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Risikokommunikation

Was man aus der Schweinegrippe für den Arbeitsschutz lernen kann

Die Schweinegrippe hat in Deutschland insbesondere eines erregt: öffentliches Aufsehen. Trotzdem war die Impfbereitschaft in der Bevölkerung gering. Möglichst viele Informationen über ein neues Risiko reichen also nicht aus, um einer Gefahr zu begegnen. Ein Rückblick auf die Risikokommunikation bei der Schweinegrippe kann hilfreich sein für Ihre zukünftige Unterweisung im Arbeitsschutz.

Die Schweinegrippe sorgte im letzten Jahr für allgemeine Aufregung. Impfen wollte sich jedoch niemand.

Die Schweinegrippe sorgte im letzten Jahr für allgemeine Aufregung. Impfen wollte sich jedoch niemand.

Wenn Sie eine Unterweisung über vermehrt auftretende Arbeitsunfälle geben oder auf eine neue Berufskrankheit hinweisen wollen, kann es Ihnen durchaus passieren, dass einer der Teilnehmer im Hintergrund murmelt „Bestimmt wieder alle Aufregung umsonst, genau wie bei der Schweinegrippe“.

Trotz aller Informationen und Warnungen in den Medien und in den Betrieben blieb die Schweinegrippe im Wesentlichen ein Medienereignis. Die Impfung, die zuerst nicht schnell genug kommen konnte, wollte später kaum jemand haben. Was konnte das geschehen?

Risikokommunikation im Rückblick analysieren

Im März 2010 stellte das Paul-Ehrlich-Institut (PEI) einen Rückblick auf die Risikokommunikation im Zusammenhang mit der Schweinegrippe vor. Die Erfahrungen daraus könnten auch Ihnen in Zukunft helfen, die Mitarbeiter noch besser über Gefahren aufzuklären und von den Maßnahmen für mehr Arbeitsschutz zu überzeugen.

So stellte das PEI unter anderem fest, dass sich die Berichterstattung zu Beginn mit der Gefährlichkeit der Schweinegrippe befasste und die Frage nach einem Impfstoff immer lauter wurde. So wollte man wissen, ob es Impfstoff geben wird, wann dieser kommen wird und ob auch ausreichend Impfstoff für jeden verfügbar sein werde.

Erst Besorgnis, dann Berechnung

Doch wenige Wochen später geriet eine andere Fragestellung in den Mittelpunkt des Interesses: Wer soll die Impfung eigentlich bezahlen? Was soll die Impfung kosten? Aber auch die Qualität der Impfstoffe wurde hinterfragt. Aus der Angst vor einer Infektion wurde die Sorge um die Kosten und die möglichen Nebenwirkungen. Das ging so weit, dass von einem Großversuch an der Bevölkerung die Rede war.

Gleichzeitig wurde auf die saisonale Grippe verwiesen, die vielleicht sogar gefährlicher sei. Ein Stimmungsumschwung machte aus dem Angstthema Schweinegrippe ein zunehmend politisches Thema. Wie das PEI bei der Analyse beschrieb, wurden die „selbsternannten Experten“ immer lauter, die sich für oder gegen eine Impfung aussprachen. Die Informationsstellen der zuständigen Fachinstitute konnten kaum noch aktiv aufklären, sondern mussten laufend auf die Aussagen Dritter reagieren.

Sachliche Aufklärung notwendig

Im Ergebnis war die Aufmerksamkeit der Bevölkerung erschöpft, das Thema wurde zunehmend zerredet, die Impfmüdigkeit war die Folge. Nicht die Schweinegrippe war mehr das Thema, sondern die Kritik und die Konflikte zwischen den verschiedenen Meinungsgruppen Pro/Contra Impfung standen im Mittelpunkt.

Als Resultat brachte der viele Aufwand in der Risikokommunikation letztlich nicht die gewünschte Aufklärung. Dieses Phänomen ist aber nicht auf die Schweinegrippe begrenzt, sondern wird Ihnen aus Ihren Unterweisungen im Arbeitsschutz wahrscheinlich sehr bekannt vorkommen. Was also kann man anders machen, damit die Risikokommunikation nicht ins Leere läuft oder sogar das Gegenteil bewirkt?

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Worauf Sie bei der Unterweisung im Arbeitsschutz achten sollten

  • Zum einen brauchen Sie verlässliche Quellen, die Ihnen die notwendigen Fachinformationen bieten und keine Sensationsmeldungen, die schnell verpuffen.
  • Zum anderen müssen Sie mit Gegenmeinungen rechnen, die sich oftmals besser „verkaufen“ lassen als die mitunter aufwändigen, komplizierten Arbeitssicherheitsmaßnahmen. Wenn Sie zum Beispiel ansprechen wollen, dass Schutzhandschuhe getragen werden müssen, werden ohne Zweifel Gegenstimmen laut werden, dass die Handschuhe bei der Arbeit mehr behindern als schützen, vielleicht sogar, dass man sich mit den Handschuhen an der Maschine einklemmen und verletzen könnte.
  • Wie das Beispiel Schweinegrippe zeigt, sollten Sie deshalb bei Ihrer Risikokommunikation den „selbsternannten Experten“ so früh wie möglich den Wind aus den Segeln nehmen, also die Argumente gleich im Vorfeld entkräften. Reagieren Sie also nicht nach der Unterweisung auf Gegenargumente, sondern wehren Sie diese in der Unterweisung aktiv ab.
  • Suchen Sie dazu auch Verbündete im Unternehmen, die Sie vor der Unterweisung im Einzelgespräch überzeugen und die Ihre Information bezeugen und verstärken können.

Die Art Ihrer Risikokommunikation entscheidet ganz wesentlich über den Erfolg Ihrer Sicherheitsmaßnahmen. Andernfalls bleiben die Schutzhandschuhe genauso im Regal liegen wie der Impfstoff gegen die Schweinegrippe.

 

Oliver Schonschek, Diplom-Physiker und Fachjournalist

Veröffentlicht:
2010-07-01

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