
Gift für die Wirbelsäule ist:
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Heben mit der Kraft des Rückens
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Heben mit gleichzeitiger Drehbewegung des Oberkörpers
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Heben mit weit ausgestreckten Armen
Lieber weniger und dafür öfter
Ermuntern Sie Ihre Mitarbeiter, zunächst Alternativen abzuwägen: Muss der Gegenstand überhaupt gehoben werden? Manchmal tut es schon die Schiebetechnik. Vielleicht kann auch jemand mit anpacken. Oder lässt sich die Last aufteilen? Besser dreimal laufen und weniger Schleppen als beim ersten Mal zusammenbrechen. Denn bei kleinen Gewichten von ein bis zwei Kilogramm und optimaler Haltung können Hunderte Hebevorgänge pro Schicht unkritisch sein. Dagegen können Lasten über 25 Kilogramm schon schwere Folgen haben, wenn sie nur gelegentlich gehoben werden. Übrigens spielt auch die Temperatur eine Rolle: Bei Arbeiten in kalter Umgebung ist die Muskulatur weniger belastbar.
Kleine Schule für richtiges Heben von Lasten
Sobald Sie in der Firma Katzenbuckel oder Hohlkreuze sehen, sollten Sie einschreiten und Ihre Belegschaft aufklären. Ideal ist eine jährliche Unterweisung in rückenschonende Arbeitstechniken und Hebeverfahren, unter Anleitung des Betriebsarztes.
Zehn Schritte zum richtigen Heben von Lasten:
1. Positionieren Sie sich möglichst nah und frontal zum Gegenstand
2. Die Füße stehen hüftbreit auseinander, der Fuß sollte komplett den Boden berühren
3. Die Beine sollten leicht gebeugt sein, mit einem Kniewinkel von mindestens 90 Grad
4. Spannen Sie die Bauchmuskeln an, während Sie entspannt weiter atmen
5. Nutzen Sie zunächst nur die Kraft aus den Beinen
6. Auf etwa halber Körperhöhe übernehmen die Arme das Gewicht
8. Halten Sie die Arme angewinkelt und dicht am Körper
9. Beugen Sie sich beim Heben nicht vor, der Rücken sollte gerade bleiben
8. Vermeiden Sie Verdrehungen der Wirbelsäule
10. Bewegen Sie die Last nicht ruckartig
Wo die zumutbare Grenze beim Tragen von Lasten liegt
Wie viel Kilogramm verträgt der Mensch? Ganz genau ist das schwer zu sagen, schließlich sind neben Alter und Geschlecht auch Körperbau, Gesundheit und Trainingszustand entscheidend. Bei den Maximalwerten gibt es unterschiedliche Auffassungen. Als Anhaltspunkt gelten diese Obergrenzen:
Für Frauen:
- 15-17 Jahre: 10 Kg
- 18-39 Jahre: 15 Kg
- ab 40 Jahren: 10 Kg
Für Männer:
- 15-17 Jahre: 15 Kg
- 18-39 Jahre: 25 Kg
- ab 40 Jahre: 20 Kg
Diese Werte können aber wirklich nur grobe Anhaltspunkte sein.
Eine Ausnahme sind werdende Mütter. Sie dürfen nach dem Mutterschutzgesetz keine Arbeiten durchführen, bei denen regelmäßig Lasten von mehr als fünf Kilogramm oder gelegentlich Lasten von mehr als zehn Kilogramm von Hand gehoben oder befördert werden müssen.
Fazit
Gerade im Job lässt sich Heben und Tragen von Lasten nicht immer vermeiden. Es gibt aber viele Hilfsmittel und Techniken, die das Berufsleben leichter machen. Mitarbeiter, die regelmäßig größere Lasten manuell befördern, müssen dafür körperlich geeignet sein. Sobald Zweifel bestehen, sollten Sie den Betriebsarzt hinzuzuziehen.
Christine Lendt





