Azubis und Arbeitsschutz
Die Unterweisung für Azubis
Raus aus der Schulklasse, rein in den Arbeitsalltag. Für Auszubildende eine ganz schöne Umstellung. Da haben die meisten Jugendlichen keine Lust, sich auch noch mit so „uncoolen“ Sachen wie Arbeitsschutz zu beschäftigen. Müssen sie aber. Dafür sollten Sicherheitsfachkräfte und Arbeitgeber sorgen - auch wenn das nicht immer so leicht ist.
Die Unterweisung für den Azubi: Arbeitsschutz stößt bei vielen Azubis nicht gerade auf großes Interesse
Jährlich werden etwa eine Million Arbeitsunfälle bei den Berufsgenossenschaften gemeldet. Jeder dritte Arbeitsunfall betrifft einen Beschäftigten, der jünger als 30 Jahre alt ist. Eine Statistik, die nachdenklich macht. Die Gründe sind vielfältig.
Die Jobneulinge sind unerfahren und oft überfordert, hinzu kommt eine alterstypische Risikobereitschaft. Manchmal liegt der Fehler auch auf der Arbeitgeberseite. Nicht immer werden junge Berufsstarter ausreichend in den Arbeitsschutz eingewiesen.
Wer ist für die Unterweisung der Azubis zuständig?
In größeren Firmen mit mehr als 20 Mitarbeitern übernimmt die Fachkraft für Arbeitssicherheit die Einweisung in den Arbeitsschutz. In kleinen Unternehmen ist in der Regel der Vorgesetzte, häufig der Arbeitgeber, dafür zuständig.
Einige Berufsgenossenschaften bieten Kleinbetrieben das Unternehmermodell an. Dabei werden Arbeitgeber so geschult, dass sie Gefährdungsbeurteilungen selbst vornehmen und die notwendigen Arbeitsschutzmaßnahmen ermitteln können.
Doch egal ob kleiner oder großer Betrieb, die Unterweisung für den Azubi muss korrekt und verständlich sein. Vor allem aber muss der verantwortliche Betreuer die Jugendlichen ansprechen - und nicht langweilen.
Das könnte sich tatsächlich als der schwierigste Punkt herausstellen. Denn Arbeitsschutz stößt bei vielen Azubis nicht gerade auf großes Interesse. Die Qualifikation des Betreuers ist hier entscheidend:
Der Betreuer sollte...
- zuverlässig und fachkundig sein.
- die erforderlichen menschlichen und pädagogischen Fähigkeiten besitzen.
- gefährliche Anzeichen, beispielsweise Überforderung oder Selbstüberschätzung, erkennen.
- darauf achten, dass die Neueinsteiger erst an die Arbeit gehen, wenn sie unterwiesen wurden.
- auf eine eventuell notwendige Untersuchung beim Arzt bestehen.
- wissen, unter welchen Voraussetzungen Jugendliche arbeiten dürfen (Arbeitszeiten, Arbeitsplatz etc.).
- jederzeit bei Fragen und Problemen als Ansprechpartner zur Verfügung stehen.
- sich auf die unterschiedlichen Charakteren seiner Schützlinge einstellen können. Die meisten Jugendlichen sind unsicher, auch wenn sie nach außen selbstbewusst auftreten.
Anregungen für die Unterweisung der Azubis: Das motiviert
Neue Medien nutzen
Papier ist out. Wenn Sie das Interesse junger Berufsstarter wecken möchten, müssen Sie auch bei der Unterweisung die Möglichkeiten der Neuen Medien nutzen. Computer sind aus dem Leben der Jugendlichen nicht mehr weg zu denken, sie sind schließlich damit groß geworden. Setzen Sie CDs, DVDs oder Powerpointpräsentationen ein. Weisen Sie Jobanfänger auf spezielle Internetportale hin, die besonders Jugendliche ansprechen.
Mitdenken fördern
Die Firma Daimler in Mannheim hat sich etwas ganz Besonderes für ihre Jobstarter überlegt: Der Nachwuchs darf Probleme aus den Bereichen Arbeitssicherheit und Gesundheitsschutz eigenständig bearbeiten.
Die Berufsanfänger müssen für reale Anfragen eine Lösung finden. Dabei sollen sie unter anderem Durchführbarkeit und Kosten berücksichtigen. Ein vorbildliches Projekt, das 2005 mit dem Deutschen Arbeitsschutzpreis in der Kategorie "Organisation und Motivation" belohnt wurde.
Auszeichnen
Motivieren Sie Ihre Azubis, sich für den Jugendarbeitsschutz-Preis zu bewerben. Dieser wird alle zwei Jahre verliehen und zeichnet Jugendliche aus, die die Sicherheit und den Gesundheitsschutz am Arbeitsplatz verbesserten – und das unmittelbar und mit möglichst geringem Aufwand. Leider ist die Teilnahmefrist für das Jahr 2008 schon abgelaufen, aber so bleibt noch viel Zeit, eine Arbeitsschutz-Idee für 2010 zu entwickeln.
Fazit
Arbeitssicherheit und Gesundheitsschutz sind wichtige Themen, die Sie als Arbeitsschutzverantwortlicher auf keinen Fall nebenbei abhandeln dürfen. Auch dann nicht, wenn die Resonanz bei dem Nachwuchs eher gering ist.
Sprechen Sie Jugendliche so an, dass ihre Neugierde und ihr Interesse geweckt wird. Hören Sie sich um. Vielleicht können Sie von den positiven Beispielen in anderen Unternehmen lernen.
Nicht zu vergessen: Vertrauen ist gut. Kontrolle ist besser. Sehen Sie den Azubis immer wieder auf die Finger, ob sie auch alle Sicherheitsmaßnahmen beachten.
Bitten Sie Kollegen, ein Auge auf die Frischlinge zu werfen. Fehler sollten Sie nicht nur kritisieren, sondern auch Lösungen aufzeigen. Sobald Sie merken, dass ein Berufsstarter Probleme hat, vielleicht überfordert ist, sollten Sie beratend und helfend zur Seite stehen.
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Petra Dietz, freiberufliche Fachjournalistin





