Schadstofferfassung am Arbeitsplatz
Gerade in der chemischen Industrie lassen sich in einigen Arbeitsprozessen entzündliche Lösemittel wie z. B. Aceton oder Methanol nicht durch harmlosere Stoffe substituieren. Hier sind neben den Anforderungen an Wasser- und Brandschutz spezielle lufttechnische Anlagen gefragt, die das Absaugen giftiger Dämpfe und Schadstoffe perfekt gewährleisten.
Schadstofferfassung am Arbeitsplatz (Foto: Denios)
Aber wie lassen sich im Umgang mit diesen Stoffen alle schutztechnischen Aspekte und eine vernünftige Aufbereitung des eingesetzten Lösemittels verbinden?
Ein Kunde aus der chemischen Industrie suchte nach einer effizienten, kombinierten Lösung aus den Bereichen Gefahrstofflagerung und Lufttechnik. Die beiden wesentlichen Aspekte wie effektiver Personenschutz verbunden mit einer gesetzeskonformen Lagerung entzündlicher Gefahrstoffe spielten für das Lösungskonzept eine entscheidende Rolle.
Anforderung und Lösung
Das Unternehmen benötigte einen Farbmischraum mit Reinigungsplätzen zur Innenaufstellung in einer Produktionshalle. Mehrere entscheidende Aspekte mussten in der angestrebten Lösung umgesetzt werden. Einerseits die Gewährleistung der effektiven Absaugung giftiger Schadstoffe, andererseits die gesetzeskonforme Lagerung zum sicheren Umgang mit wassergefährdenden und entzündlichen Gefahrstoffen.
In diesem Fall handelte es sich um Farben und Lacke sowie diverse Lösemittel zur Reinigung. Vorausgesetzt wurde ein System mit allen erforderlichen Zulassungen. Auch die hauseigene Werksnorm galt es zu berücksichtigen. Über den in der TRbF vorgeschriebenen 5-fachen Luftwechsel in einem aktiven Lager sollte bei der Nutzung des Farbmischraumes der 10-fache Luftwechsel realisiert werden.
Die Firma DENIOS empfahl ein begehbares F90-Brandschutzlager mit integriertem Gefahrstoffarbeitsplatz mit Absaugung. Dabei handelt es sich um einen Brandschutz-Container des Typs BMC mit F90-Brandschutz. Dieser gewährleistet eine Feuerbeständigkeit von mindestens 90 Minuten bei einer Brandbelastung von innen und außen.
Da der Raum neben der Lagerung brennbarer Stoffe auch für Misch-, Wasch- und Umfüllarbeiten bestimmt ist, werden erhöhte Anforderungen an den Personenschutz gestellt. Den Anforderungen an allgemeine Grenzwerte (AGW; MAK) wurde in der Vergangenheit durch einen 5-fachen Luftwechsel im Container entsprochen. Die relevanten Grenzwerte werden zukünftig weiter abgesenkt. Die Anforderung, mehr Schutz für den Anwender einzurichten, ist ein Schwerpunkt der neuen Betriebssicherheitsverordnung. Die Verordnung verlangt, dass Langzeitwirkungen schärfer betrachtet werden müssen.
Der Personen- und Umgebungsraumschutz wird durch spezielle Absaugtische sichergestellt. Zusätzlich werden über die Abluft des Arbeitstisches die notwendigen Luftwechsel nach TRbF 20 mit Absaugung oberhalb der Wanne erreicht. Die Ausführung der elektrischen Bauteile nach den geltenden Atex-Richtlinien wird selbstverständlich ebenso erfüllt wie die Ausführung der Auffangwanne nach § 19 WHG.
Aktiver Personenschutz
Bei dem begehbaren F90-Brandschutzlager spielt neben dem hierbei erforderlichen Explosionsschutz auch der Personenschutz eine übergeordnete Rolle. Lösemitteldämpfe dürfen sich nicht im Atmungsbereich des Mitarbeiters befinden.
Es empfehlen sich Anlagen, die über eine sinnvolle Luftführung die Dämpfe vom Atmungsbereich des Mitarbeiters trennen. In Frage kommt zum Beispiel eine Anlage, in der über eine definierte Strömungsgeschwindigkeit im Eingriffsbereich die Erfassung der Dämpfe sichergestellt wird. Die Frontscheibe des Tisches verfügt über zwei Eigenschaften. Sie dient zur Verringerung des Querschnitts und damit der erforderlichen Luftmenge und ist Spritzschutz für den Mitarbeiter. Auf das Tragen einer Schutzbrille kann der Mitarbeiter damit unter Umständen verzichten. Die verringerte Luftmenge hilft, die laufenden Kosten zu senken. Ein Stülpdeckel über dem Lösemittelbecken wirkt unterstützend, Verdunstungen des Mediums bei Nichtgebrauch zu minimieren.
Ein zusätzlicher Clou der Anlage verbirgt sich aber im unscheinbaren Sedimentabscheider. In ihm sind mehrere Kammern untergebracht. Durch diese Kammern wird das Medium geführt. So können sich die Schwebstoffe und schwereren Teilchen absondern. Die Umwälzpumpe sorgt im nächsten Schritt dafür, dass sich im Lösemittel-Becken nur reines Lösemittel befindet. Damit lässt sich die Reinigung der Teile besser bewerkstelligen.
Neben der gelegentlichen Reinigung des Sedimentabscheiders ist es bei einem lösemittelfreien Becken nur erforderlich, die Verdunstungsmenge des Reinigers nachzuführen. Bei den hohen Kosten für Beschaffung und Entsorgung werden die Umwelt, die Lösemittelbilanz und der wirtschaftliche Aufwand auf lange Sicht maßgeblich entlastet.
Eine komplette Dokumentation mit CE-Kennzeichnung, Atex-Konformitätsbewertung und der kompletten Umsetzung bis hin zur jährlichen Wartung der Anlage runden das Spektrum ab.
Der Kunde erhielt einen multifunktionalen Farbmisch- und Reinigungsraum, in dem die Gefahrstoffe gesetzeskonform und sicher gelagert werden können. Der geschützte Umgang ist ab der Inbetriebnahme für jeden Mitarbeiter gewährleistet.
Dipl.-Ing. (FH) Guido Röttgers, Product Development, DENIOS AG





