Friseurasthma
Waschen, Schneiden - Atemnot
Im Friseursalon steht die Verschönerung des Haarschopfes im Mittelpunkt. Hier wird shampooniert, gefärbt und dauergewellt. Die Kunden werden attraktiver - und die Friseure immer kranker. Dass Haarkünstler häufig mit Hauterkrankungen zu kämpfen haben, ist allgemein bekannt. Doch nicht nur die Haut leidet in diesem Beruf, auch die Atemwege werden belastet. Friseurasthma wird vor allem durch Stäube und Dämpfe hervorgerufen. Atemwegsfreundliche Produkte und eine ausreichende Lüftung sind die effektivsten Präventionsmaßnahmen.
"Öko"-Frisur im Maisfeld?; Foto: pixelio.de
Gefahr liegt in der Luft
Pulver, Staub, Dämpfe und Aerosole - was so tagtäglich im Friseursalon herumschwirrt, ist nicht ohne. Die Angestellten kommen mit den Stoffen nicht nur über die Haut in Kontakt, sondern atmen diese auch ein.
Begünstigt wird die Schadstoffinhalation durch das leicht feuchte Klima, das in den meisten Salons herrscht. In dieser Luft können sich die Substanzen besonders gut halten.
Alles in allem eine ungünstige Konstellation, die nicht selten zu der Ausbildung einer Atemwegserkrankung führt. Diese kann sowohl direkt durch eine Reizung der Atemwege als auch indirekt durch eine allergische Reaktion hervorgerufen werden.
Eingeengte Atemwege
Friseure, die an beruflich erworbenen Atemwegserkrankungen leiden, weisen eine Einengung der Bronchien auf (Obstruktion). Diese wird durch eine gesteigerte Reaktionsbereitschaft der Atemwege auf Reize hervorgerufen. Sie sind die Folge einer Schleimhautschädigung der oberen Luftwege, deren Barrierefunktion beeinträchtigt ist.
Bei den Berufskrankheiten unterscheidet man zwei Formen von obstruktiven Atemwegserkrankungen:
Berufskrankheit 4301
Diese obstruktive Atemwegserkrankung wird durch eine Allergie verursacht, die in einem offensichtlichen Zusammenhang mit dem Arbeitsplatz steht. Dabei zeigt der Betroffene Symptome wie zum Beispiel Fließschnupfen, Niesanfälle, Augenreizungen, Husten, Atembeklemmung und Asthma.
Berufskrankheit 4302
Chemisch-irritative oder toxisch wirkende Stoffe können ebenfalls eine obstruktive Atemwegserkrankung herbeiführen. Vor allem Friseure, die ein empfindliches Bronchialsystem mit einer anlagebedingten gesteigerten Reaktionsbereitschaft haben, leiden unter den Arbeitsstoffen.
Belastung für die Atemwege
Es gibt viele Präparate im Friseursalon, die die Atemwege belasten können. Dabei denken die meisten zu Recht an Blondierungs- und Färbemittel. Aber selbst Shampoo oder Haarspray können die Gesundheit beeinträchtigen.
Blondieren
Hierbei wird entweder der komplette Schopf oder nur einzelne Strähnen stark aufgehellt. In beiden Fällen wird ein Blondierungsmittel verwendet, das unter anderem Wasserstoffperoxid und Ammoniumperoxodisulfat (APS) enthält.
Beide Stoffe sind für die Atemwege eine Belastung, wobei laut Studien der BGFA vor allem das APS eine große Rolle spielt. Die Untersuchungen ergaben, dass eine Inhalation von mehr als 5 mg APS/ m3 Atemluft über einen längeren Zeitraum zu einer Erhöhung der Atemwegsempfindlichkeit führen kann.
Färben und Tönen
Eine permanente Farbveränderung der Haare wird in der Regel mit Hilfe von Oxidations-Haarfarben erreicht. Diese sind zusammengesetzt aus Farbstoffzwischen- oder Farbstoffvorstufen (z.B. p-Phenylendiamin, Resorcin) sowie Stabilisatoren, Alkalisierungsmitteln, Trägersubstanzen, Komplexbildnern, Duftstoffen und Oxidationsmitteln.
Vor allem p-Phenylendiamin und verwandte Haarfarben gelten als sensibilisierend. Aber das gilt auch für sogenannte natürliche Haarpflege- und Färbemittel wie beispielweise Henna und Kamille. Auch können in den Produkten weitere Allergene enthalten sein wie Holzpulver, Vanillin- oder Sojaderivate.
Dauerwellen
Hier hat sich in den letzten Jahren etwas getan. Laut TRGS 540 muss in Dauerwellpräparaten der als sensibilisierend geltende Thioglycolsäuremonoglycerinester durch weniger sensibilisierende Stoffe ersetzt werden.
Allerdings sind die Dauerwellmittel immer noch nicht einwandfrei, schließlich enthalten sie noch weitere fragwürdige Substanzen wie Thioglycolsäure und Thioglycolat.
Shampoonieren
Dass selbst harmloses Waschen bereits eine Gefahr darstellt, mag einige überraschen. Doch Shampoo, Conditioner und Kuren sind ebenfalls nicht frei von Allergenen. Sericin (Seidenprotein), Kamille, Henna, Ringelblume und viele andere Substanzen können die Ausbildung einer Allergie begünstigen.
Styling und Finish
Für Volumen, Schutz oder Festigung werden im Friseursalon entsprechende Produkte eingesetzt, meist in Form von Schaum oder Spray. Zum Abschluss, also für das Finish, kommen dann in der Regel noch Haarspray oder Haarlack zum Einsatz. Bei der Verwendung dieser Produkte können jedoch Aerosole freigesetzt und eingeatmet werden.
Fazit
Ein Friseursalon ohne Färbe- und Stylingmittel? Undenkbar. Ebenso undenkbar ist es, dass es immer noch Arbeitgeber gibt, die ihre Mitarbeiter nicht genügend schützen. Dabei sind die Präventivmaßnahmen ebenso effektiv wie einfach: Lassen Sie Ihre Friseure nur mit atemwegsschonenden Produkten arbeiten.
Ölbeschwerte Pulver, Granulate und Pasten oder auflösbare Beutel für Blondierpulver reduzieren die Staubentwicklung deutlich. Damit wird natürlich auch die Menge der eingeatmeten Schadstoffe gemindert.
Sorgen Sie im Salon immer für Frischluft. Laut Technischer Regel TRGS 530 ist das sogar Pflicht. Hier ist eine Frischluftmenge von 100 m³/h je Mitarbeiter erforderlich, die ganzjährig durch Abluftventilation, natürlicher Querlüftung oder einer raumlufttechnischen Anlage erzeugt werden muss.
Links
- Mehr zum Thema auf den Seiten des ÖGD
- Allergien am Arbeitsplatz




