Document Actions

Gesundes Betriebsklima

Konflikte am Arbeitsplatz bewältigen

Diskussionen gehören zum Alltag der Fachkraft für Arbeitssicherheit. Nicht nur bei Unterweisungen kann es durchaus zu Streitereien kommen. Auch im Interesse der Gesundheit Ihrer Mitarbeiter sollten Sie mit Konflikten umgehen können.

Die Fachkraft für Arbeitssicherheit als Konfliktberater

Die Fachkraft für Arbeitssicherheit als Konfliktberater

Studien belegen es immer wieder: Psychische Belastungen am Arbeitsplatz nehmen zu. Viele Menschen sind nicht in der Lage, ihre Konflikte auf konstruktive Weise zu lösen. Sie werden, in Ihrer Eigenschaft als FaSi, gleich doppelt damit konfrontiert: Zum einen müssen Sie die nötigen Sicherheitsmaßnahmen durchsetzen, was oft mit Reibereien verbunden ist. Zum anderen sollten Sie auch ernsten Konflikten der Beschäftigten untereinander Beachtung schenken.

Konflikte können teuer werden

Konflikte im Job kommen Unternehmen und Krankenkassen jährlich teuer zu stehen. Persönliche Differenzen können das Betriebsklima und betroffene Mitarbeiter stark belasten. Seelische Gesundheit und Leistungsvermögen leiden darunter. Mögliche Folgen sind Wut, Angstgefühle und Frustration, Stress, Depressionen und Burn-Out - bis hin zur inneren Kündigung und krankheitsbedingten Ausfällen.

Wie Konflikte entstehen

Wenn verschiedenste Menschen aufeinandertreffen und den Großteil ihrer Zeit miteinander verbringen, ist es kaum verwunderlich, dass es immer mal wieder knallt. Doch wenn Sie den Zündstoff rechtzeitig erkennen und auf angemessene Weise reagieren, können Sie helfen, Eskalationen zu vermeiden.

Zu den Hauptursachen für Konflikte am Arbeitsplatz zählen

  • unvereinbare Vorstellungen, Einstellungen, Erwartungen etc.
  • verschiedene Ansichten bei Sachfragen
  • mangelnde Einsicht, ein Verhalten zu ändern (zum Beispiel PSA zu verwenden)
  • Rollenkonflikte / Hierarchiedenken
  • Neid / Missgunst (z. B. in Bezug auf Arbeitsverteilung, Position, Lob oder Gehalt)
  • Unsicherheit (z. B. bei neuen Kollegen)
  • Antipathie (die Chemie stimmt einfach nicht)


Eine Fachkraft für Arbeitssicherheit sollte sensibel für die Stimmung unter den Mitarbeitern sein, um zum Beispiel bei Mobbing eingreifen oder beratend zur Seite stehen können.

Sachlich oder persönlich?

Konfliktberater unterscheiden zunächst zwischen sachlichen und persönlichen Differenzen. Sachliche Auseinandersetzungen können produktiv sein, etwa wenn alle Beteiligten ihre Vorstellungen zur Umsetzung einer neuen Pausenregelung einbringen und eine gemeinsame Lösung erarbeitet wird.

Bei persönlichen Konflikten stehen eigene Befindlichkeiten und Emotionen im Vordergrund, das macht die Sache oft schwieriger und führt schneller zu Eskalationen. Ein sachlicher Konflikt kann aber auch schnell auf eine persönliche Ebene abgleiten. So könnte die Kollegin A die Diskussion um flexible Pausen zum Anlass nehmen, spitze Bemerkungen über die Unpünktlichkeit von Kollegin B fallen zu lassen - und so schwelende Konkurrenzkämpfe austragen.

Als vermittelnde FaSi sollten Sie bei sachlichen Konflikten klären, ob die wahre Ursache auf einer persönlichen Ebene liegen könnte.

Heiße und kalte Konflikte

Am einfachsten sind Auseinandersetzungen zu bewältigen, wenn sie offen ausgetragen werden - sogenannte heiße Konflikte. Wenn jeder sagt, was er denkt, fällt es leichter, entsprechend zu reagieren. Offene Konflikte führen auch eher zu einer konstruktiven Lösung, da sich niemand hintergangen fühlt.

Anders sieht es bei kalten Konflikten aus. Das sprichwörtliche „eisige Schweigen“ ist ein bekanntes Beispiel dafür, wie schwelender Ärger oder Intrigen negative Stimmungen verursachen können. Kalte Konflikte sind im Berufsleben stark verbreitet. Dahinter steckt häufig die Angst der Mitarbeiter: Anstatt seine Sorge um die eigene Position offen zu äußern, wird lieber der aufstrebende Kollege schlecht gemacht. Anstatt über eine mögliche Entlastungen am Arbeitsplatz zu sprechen, wird lieber hinter vorgehaltener Hand über die miesen Betriebsbedingungen gelästert.

Die Diskussionskultur fördern

All das kann sich in Grenzen halten, wenn der Unternehmer oder seine Fachkraft für Arbeitssicherheit die Belegschaft ermuntert, ihre Meinung zu äußern. Solange die Beteiligten einen respektvollen Ton wahren, kann es sogar dem Betriebsklima zuträglich sein, seinem Ärger regelmäßig Luft zu machen. Regen Sie eine offene Diskussionskultur im Unternehmen an, damit Sorgen und Frust frühzeitig auf den Tisch kommen.

Fragen der Arbeitssicherheit besprechen

Bezüglich der Arbeitssicherheit kann eine regelmäßige Zusammenkunft am „Runden Tisch“ helfen, Notwendigkeiten zu erklären und über Alternativen zu sprechen. Für den Unternehmer ist das zusätzlich eine Gelegenheit, Schwachstellen im Betrieb zu erkennen, zum Beispiel, wenn organisatorische Mängel zu Unzufriedenheiten führen.

Zeit zum Meckern einräumen

Ideal sind regelmäßige Zeiten zum Meckern, etwa im Anschluss an Teambesprechungen. Achten Sie als vermittelnde Person aber darauf, dass jeder Mitarbeiter zu Wort kommt und jeder zu Vorwürfen Stellung nehmen darf. Eine bewährte Methode ist der „Kummerkasten“: Eine Box im Betrieb, in der jeder Mitarbeiter Zettel mit Sorgen oder Veränderungswünschen einwerfen kann. Das Material muss dann natürlich beachtet und besprochen werden.

Die Fachkraft für Arbeitssicherheit als Vermittler?

Damit das Konfliktgespräch nicht zur unkontrollierten Hackerei wird, sollte ein Moderator die Diskussion leiten. Bei kleineren Konflikten können Sie als Fachkraft für Arbeitssicherheit das durchaus übernehmen – sofern Sie regelmäßig im Betrieb anwesend sind. Verschaffen Sie sich dabei zunächst ein Bild über die Konfliktsituation: Wo bestehen Differenzen, welche Ziele und Interessen prallen aufeinander? Erarbeiten Sie dann gemeinsam Lösungswege: Wo kann der Einzelne Zugeständnisse machen? Wie lässt sich ein Kompromiss finden? Und vergessen Sie nie: Der Ton macht die Musik. In Ruhe und mit Fairness lassen sich zwischenmenschliche Probleme besser lösen.

Mediation: Unterstützung vom Konfliktprofi

Als externe Fachkraft für Arbeitssicherheit können Sie Ihrem Chef auch vorschlagen, einen eigenen Vermittler für Konflikte zu benennen. Auch bei stark verhärteten Fronten oder tief sitzenden Probleme ist eine psychologisch nicht geschulte Person schnell überfordert. Deshalb hat sich eine eigene Berufsgruppe entwickelt: Mediatoren helfen bei der kooperativen Bearbeitung von Konflikten.

Ziel der Mediation ist eine für alle Beteiligten befriedigende Lösung, die von den Konfliktpartnern selbst erarbeitet wird. Der Mediator organisiert und steuert den Prozess. Mediation ist also konstruktive Konfliktlösung mit Hilfe einer neutralen, dritten Person, bei der Win-win-Lösungen angestrebt werden. Voraussetzung ist die Bereitschaft aller Beteiligten, gemeinsam den Konflikt zu lösen.

Fazit: Sprechen Sie es an!

Ein strukturiertes Konfliktmanagement trägt zum Erfolg eines Unternehmens bei. Werden Konflikte am Arbeitsplatz dagegen nicht oder nur unzureichend ausgetragen, leiden Gesundheit der Mitarbeiter, Betriebsklima und Produktivität. Als Fachkraft für Arbeitssicherheit sollten Sie auch für psychische Belastungen offene Ohren haben. Denn je eher und besser Ihre Mitarbeiter mit sozialem Zündstoff umgehen, desto größer sind die Chancen, Differenzen zu bewältigen.

Christine Lendt, freie Fachjournalistin

Veröffentlicht:
2009-07-06

Diesen Artikel bookmarken bei...
Mister Wong del.icio.us Folkd Furl Google Linkarena oneview Yahoo MyWeb BlinkList YiGG Webnews